Waiblingen

Der ultimative Brezel-Test

1/11
Bretzel Test
Hier verkosten von links nach rechts: Leticia Sprunck, Martin Winterling, Pia Eckstein und Jörg Nolle © Büttner / ZVW
2/11
brezel_ergebnisse_1
Das vorläufige amtlich unbestätigte Ergebnis des ultimativen Brezel-Tests © Christine Tantschinez
3/11
6cd84f6f-7caa-4e54-a595-540cb8ec6f74.jpg_2
Schulze © ZVW
4/11
Bretzel Test Kaufmann
Kaufmann-Brezel © ZVW
5/11
Bretzel Test Weber
Weber-Brezel © ZVW
6/11
Bretzel Test Haag
Brezel von Bäcker Haag © ZVW
7/11
658d0808-f832-42f3-bb7e-9cfb801d8716.jpg_6
Maurer-Brezel © ZVW
8/11
773d7009-0c81-4022-a34e-f28619ba0042.jpg_7
Brezel von Weller © ZVW
9/11
ffec0158-1a60-4e0b-9cc3-a91c14912058.jpg_8
Schöllkopf-Brezel © ZVW
10/11
a684c356-b72d-4d1a-938c-322fb5d4ce82.jpg_9
Brezel von Bäcker Schreiber © ZVW
11/11
Bretzel Test Hetzinger
Hetzinger-Brezel © ZVW

Waiblingen. Brezeltest in der Redaktion. Fünf Redakteure stellen sich der Herausforderung. Sie wissen: Sie laufen Gefahr, in Brezeldifferenzen zerrieben zu werden. Denn Brezeln sind Geschmackssache. Neun verschiedene Brezeln von neun verschiedenen Bäckern werden gegessen. Am Ende kann nur eine siegen. Aber ist es die da? Oder die da?

Video: Der ultimative Brezeltest (Musik: MC Bruddal)

Also, die Brezel, das Glück des Frühstücks und des späten Fernsehhungers – die Brezel, der Kleinkindtränenstiller, das Mitbringsel in jene benachteiligten Bundesländer, die von Laugengebäck keine Ahnung haben – kurz, das Grundnahrungsmittel eines jeden Schwaben, führt, das ist jetzt bewiesen, zu lauten Diskussionen, empörten Ausrufen, bewundernden Ahs und Ohs und am Ende zu völlig verbröselten Tischen und Stühlen.

Um was geht’s? Zum Beispiel um Bäuche. Um knurrende, ja. Zu Anfang zumindest. Die bleiben aber außen vor. Die Erklärung kommt gleich. Es geht um Brezelbäuche, ein Detail im großen Brezeluniversum, das unbedingt zur Bewertung hinzugezogen werden muss. Die Redakteurs- und Redakteurinnenbäuche sollen hier nicht betrachtet werden. Waren sie auch vor dem Test noch eingefallen – zu peinlich wäre deren Anblick gewesen nach all den vielen gegessenen Brezeln.

Von Brezelbäuchen und Kollegenstreit

Die Bäuche, Brezelbäuche, gehören zu diesem ganz besonderen Etwas, für das es nicht mal einen Namen gibt. Dieses diffizile Zusammenspiel von weich-schmelzendem Zungenschmeichler und knirsch-knackender Zahnfreude. Dieses ganz besondere – nennen wir’s Brezelgefühl. Bauch und Ärmchen, eine Komposition ohne gleichen.

Aber jetzt mal ganz von vorne: Begonnen hat alles mit einem Leserbrief. In diesem Leserbrief hat ein Backwarenfan seinem Unmut Luft gemacht, dass über die Jahre hin seine Lieblingsgebäcke erstens immer teurer und zweitens immer leichter geworden sind. „Lieblingsgebäck?!“ rufen die Redakteure, „lass uns doch mal wieder einen Brezeltest machen.“

Brezeltests sind gefährlich. Sie gehen ins Geld. Schmerzlich haben auch die Redakteure erfahren, dass das handgeschlungene Teil im Preis nach oben gegangen ist. Die teuerste Brezel kostet schon 75 Cent! Ist allerdings auch die Bio-Brezel vom Biobäcker Weber. Die konventionellen teuersten kosten 70 Cent. Unschlagbar günstig sind die Schöllkopf-Brezeln für 63 Cent.

Vor allem will man sich’s aber mit keinem Bäcker verscherzen. Zu wichtig ist der gute Draht zu diesem Handwerk, wenn der Hunger nagt. Und dann droht da noch der Streit mit den Kollegen. Das ist die allergrößte Gefahr. Stellen Sie sich vor: Der Tischnachbar war vor der Arbeit einkaufen und hat Ihnen wegen tiefsitzender Verärgerung keine Brezel mitgebracht!

Und Streit ist programmiert. Denn Brezeln sind wie Fußballvereine: Der echte Schwabe liebt sie, die seine, von seinem Bäcker seit je her und auf ewig. Eine andere geht gar nicht. Haag-Brezeln, die besten der Welt! Nein, schallt’s aus dem Hintergrund: „Hetzinger, nichts sonst“. Ach Quatsch, Scholze ist der beste Bäcker. Und für Weller-Brezeln fahren sie meilenweit. Also ran an den Test und nehmen wir doch gleich die Weller-Brezeln: Eine „Rubensbrezel!“ brüllt Kollege Winterling. Dick und rund und prall. Ist die schön? Macht die gar schon Angst? „Was seid Ihr denn für Schwaben“ – zornige Nachfrage – „wollt weniger Brezel für euer Geld!“ „Zu aufgebläht, zu viele Treibmittel.“ Kollege Nolle nölt. He, ohne Treibmittel würden wir auf Backsteinen beißen. Ein Teig muss fluffig sein. Und übrigens: Die Schöllkopf-Brezel ist ein größeres Schwergewicht. Obwohl man’s nicht sieht. Aber der Brezelpreis in XXL geht an Schreiber nach Großheppach.

Noch nie Brezeln gegessen...

Keinesfalls auf Fingerdruck nachgeben dürfen die Ärmchen. Knacken müssen sie. So wie bei der Kauffmann-Brezel. Ärmchen wie Salzstangen. Wobei auch Hetzinger nicht schlecht schlingt. Und überhaupt: Wer will hier wie beweisen, dass diese oder jene Ärmchen die allerallerbesten waren? Mannomann!

Ach übrigens: Die meisten Testteilnehmer sind altgediente Brezelesser. Also eigentlich alle, bis auf eine. Kollegin Leticia Sprunck haben wir frisch aus Uruguay importiert. Sie hat von Brezeln keine Ahnung. Sie kennt nicht mal die Geschichte mit dem Gebäck, durch das dreimal die Sonne scheinen muss, wobei das die geringste Hürde beim Testessen war. Dass man durch die Ärmchenlöcher gut durchgucken können muss, hat sie schnell kapiert. Ah, da war eindeutig die Schulze-Brezel die Siegerin. Ein Bilderbuchbackstück. So muss das aussehen. Aber was ist mit den Maurerbrezeln passiert? Die haben ja Sommersprossen. Um Maurerbrezeln wurden schon Glaubenskriege ausgefochten: Lieber die dunklen oder besser die hellen?

Zerknautscht, aber lecker

Bei den Haag-Brezeln herrscht Geschlechtertrennung: Die Frauen lieben sie, die Männer finden, sie habe rein optisch einen Unfall gehabt. Wobei die Zerknautschtheit der Brezel vielleicht auch am Rucksacktransport liegen mag. Der Test ist halt doch nicht wissenschaftlich. Obwohl Kollege Schwardt heroisch versucht, Struktur in die Sache zu bringen und um jeden Punkt oder Nicht-Punkt kämpft. Aber ist jetzt der zart-süßliche Geschmack der Weber-Brezel ein Plus oder ein Minus?

Eins aber ist unumstößlich und empirisch bewiesen und kann für die Zukunft festgehalten werden: Die typisch wisch-dreh-puhlende Handbewegung der jungen schwäbischen Mutter wird aussterben. Auf keiner, wirklich keiner der testgegessenen Brezeln war so viel Salz, dass man auch nur ein Körnchen hätte abmachen können.

Mitgegessen haben:

Martin Winterling, Kreisredaktion, für den die Brezel ein Grundnahrungsmittel ist.

Matthias Schwardt, Sportredaktion, der findet, dass die Butter erst durch die Brezel eine Daseinsberechtigung bekommt.

Leticia Sprunck, Online-Redaktion, für die die Brezel eine neue Lebenserfahrung war.

Jörg Nolle, Kulturredaktion, der die Brezel als Symbol für alle Verschlingungen auf dieser Welt betrachtet.

Pia Eckstein, Kreisredaktion, die Brezeln auch gern mal mit Erdbeermarmelade isst.