Waiblingen

Der Blütenhandel blüht im Internet

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Der 50-Euro-Schein ist die am meisten gefälschte Note in Deutschland. Am 4. April kommt ein neu gestalteter Schein in Umlauf. © Europäische Zentralbank

Waiblingen. Seit Geld erfunden ist, sind Fälscher am Werk. Sie werden Mittel und Wege finden, auch den neuen 50-Euro-Schein zu fälschen, der Anfang April herauskommt. Im Rems-Murr-Kreis haben binnen weniger Wochen drei Personen versucht, falsche Fuffziger in Umlauf zu bringen. Gelungen ist es nicht.

Wie erkenne ich eine Blüte? Am besten geht es mit dem Prinzip "Sehen, Fühlen, Kippen". Sehen: Im Gegenlicht sollte das Wasserzeichen erkennbar sein. Fühlen: die EZB-Abkürzungen sind leicht erhaben auf dem Papier dargestell. Kippen: Ist das Hologramm vorhanden?

„Bei uns können Sie das qualitativ hochwertigste Falschgeld online bestellen“ – so wirbt ungeniert ein Internet-Shop um Kunden. Eine 50-Euro-Blüte kostet 25 Euro. Die Betreiber sichern Anonymität, schnelle Lieferung und freundlichen Support zu.

Dieser Internet-Shop – von dem nicht sicher ist, dass es sich um einen echten handelt – ist ganz leicht im frei zugänglichen Internet zu finden. So richtig blüht der Blütenhandel allerdings im Darknet. Das ist laut einer Definition des Bundeskriminalamts jener Teil des Internets, der bei einer Recherche über herkömmliche Suchmaschinen nicht auffindbar ist. Drogen, Waffen, Pornos, Falschgeld – vermutlich gibt’s nichts, was es dort nicht gibt.

Illegale Online-Plattformen dürften aus Sicht des Bundeskriminalamts erheblich dazu beigetragen haben, dass die Zahl der Falschgelddelikte im Jahr 2015 gleichsam explodiert ist (siehe Infobox).

Am beliebtesten bei Fälschern: Der 50-Euro-Schein

Am häufigsten wird laut Bundesbank der 50-Euro-Schein gefälscht. Die beiden Vorfälle in Fellbach und Waiblingen in jüngster Zeit passen ins Bild: Mit einem falschen Fuffziger wollte diesen Sonntag ein 22-Jähriger in einer Gaststätte in Waiblingen bezahlen. Der Betreiber der Gaststätte durchschaute das Vorhaben und rief die Polizei (wir haben berichtet).

Im Auto und in der Wohnung des Mannes fand die Polizei keine weiteren Blüten. Das war bei einem anderen Vorfall Mitte November in Fellbach anders. Zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren wollten an einem Kiosk Feuerzeuge mit einem falschen 50-Euro-Schein bezahlen. Ein Angestellter erkannte den Schein sofort als Fälschung. Die Polizei fand bei den Jugendlichen weitere Blüten.

Falschgeldhersteller entwickeln ihre Methoden stets weiter

Ob und wie eine Fälschung als solche zu erkennen ist, hängt natürlich von der Qualität des Falsifikats ab. Laut Bundeskriminalamt sind erstmals im Jahr 2015 falsche Scheine aufgetaucht, „die durch nichttechnische Prüfverfahren kaum noch von echten zu unterscheiden sind“. Falschgeldhersteller entwickeln ihre Methoden stets weiter, und der Vertrieb von entsprechender Ausstattung übers Internet erleichtert kriminelle Aktivitäten erheblich, so das Bundeskriminalamt. Trotzdem: Das Falschgeldaufkommen ist, bezogen auf den Bargeldumlauf insgesamt, „als gering zu bezeichnen“, beruhigt die Behörde.

Wer tatsächlich in einer Gaststätte, am Kiosk oder wo auch immer plötzlich eine Blüte in Händen hält, dem hilft das nicht weiter. Dann ist umsichtiges Handeln gefragt. Der wichtigste Rat der Polizei lautet: niemals das Falschgeld an denjenigen zurückgeben, von dem man es bekommen hat, und natürlich auch nicht an andere weiterreichen. „Sie könnten sich dadurch selbst strafbar machen“, warnt das Bundeskriminalamt. Natürlich gilt immer: Polizei rufen und sich das Aussehen des Falschgeldeinreichers sowie, falls möglich, dessen Kfz-Kennzeichen einprägen.

Am 4. April kommt der neue 50-Euro-Schein

Auf seinem Schaden wird der Empfänger des Falschgeldes wohl sitzenbleiben. Es gibt keinen Anspruch, etwa von der Bundesbank falsches Geld in echtes umgetauscht zu bekommen. Die Gefahr, einen falschen Fuffziger zu erhalten, dürfte indes bald sinken. Am 4. April kommt der neue 50-Euro-Schein in Umlauf. Als der neue 20er eingeführt wurde, ging die Zahl der Fälschungen dieser Note laut Bundesbank deutlich zurück – denselben Effekt erhoffen sich die Behörden nun beim neuen 50-Euro-Schein.

Unterdessen nutzen Täter auch Verkaufsportale im Internet, um Waren gegen Falschgeld zu tauschen. Darüber informierte vor wenigen Tagen das Landeskriminalamt Niedersachsen aus aktuellem Anlass. Offenbar gehen Täter gezielt auf hochpreisige Angebote ein in der Hoffnung, der Verkäufer schaut nicht so genau auf den Schein, weil er sich so freut, einen so hohen Preis für sein Produkt erzielt zu haben.

Mit kleinen Scheinen wollten indes vor einiger Zeit Betrüger das große Geld machen: Zur europaweit ersten Druckfälschung von Fünf-Euro-Noten wäre es im Jahr 2014 beinahe in Stuttgart gekommen. Seinerzeit nahmen Ermittler des Landeskriminalamts mehrere Personen fest. Die Beamten stießen in Stuttgart auf eine Druckerei, die zur Herstellung von Falschgeld genutzt wurde. Sie fanden Druckplatten und Heißprägefolien sowie zahlreiche noch nicht geschnittene Druckbögen mit unfertigen Fünf-Euro-Fälschungen.

Erst Anstieg, dann Rückgang

  • Rund 86 500 Falschgelddelikte hat die Polizei im Jahr 2015 in Deutschland laut Bundeskriminalamt registriert. Das entspricht einem Zuwachs von 42 Prozent im Vergleich zum Jahr davor.
  • In Baden-Württemberg war im Jahr 2015 deutlich mehr Falschgeld im Umlauf als im Jahr davor. Es sind 14 888 gefälschte Euro-Banknoten im Südwesten sichergestellt worden, 21,6 Prozent mehr als 2014.
  • Die Deutsche Bundesbank hat im Jahr 2016 rund 82 200 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von 4,2 Millionen Euro registriert. Die Zahl der Fälschungen fiel gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent niedriger aus, teilt die Institution mit. Rein rechnerisch entfielen damit zehn falsche Banknoten auf 10 000 Einwohner.

Das Fühlen-Sehen-Kippen-Prinzip

Fälscher versuchen aus Kosten-Nutzen-Gründen erfahrungsgemäß nicht, alle Merkmale eines echten Geldscheines nachzumachen. Es empfiehlt sich, bei Verdacht mehrere Merkmale zu überprüfen. Die Deutsche Bundesbank rät zum Fühlen-Sehen-Kippen-Prinzip. Hier ein paar Beispiele aus den Erläuterungen der Deutschen Bundesbank:

Die Sicherheitsmerkmale. Abbildung: Falschgeldstelle der Deutschen Bundesbank

Tastbar ist auf der Vorderseite der Banknote am linken und rechten Rand jeweils eine Reihe kurzer, erhabener Linien. Beim Hauptmotiv, der Schrift und bei der großen Wertzahl ist ein Relief spürbar.

Beim Kippen der Banknote bewegt sich auf der glänzenden Zahl ein Lichtbalken auf und ab. Je nach Blickwinkel verändert sich die Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau.

Im Wasserzeichen wird schemenhaft ein Porträt der mythologischen Gestalt Europa sichtbar, wenn man die Banknote gegen das Licht hält.

Der Glanzstreifen auf der Rückseite erscheint golden glänzend oder als fast unsichtbarer Schatten, je nachdem, wie man den Schein hält. Im Glanzstreifen sind Aussparungen in Form des Euro-Symbols und der Wertzahl eingearbeitet.

Im Gegenlicht ist ein in das Papier eingearbeiteter Sicherheitsfaden erkennbar.

Oben am Hologramm-Streifen ist ein transparentes Fenster angebracht. Hält man den Schein gegen das Licht, dann erscheint in diesem Fenster ein Porträt der Europa. Auf der Rückseite des Scheins tauchen beim Kippen im Fenster regenbogenfarbene Wertzahlen auf.

Im Motiv der Banknote befindet sich an verschiedenen Stellen eine Mikroschrift, die unter der Lupe gestochen scharf erkennbar ist.

Info

Die Falschgeldstelle der Deutschen Bundesbank in Mainz bietet Online-Schulungen an zum Thema Prüfung von Bargeld auf Echtheit, Telefonnummer 0 61 31/3 77-44 88, www.bundesbank.de/falschgeldschulung