Waiblingen

Das verschwundene h: Sörenbergweg in Neustadt soll umbenannt werden

Söhrenberg
Wegweiser zur Vereinsgaststätte des TSV Neustadt. © Benjamin Büttner

Schreibt sich der Söhrenberg, der Hausberg von Neustadt, mit oder ohne „h“? Das ist eine alte Frage, die unter Menschen in Neustadt und in Lokalredaktionen schon seit geraumer Zeit ohne rechtes Ergebnis diskutiert wird – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der geplanten Baulandentwicklung am Sörenbergweg (ohne h). Aus unerwarteten Gründen naht jetzt eine Klärung dieser orthografischen Dauerfrage – und sogar eine Umbenennung. Hintergrund ist nicht das Wohngebiet, sondern eine Bürgeranfrage, die unlängst bei der Stadt Waiblingen in einer Passangelegenheit einging.

Verweis auf Seen

Die Anfrage bezog sich nicht einmal auf den Sörenbergweg, machte aber eine Einsicht ganz deutlich: Schreibweisen von Adressen, die ihren Niederschlag in amtlichen Dokumenten finden, können nicht beliebig sein – nicht einmal im scheinbar so unerheblichen Detail des „h“. Aber was soll denn nun gelten? Historikerin Kristina Kraemer vom Haus der Stadtgeschichte hat auf Wunsch von Oberbürgermeister Andreas Hesky nachgeforscht und dabei Überraschendes zutage gefördert. Zugrunde liegt das mittelhochdeutsche Wort „sêwe“ für „See(n)“. Ortskundige wissen: Ganz in der Nähe gibt es auch die Seestraße.

Deutschlandweite Entwicklung

Bereits 1344 lässt sich urkundlich ein „Sewerberg“ nachweisen. Später finden sich parallel die Schreibweisen „Seherberg“, „Sehrenberg“, „Serrenberg“ und „Söhrenberg“. Auf einer Flurkarte von 1832 tragen alle umgebenden Gewanne Namen wie „Sehrenfeld“ oder „Sehrenbaum“. Nach 1865 wurde handschriftlich mit roter Tinte ein ö aus dem e gemacht. Und auf einer Karte von 1932 wurde das gedruckte h wieder handschriftlich durchgestrichen. Deutschlandweit sei zu beobachten, so die Historikerin, dass um und nach 1900 die alten Flurnamen „verhochdeutscht“ wurden. Wie’s scheint, verlor auch der „Söhrenberg“ im Lauf dieser Entwicklung sein „h“.

Straßenschild ist (noch) falsch

Aus fachlicher Sicht der Historikerin ist also das h gerechtfertigt. Dies wäre ein „schöner Verweis auf die anzunehmende historische Kulturlandschaft kleiner Seen und Bäche unterhalb des mittelalterlichen Weinbergs“. Und tatsächlich wird OB Hesky dem Ortschaftsrat Neustadt und dem Waiblinger Gemeinderat vorschlagen, den Sörenbergweg – derzeit noch offiziell ohne h - in Söhrenbergweg mit h umzubenennen. Im Ortschaftsrat sei bereits der Wunsch zum Ausdruck gebracht worden, das h zu verwenden. Das Straßenschild etwa an der Ecke Ringstraße ist nach jetzigem Stand noch falsch, da es nicht der amtlichen Straßenbezeichnung folgt. Das könnte sich bald ändern.

Bürgerbeteiligung kommt

In Neustadt selbst wird das h im Zusammenhang mit dem Söhrenberg vielfach verwendet – etwa im Namen der Söhrenberg-Gaststätte des TSV Neustadt, im Söhrenberg-Stadion, beim Söhrenberg-Triathlon oder bei der Söhrenberg-Apotheke. So soll und darf es bleiben.

Bleiben werden wohl auch die Gewann- und Flurnamen ohne h. Zu befürchten wäre sonst ein Dominoeffekt, weil noch viele andere Gewanne eine ähnliche Verhochdeutschung erlebt haben.

Am Söhrenbergweg will die Stadt Waiblingen in den kommenden Jahren ein neues Wohngebiet entwickeln. Erste Grundstücksverhandlungen haben dort schon begonnen. Derzeit liegen sie auf Eis, weil eine Bürgerbeteiligung beantragt und vom Gemeinderat genehmigt wurde.

Schreibt sich der Söhrenberg, der Hausberg von Neustadt, mit oder ohne „h“? Das ist eine alte Frage, die unter Menschen in Neustadt und in Lokalredaktionen schon seit geraumer Zeit ohne rechtes Ergebnis diskutiert wird – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der geplanten Baulandentwicklung am Sörenbergweg (ohne h). Aus unerwarteten Gründen naht jetzt eine Klärung dieser orthografischen Dauerfrage – und sogar eine Umbenennung. Hintergrund ist nicht das Wohngebiet, sondern eine Bürgeranfrage, die

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