Waiblingen

Der große Gatsby von Schnait

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„Geht nicht“ gibt’s nicht: Samuel Herbrich hat mit viel Fleiß sein uraltes Haus umgebaut – und daraus die perfekte Partylocation gemacht. © Eva Hopfgarten (Online-Praktikant)
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Party in Schnait, 01.01.2016
Ins Anwesen kommen in der Regel nur Facebookfreunde von Samuel Herbrich. © Beytekin
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Durch Lichteffekte schafft es Samuel Herbrich, den Keller größer wirken zu lassen, als er ist. © Privat
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Immer für einen Scherz zu haben: Samuel Herbrich (links) bei seiner Silvesterparty 2015/16. © Privat
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Party in Schnait, 01.01.2016
Die Partys sind immer privat. © Beytekin

Weinstadt-Schnait. Wenn Samuel Herbrich feiert, dann richtig: Wie der große Gatsby in dem berühmten Buch von F. Scott Fitzgerald lädt er regelmäßig hunderte Menschen zu sich ein. Anders als im Roman ist Samuel Herbrich aber kein reicher Schnösel, sondern ein schaffiger Bauarbeiter. Seine Partys kann er nur stemmen, weil gute Freunde mithelfen.

Lichtblitze zucken. Electro-Sound ertönt. Hie und da sind Nebelschwaden zu sehen. Menschen tanzen ausgelassen im Keller von Samuel Herbrichs Haus, Körper an Körper, doch die Enge scheint niemanden zu stören. Es ist eine Szene aus einem Video, das Samuel Herbrich von einer seiner ersten Partys gedreht hat, damals an Silvester vor drei Jahren. Dutzende Menschen feierten in seinem Keller, zu einem Zeitpunkt, als er noch gar nicht so ausgebaut war wie heute. Es ging auch so, doch Samuel Herbrich ist keiner, der die Dinge einfach laufen lässt. Er optimiert gerne. Also hat er einen neuen Tanzboden verlegt, eine Lüftung und eine Heizung eingebaut. Und er feilte an optischen Details: Seine Scheinwerfer hat er mittlerweile so eingestellt, dass sein eigentlich kleiner Keller wesentlich höher wirkt, als er eigentlich ist. „Da hast du das Gefühl, der Keller ist unendlich.“ Die meisten, die so viel Mühe in ihren Partykeller investieren, würden hier wohl mit maximal 30 Leuten feiern. Nicht so Samuel Herbrich: Für ihn kann es gar nicht groß genug sein. Bei seinen Partys kommen mindestens 200 Menschen. Manchmal auch 300. Und dann herrscht, abgesehen von seinen privaten Räumen, im halben Haus Feierstimmung. „Ich liebe Menschen. Ich finde es schön, wenn die alle kommen. Und ich finde es schön, wenn es ihnen bei mir gefällt.“

Das Anwesen Silvester 12/13 from Samuel Herbrich on Vimeo.

2011 hat Samuel Herbrich seine eigene WG gegründet

Im Herbst 2012 hat Samuel Herbrich seine erste Riesenparty organisiert. Da gab es seine Wohngemeinschaft in dem alten Haus in der Schnaiter Brunnenstraße schon seit einem Jahr. Am Anfang waren sie zu zweit, mittlerweile leben fünf Männer in der WG. Es ist eine richtige Gemeinschaft, in der gemeinsam gekocht und gefeiert wird. Hier wird miteinander gelebt, nicht nebeneinander her. Und wenn in Herbrichs Haus mal wieder eine große Party ansteht, dann packen sie alle mit an. Überhaupt: Ohne die Hilfe von Freunden würde es gar nicht funktionieren. Schon eine Woche vor Partybeginn laufen die Vorbereitungen an – wie zum Beispiel der Getränkekauf. Auch bei der Feier selbst ist Samuel Herbrich auf Hilfe angewiesen. „An so einem Abend brauchen wir acht Leute, die einfach nur da sind und den ganzen Abend knechten.“ Sogar einen Fahrdienst gibt es, der müde und angetrunkene Gäste wieder nach Hause fährt. Wäre das Ganze kommerziell, wäre es nicht bezahlbar.

Wenn nur ein Anwohner Stress machen würde, wäre es mit den Feiern sicher schnell vorbei. Samuel Herbrich weiß das – und er ist deshalb seinen Nachbarn sehr dankbar. „Das sind total nette Leute.“ Samuel Herbrich hat sie darum laut eigenem Bekunden im Sommer auch mal zum Grillen eingeladen, einfach um die Nachbarschaft zu pflegen. Und er selbst ist bei den Partys mit seinen Helfern von 22 Uhr abends bis 8 Uhr morgens auf den Beinen, hält sich mit dem Trinken etwas zurück, sieht nach dem Rechten – und räumt nachher wieder auf. Um die Vermüllung rund ums Haus so gering wie möglich zu halten, hat er sogar einen mit Bauzäunen abgesperrten Außenbereich eingerichtet, in dem sich die Leute draußen zum Rauchen aufhalten können. Dass im Haus bei seinen Feiern mal was kaputtgeht, findet Samuel Herbrich nicht weiter schlimm. Der Laufweg zu seinem Keller ist zum Beispiel mittlerweile total abgenutzt, aber das stört ihn nicht weiter. Pingelig darf ein Partymacher wie er eben nicht sein. Sein Motto lautet: „Hey, wir haben die Location, wir nutzen sie auch.“

Geht doch mal was kaputt, dann repariert es Samuel Herbrich einfach. Er arbeitet schließlich seit Jahren auf dem Bau. Sein Haus nennt er zwar auf Facebook „Das Anwesen“ – aber der Name ist nicht so ganz ernst gemeint. Er wollte sich ein wenig von der Wohngemeinschaft seines Bruders abgrenzen, der in einem alten Haus in Großheppach lebt – und das wird von allen nur „Die Scheune“ genannt. Außerdem, erzählt er lächelnd, gebe es in Beutelsbach ja noch eine WG, die sogar als „Die Villa“ bezeichnet wird. Der Schnaiter ist ein kreativer Mensch – aber ist weder größenwahnsinnig noch versnobt. Zwar feiert er Partys wie der große Gatsby – aber er ist anders als die bekannte Romanfigur gewiss kein zwielichtiger Geschäftsmann und auch ganz sicher nicht stinkreich. Wer bei Samuel Herbrich ein Bier trinkt, muss das selbstverständlich bezahlen.

Das schreckt allerdings niemanden ab. Die Partys des Schnaiters sind mittlerweile so legendär, dass sich die DJs darum reißen, bei ihm nachts aufzulegen. Immer wieder wird Samuel Herbrich auf der Straße angesprochen und gefragt, wann er mal wieder eine Feier veranstaltet. Er muss dann die Leute oft vertrösten, immerhin hat er einen Vollzeitjob in der Baubranche und nebenbei noch ein Privatleben. Außerdem stehen in seinem Haus noch Arbeiten an: Im Sommer will er den kompletten Dachstuhl erneuern – und natürlich wird er wieder selbst anpacken. Eins ist allerdings klar: Solange ihm niemand seine Partys verbietet, wird Samuel Herbrich nicht aufhören. Und wenn er dann mal wieder eine Wand vom Senf befreien muss, dann ist das halt so. Da ist der Schnaiter ganz tiefenentspannt. „Wollen wir Party machen oder wollen wir keine Party machen?“

Faible für Videos

Partys, Urlaube, Abenteuertrips: Samuel Herbrich dreht gerne aufwendige Videos. Er unterlegt sie mit Musik und achtet darauf, dass die Schnitte zum Tempo passen. Wird das Lied schneller, werden auch die Schnitte rasanter – und umgekehrt.

Am liebsten macht Samuel Herbrich kurze Videos. 2013 allerdings hat er einen 90-minütigen Film über seine Bustour nach Nepal im Waiblinger Kino gezeigt. Er reiste damals mit seiner Freundin Christina Just durch Länder wie Pakistan und den Iran.

Aktuell hofft Samuel Herbrich, sich durchs Drehen von Hochzeitvideos ein neues berufliches Standbein aufzubauen. Erste Kostproben gibt’s unter http://www.foreverever.de.