Waiblingen

Das soll sich in der Fronackerstraße in Waiblingen sofort ändern

Fronackerstraße
Das Sorgenkind Fronackerstraße steht vor – zunächst versuchsweisen – Veränderungen. © ALEXANDRA PALMIZI

Seit Jahren ringen die Waiblinger um Verbesserungen in der von Lärm und Verkehr geplagten Fronackerstraße. Rückstaus und Autoposer gehen allen auf die Nerven – passiert ist trotzdem wenig. Jetzt wird es wohl schnell gehen: Als erstes Resultat aus der Bürgerbeteiligung hat der Gemeinderat ein Bündel von Sofortmaßnahmen beschlossen, die das Leben für Anwohner und Fußgänger erträglicher machen sollen. Strittig war bis zuletzt, in welchem Umfang tatsächlich Parkplätze wegfallen.

Aus der coronabedingt kombinierten Online-Postkarten-Mail-Bürgerbeteiligung hat die Stadtverwaltung Vorschläge und Kritikpunkte zu fünf Sofortmaßnahmen-Varianten gebündelt, die nun in einer bewegten Sitzung des Gemeinderats erneut variiert wurden – und siehe da: In der unendlichen Geschichte Fronackerstraße wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Denn vor allem eine Erkenntnis brachte die Bürgerbeteiligung bei aller Widersprüchlichkeit der Rückmeldungen: Die Menschen erwarten, dass sich etwas ändert – und zwar jetzt.

Blitzersäule wäre keine Sofortmaßnahme

Kurzfristig verworfen wurde der Vorschlag der Verwaltung, einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ mit Tempo 20 wie in der Langen Straße bei Villinger-Zeller anzuordnen. Dafür hätte nämlich der Zebrastreifen geopfert werden müssen – dagegen sprachen sich anwesende Anwohner aus. „Ich habe auch in der Langen Straße nicht den Eindruck, dass die Leute das goutieren“, bemerkte Julia Goll mit Blick auf die dortige Diskussion.

Es gilt also Tempo 30. Zur Aufstellung einer Blitzersäule, wie durch Ingo von Pollern (CDU) vorgeschlagen, wird es vorerst nicht kommen. Auch wird kein uniformierter Ordnungshüter als „Dauer-Büttel“ abkommandiert. Das Tempo soll durch verschiedene Verengungen der Fahrbahn reduziert werden. Etwa durch Pflanzkübel beim Zebrastreifen, aber auch durch sogenannte „Pop up“-Inseln, die in der Nutzung nicht festgelegt sind, auf denen theoretisch Kinder spielen oder die von Gastronomen für die Außenbewirtschaftung genutzt werden dürfen. Woran sich wiederum – ebenfalls theoretisch – die Hoffnung knüpft, dass die Gastronomie sich auf dem Gehweg weniger breitmacht.

"Pop up"-Inseln als Verkehrsberuhigung  

Hauptaufgabe der „Pop up“-Inseln: Sie sollen die Fahrbahn verengen, Begegnungsverkehr und Autoposern den Spaß am "Laute-Runden-Drehen" vergällen. Entlang der Straße reihen sich zudem spezielle Lieferzonen, zwei Ladeplätze für Elektroautos und ein Car-Sharing-Platz sowie Plätze für Fahrräder und E-Scooter. Schräg-Parkplätze werden geopfert, aber nicht in dem Umfang wie zeitweise vorgeschlagen. „Wir müssen an alle Beteiligten denken, auch an die Ladenbesitzer und Kunden“, sagte Peter Abele (CDU). Allerdings soll eine 30-Minuten-Regelung gelten, und nach Ladenschluss werden die Stellplätze an der Nordseite zu Anwohner-Parkplätzen.

Einigkeit: Alles nur ein Test

Bei allen Differenzen herrschte in einem Punkt Einigkeit quer durch alle Fraktionen: Die Wirkung der Sofortmaßnahmen soll nach spätestens sechs Monaten überprüft werden. Es handelt sich ganz bewusst um quasi „sofort“ einzurichtende Provisorien. „Wenn die Einzelhändler aufs Rathaus kommen und sagen, jetzt kauft keiner mehr ein – dann bauen wir wieder ab“, kündigte Oberbürgermeister Andreas Hesky an.

Lieber keine Boden-Schwellen

Von der ALi vorgeschlagene Schwellen wird die Stadt nicht anbringen – zu schlecht sind die Erfahrungen mit den „Kölner Tellern“ am Alten Neustädter Weg. Nichts wird aus einer nächtlichen Anliegerstraße - denn jeder könnte das Anliegen haben, nachts vor der Gastronomie einen Parkplatz zu suchen.

Schräg-Parkplätze als Gefahrenquelle

Dass die Schräg-Parkplätze als Gefahrenquelle erkannt wurden, begrüßt „Grünt“-Rätin Iris Förster. Aber: Beim Provisorium dürfe es nicht bleiben, ein großer Wurf seien die Sofortmaßnahmen nicht. Endlich werde der Mensch in den Mittelpunkt der Planungen gerückt statt das Auto, lobte SPD-Rat Peter Beck. In der rege genutzten Bürgerbeteiligung sieht er einen „Erfolg der Demokratie“. Marc Maier (AfD) erinnerte bezüglich der Parkplatz-Situation daran, dass es Einzelhändler und Gastronomen ohnehin schwer genug hätten. Und Christel Unger (SPD) nutzte die Gelegenheit, eine Lanze fürs Ärztehaus beim Avia-Gelände zu brechen. Wer ins künftige Ärztehaus Medicplaza ins Eisental müsse, der sei schließlich aufs Auto angewiesen. Im Oktober stehe der Aufstellungsbeschluss zum Ärztehaus Fronackerstraße an, sagte der Oberbürgermeister.

Seit Jahren ringen die Waiblinger um Verbesserungen in der von Lärm und Verkehr geplagten Fronackerstraße. Rückstaus und Autoposer gehen allen auf die Nerven – passiert ist trotzdem wenig. Jetzt wird es wohl schnell gehen: Als erstes Resultat aus der Bürgerbeteiligung hat der Gemeinderat ein Bündel von Sofortmaßnahmen beschlossen, die das Leben für Anwohner und Fußgänger erträglicher machen sollen. Strittig war bis zuletzt, in welchem Umfang tatsächlich Parkplätze wegfallen.

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