Waiblingen

Das Geheimnis von Schloss Waiblingen

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Mitte der fünfziger Jahre: Blick auf Mauerreste der alten Schlossanlage. Oben das alte Rathaus, hinten die Nikolauskirche. © Schwarzmaier

Waiblingen. Im rustikalen Schlosskeller feiern Waiblinger Narren den Fasching, im Advent bietet er dem Kunsthandwerksmarkt „Art verwandt“ eine schöne Kulisse. Aber wo ist eigentlich das Schloss geblieben, das dem Keller den Namen gibt? Nur noch wenige Spuren zeugen von dem Gebäude, das dem Stadtbrand 1634 zum Opfer fiel.

Der stattliche Gewölbekeller ist der sichtbarste Rest des Waiblinger Schlosses. Bis zur Sanierung und Wiedereröffnung beim Ostermarkt 2003 war sogar er weitgehend in Vergessenheit geraten und hatte lange Zeit eher das Dasein einer „Tropfsteinhöhle“ gefristet, wie die Waiblinger Kreiszeitung die Situation beschrieb. Lange wurde über die zukünftige Nutzung des Gemäuers diskutiert. Der Vorschlag zum Beispiel, dort ein Aktenlager einzurichten, fiel durch – aus heutiger Sicht wohl eine gute Entscheidung. Dass der Keller vom Rathausplatz nur ausschnittsweise als Blick in die Geschichte erahnt werden kann, hat Sicherheits- und Kostengründe. Der Zugang bei Veranstaltungen findet sich versteckt auf der anderen Seite des Rathauses. Die Macherinnen des Weihnachtsmarkts und der „Art verwandt“ können ein Lied davon singen.

Wo heute der OB sein Auto parkt, befand sich der Schlosshof

Wo also befanden sich das Waiblinger Schloss und die Schlossanlagen? Für das Online-Geschichtsportal (Häuser, Gassen, Orte) des Heimatvereins hat dessen Vorsitzender Wolfgang Wiedenhöfer die bisherigen Forschungen zum Waiblinger Schloss durchgeackert. Das Schloss thronte über der Rems, auf einem zum Fluss in Terrassen abgestuften Gelände. „Ungefähr dort, wo sich heute das 1957 erbaute Rathaus, der Rathausplatz und der Sitzungssaal des Gemeinderats befinden, erstreckte sich einst der obere Schlosshof.“ Der untere Schlosshof befand sich dort, wo heute der Oberbürgermeister sein Auto parkt, also unterhalb des Schlosskeller-Eingangs. Offenbar standen dort Scheuern, Lager- und Wirtschaftsgebäude der Schlossanlage.

Eine Trutzburg oder ein Neuschwanstein war Schloss Waiblingen nicht. Eine alte Chronik beschreibt es als „... weitläufig und ohnachtbar Haus ...“, was Wolfgang Wiedenhöfer mit „großes, aber unspektakuläres Zweckgebäude“ übersetzt. So gesehen, hatte es fast etwas mit dem heutigen Rathaus gemein – aber im Ernst: Ein grobes Bild vermittelt die älteste bekannte Waiblinger Stadtansicht aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Sie zeigt das Schloss als Fachwerk-Gebäude mit einem großen, steinernen Sockel.

Schloss diente zeitweise als Residenz

Stellt sich nun die Frage, wer dort gewohnt hat. Vorneweg: Die Staufer waren es nicht. Für die lange Zeit von Heimatkundlern behauptete Staufer-Pfalz fehlt jeder archäologische Nachweis. Das Schloss gehörte den Herren von Württemberg. Deren Beamte wohnten dort mit ihren Familien und verwalteten das Amt Waiblingen. Immer wieder hielten sich auch die Landesherren selbst in Waiblingen auf, so sind aus dem 14. und 15. Jahrhundert mehrere Urkunden erhalten, die in Waiblingen ausgestellt wurden. Zeitweise diente das Schloss auch als Residenz. Mehrere Mitglieder der herrschaftlichen Familie wurden hier geboren. Zum Beispiel Prinzessin Anna, Tochter Eberhards IV., sowie 1445 Graf Eberhard VI., der spätere zweite Herzog von Württemberg.

Bei Stadtführungen, erzählt Wolfgang Wiedenhöfer, üben die Ausführungen zum verlorenen Schloss immer eine besondere Faszination auf die Besucher aus. In seinem Grusel-Buch „Teufel, Trolle, Totenköpfe“ erzählt er dazu eine kleine Spukgeschichte. Ins Reich der Legende gehört wohl auch das Gerücht von einem geheimen Verbindungsgang vom Schloss zur Michaelskirche. Allerdings existiert unter einem Haus in der Kurzen Straße tatsächlich ein verschachtelter Keller, in dem es einen Durchgang in Richtung Mauergang und Mühlkanal gegeben haben könnte.

Möglicherweise zur Warenanlieferung für die Schlossanlage? Mangels stichhaltiger Belege muss es vorerst bei der Spekulation bleiben.


Letzte Ruinenreste

Außer dem Gewölbekeller blieben vom Schloss nur ein paar Mauerreste erhalten, die auch noch überbaut wurden. Ein Teil der Schlosshofmauer steckt in der Nordostecke des Restaurants Bachhofer.

Ebenfalls zur Schlosshofmauer gehörte das Erdgeschoss des „Kleinen Kastens“, der heute als Sitzungssaal dient und noch Schießscharten hat.

Der obere Schlosshof wurde mit einer Zehntscheuer („Großer Kasten“) überbaut, an deren Stelle 1875 das Rathaus kam. Letzte Ruinen wichen 1957 dem heutigen Rathaus. Ebenso der Dekanatsgarten, der von der alten Schlosshofmauer umrahmt war. Vielleicht erinnern sich Besucher des einstigen Kindergartens („Kinderschüle“) im Kleinen Kasten noch daran.