Waiblingen

Das Salier-Gymnasium wird 50

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Das Salier-Orchester mit Sängerin Verena Szkudlarek und Robert Töws an der Geige. © Büttner/ZVW
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Schulleiter Peter Schey. © Benjamin Büttner

Waiblingen. Gleich doppelten Grund zum Feiern hat dieser Tage das Salier-Gymnasium – das 50-jährige Bestehen und den Abschluss der 15 Millionen Euro teuren Sanierung. Wie sehr Schüler und Lehrer die Schule im Lauf der Jahre ins Herz geschlossen haben, war beim Festakt im Bürgerzentrum deutlich zu spüren.

Ein Salier-Gymnasium existiert bundesweit nur einmal, das hat die Online-Recherche von Peter Schey ergeben. Aussprachevarianten jedoch kamen dem Rektor mehrere zu Ohren: So sprachen Anrufer schon vom „Sailer-Gymnasium“, vom „Sal-i-er-Gymnasium mit Betonung auf dem i oder vornehm-französisch vom „Salié -Gymnasium“. Generationen von Schülern hat das altehrwürdige Gebäude gesehen, das immer noch licht und modern wirkt. Kein Geringerer als Star-Architekt Günter Behnisch, der mit seinem Team den Münchner Olympiapark entwarf, steht auch für das Salier.

Erinnerungen an Sprachlabor und Lehrer-Raucherzimmer

Die Sanierung wurde nicht fällig, weil die Architektur nicht mehr gefallen hätte. Die hebt sich wohltuend ab vom Beton-Brutalismus jener Zeit, wie er sich etwa an der Waiblinger Querspange bestaunen lässt. Vor allem der Energiestandard war in Zeiten des Klimawandels und gestiegener Heizkosten nicht mehr tragbar. „Zumindest dann nicht, wenn die Heizung funktionierte“, wie Rektor Schey anmerkt.

Davon ganz unbeschadet habe das Salier-Gymnasium modische und methodische Trends überstanden. Die rebellischen 68er, Punks und Popper, Hip-Hopper und Rapper der 90er: Das Abendland ist, anders als von manchen besorgten Zeitgenossen befürchtet, davon nicht untergegangen. Mit Schrecken denken ältere Semester an die ultramodernste Unterrichtsmethode der 80er zurück, heute fast ganz in die verdiente Vergessenheit geraten: das Sprachlabor. Auf einen weiteren skurrilen Meilenstein der Schulgeschichte stieß bei der Durchsicht der Chronik Oberbürgermeister Andreas Hesky: 2004 wurde das „Raucher-Lehrerzimmer“ in ein EDV-Lehrerzimmer umgewandelt.

Foto-Aktion der Lehrer gegen Mayer-Vorfelders Sprüche

Wie ein Urgestein ragt Geschichtslehrer Klaus Scheiner aus fernen Gründungstagen hinüber in die Gegenwart. Von 1969 bis 2007 unterrichtete er am Salier-Gymnasium, noch bevor das Wohngebiet Korber Höhe oder eine Sporthalle existierten. Der Schulsport fand großflächig über die Stadt verteilt statt – beim VfL, in den Rinnenäckern, in Beinstein und sogar im Fellbacher Hallenbad. In Ermangelung einer nennenswerten Busverbindung erklomm der junge Pädagoge jeden Morgen vom Waiblinger Bahnhof kommend erst einmal den Berg. Das Kollegium damals war zeittypisch politisch geprägt, doch über Parteigrenzen hinweg wusste der SPD-Mann dieses „lebende fachwissenschaftliche Lexikon“ zu schätzen.

Nicht der größte Freund der Lehrerschaft war „MV“, der legendär autokratische VfB-Präsident und Kultusminister Gerhard Mayer-Vorfelder. Zu viele Lehrer sähen so aus, als ob sie gerade aus dem Busch kämen, schimpft er über bärtige und langhaarige Pädagogen. Worauf die Waiblinger Kollegen sich in Smokings warfen, Zylinder aufsetzten und sich vom Fotografen der Waiblinger Kreiszeitung ablichten ließen, wie sie gerade aus dem Gebüsch hinter der Schule hervorkrochen.

"Sie sind soeben Vater geworden!"

Damit nehmen die Anekdoten längst kein Ende, die beim Festakt und danach unter Lehrern und Ehemaligen ausgetauscht wurden. So stürmte wohl einst die Schulleiterin in eine Abiturprüfung mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind soeben Vater geworden!“. – „Das wüsste ich aber“, verneinte der Lehrer. Darauf die Rektorin: „Ich meine auch nicht Sie, sondern den Schüler.“ Diesen soll die Nachricht so beflügelt haben, dass er eine Super-Prüfung hinlegte.

Wie sehr die Schule Lebensraum ist, in dem Jugendliche sich ausprobieren und wachsen können, führten beim Festakt die Schüler selbst lebhaft vor Augen – Salier-Orchester und Chor ebenso wie die Vertreter der SMV. Schülersprecherin Emily Maier nannte das Gymnasium einen Ort, „an dem wie Freunde fürs Leben, aber vor allem auch uns selbst kennenlernen“ und zählte eine Vielzahl von Projekten auf, welche die Schüler mitverantworten. Elternbeiratsvorsitzender Andreas Reichenauer stellte sich gegen den gegenwärtigen Trend, alle Erziehungsaufgaben der Schule aufzuhalsen. „In erster Linie sind wie Eltern gefragt, Werte zu vermitteln – die Schule allein kann das gar nicht leisten.“

Die Wünsche gehen der Schule auch nach der Modernisierung nicht aus – Stichwort Hanggebäude. Dazu OB Hesky: „Mit den vielen Schulen unserer Stadt ist es aber wie bei den Kindern in einer Familie. Die Eltern haben alle gleich lieb, keines darf bevorzugt werden, und dennoch meint jedes, die anderen bekommen mehr.“


Salier in Zahlen

„Das Unwahrscheinliche ist hier wahr geworden“ – das sagte Andreas Heskys Amts-Vor-Vor-Vorgänger OB Dr. Gebhardt bei der Einweihung des Salier-Gymnasiums 1968. Der Bau des zweiten Gymnasiums war ein Kraftakt für die Stadt und kostete zehn Millionen Mark.

Besonders und zu dieser Zeit einmalig war, dass sich 14 umliegende Gemeinden im Wege einer Schulvereinbarung an den Bau- und Betriebskosten beteiligten. Im Gegenzug übernahm Waiblingen die Schulträgerschaft für die anderen Gemeinden. „Das war Interkommunalität par excellence“, resümiert der Rathauschef. Zu den beteiligten Gemeinden gehörten auch die Waiblinger Ortschaften, die damals noch nicht eingemeindet waren.

Das Staufer-Gymnasium, so Hesky, platzte mit 1300 Schülern in 37 Klassen aus allen Nähten. Im Rekordjahr 1979/80 zählt das Salier rund 1400, aktuell liegt es bei 730 Schülern.