Waiblingen

Dekan Hertneck will sich nicht bei AfD entschuldigen

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Kritisiert die AfD scharf: Timmo Hertneck, Evangelischer Dekan in Waiblingen. © Mathias Ellwanger

Waiblingen. Dekan Timmo Hertneck hat eine vom AfD-Kreisvorstand geforderte Entschuldigung wegen seiner „skandalösen Einmischung in die Parteipolitik“ zurückgewiesen. Der Dekan hatte die AfD als Partei bezeichnet hatte, „die an die Freiheitsfeindlichkeit und Kirchenfeindlichkeit des Nationalsozialismus erinnert“. Dabei bleibe er, sagte er nun: „Ich werde mich nicht entschuldigen.“

Wie berichtet, findet am Samstag findet in Waiblingen der Landesparteitag der rechtspopulistischen AfD statt. In einer Woche wird die Partei ihren Bundesparteitag in Stuttgart abhalten. Im Vorfeld der beiden Veranstaltungen hatte sich Hertneck auf der Homepage des Evangelischen Dekanats in Waiblingen scharf von der AfD distanziert

AfD: Hertneck verleumdet Christen unter AfD-Mitgliedern

„Erschreckend“ findet der AfD-Vorstand die Erklärung des evangelischen Dekans Timmo Hertneck. Viele evangelische Christen unter den Mitgliedern und Wählern der AfD würden von einem führenden Kirchenmann auf dessen amtlicher Homepage verleumdet. Von einem Dekan habe die AfD ein höheres Niveau erwartet. Hertneck solle „sich umgehend für seine verbalen Verirrungen zu entschuldigen“, fordern die Rechtspopulisten. Gleichzeitig laden sie den Dekan zum Gespräch, um dessen „Unwissen“ abhelfen zu können: „Wir haben keine Angst vor anderen Argumenten.“

Timmo Hertneck offenbar auch nicht. Selbstverständlich werde er die Einladung annehmen, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Entschuldigen werde er sich bei der Partei allerdings nicht. „Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung, in die Nähe von linksradikalen Gruppen gerückt zu werden“.

Viele Positionen der AfD, so der Dekan in dem Text auf der Dekanats-Homepage, seien sehr befremdlich, manche sogar gefährlich: Etwa die Forderung der AfD in Sachsen Anhalt, dass deutsche Bühnen „stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen. Oder beim Thema Inklusion, das die Partei als "ideologisch motiviertes Großexperiment" ablehne.

Hertneck: AfD missbraucht Christentum für ihre Zwecke

Die AfD, so Hertneck, wolle den Nationalismus in Deutschland stärken. Das Individuum soll seine Vereinzelung aufgeben und im Volkskörper aufgehen. Dabei missbrauche sie die christlichen Wurzeln Europas für ihre Zwecke: Mit dem Ziel, in Deutschland den Laizismus einzuführen, stelle sich die Partei gegen das Grundgesetz, denn in Deutschland sei ein kooperierendes Verhältnis von Religionsgemeinschaften und Staat gesichert.

Gleichzeitig warnt der Dekan vor gewalttätigen Formen des Protests: „Bewahren Sie kühlen Kopf, stehen Sie zu Ihrem Glauben, zeigen Sie, wofür unsere Kirche steht, und halten Sie sich von allen fern, die den Protest gegen die AfD missbrauchen, um sich selbst austoben zu können.“

Kundgebungen

Die Kundgebungen gegen den Landesparteitag der AfD im Waiblinger Bürgerzentrum beginnen an diesem Samstag gegen 9 Uhr rund ums Bürgerzentrum. Später soll ein Protestmarsch durch die Stadt folgen, der etwa um 11 Uhr am Alten Postplatz mit einer Abschlusskundgebung enden soll.