Waiblingen

Der wilde Tanz der Füchse

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Aus rund 40 Metern Entfernung fotografiert: Jungfüchse beim Raufen. © Leserfoto: Peter Fischer
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Ein außergewöhnliches Leserfoto des Bittenfelders Peter Fischer. © Picasa

Waiblingen-Bittenfeld. Weit aufgerissene Mäuler, messerscharfe Zähne. Zwei Jungfüchse beim sportlichen Wettkampf im Bittenfelder Wald, dieser außergewöhnliche Schnappschuss ist Zeitungsleser Peter Fischer geglückt. Ein seltenes Bild – auch deshalb, weil unter den Füchsen in der Region zunehmend das Staupe-Virus grassiert.

Vom Jäger-Hochsitz aus gelang dem Bittenfelder Peter Fischer ein Volltreffer. Allerdings nicht mit dem Gewehr, sondern mit der Kamera. Oft geht der passionierte Hobbyfotograf auf Pirsch in den Forst, um nach schönen Tier-Motiven zu jagen. Vom örtlichen Jagdpächter hat er die Erlaubnis, für besseren Überblick den Hochstand zu nutzen. Dort postiert, hörte er an einem relativ warmen Tag plötzlich ein Rascheln aus der Richtung eines nahe gelegenen Fuchsbaus. Wie ein Knäuel kamen zwei Tiere ineinander verschlungen über den Abhang gekugelt, und als Peter Fischer den Fotoapparat zückte, richteten sie sich sogar auf und setzten ihren Ringkampf auf den Hinterbeinen fort. „Dieses Spiel dauerte nur wenige Sekunden“, berichtet der stolze Fotograf, der die Bilder an die Zeitung schickte und mit dem Motto versah: „Bei sommerlichem November-Wetter bittet Meister Reineke zum Tanz in den Mai“.

Hundebesitzer sollten ihre Vierbeiner impfen lassen

Revierförster Andreas Münz deutet den Tanz der Füchse als harmloses Kräftemessen, wie es unter Jungtieren üblich ist. Verletzt haben sich die Kämpfer dabei nicht.

Der Schein von Gesundheit und Vitalität trügt, denn allgemein befinden sich die Füchse in der Region in einer ernsten Lage. Grund ist das Staupe-Virus. Betroffene Tiere wirken, so beschreibt es der Förster plastisch, „wie neben der Kapp’“. Die Krankheit greift nach der Infektion rasch auf das Gehirn über und verändert ihr Verhalten – der natürliche Fluchtimpuls entfällt. Laien mögen dabei an die Tollwut denken, die in den Siebzigern und Achtzigern für Aufregung sorgte. Sie aber gilt in Deutschland seit vielen Jahren als ausgerottet. Im Gegensatz zur Tollwut ist die Staupe für den Menschen ungefährlich. Hunde allerdings können sich durch Tröpfcheninfektion schnell anstecken. Besitzern wird daher empfohlen, ihre Vierbeiner zu impfen.

Illegale Hundetransporte als Ursache für Verbreitung des Virus

Deutlich öfter als noch vor vier oder fünf Jahren werden tote und halb tote Füchse im Wald und in Siedlungen gefunden. Meistens gibt dann ein herbeigerufener Jäger den Gnadenschuss, um die Qualen des Fuchses zu beenden. Eine undankbare Aufgabe angesichts eines schlimmen Krankheitsverlaufs, wie Hegeringleiter und Jäger Jörg Mast berichtet, der von einer „Epidemie“ spricht. Die Fälle häuften sich, seit der Gesetzgeber die Bejagung der Füchse eingeschränkt habe. Jetzt reguliere sich die Population auf mehr oder weniger natürliche Art von selbst, qualvoll durch die Staupe. Revierförster Münz erwähnt illegale Hundetransporte als Ursache für die Verbreitung des Virus.

Fuchs verteiben: Im Normalfall durch Klatschen

Schon seit Jahren suchen Füchse gerne Siedlungen auf, oftmals angezogen von Fleischabfällen oder Tierfutter. Offenbar haben sie zudem gelernt, dass ihnen dort keine Gefahr droht. Wer einem Fuchs begegnet, kann ihn laut Jörg Mast im Normalfall durch lautes Klatschen vertreiben. Es sei denn, der Fuchs hat die Staupe. Besonders Hundebesitzer sollten dann einen großen Bogen machen.


Die Staupe im Rems-Murr-Kreis

Seit April bis heute wurden im Rems-Murr-Kreis 39 Fälle von Staupe registriert: 32 Füchse, vier Waschbären und drei Steinmarder. Tendenz: steigend.

Die Staupe ist eine hochansteckende Viruskrankheit, an der neben Füchsen auch Hunde, Waschbären, Frettchen, Marder, Dachse, Iltisse, Wiesel, Fischotter und Wölfe erkranken können. Die Krankheit äußert sich durch Abmagerung, Husten, Durchfall, Verhaltensauffälligkeiten und fehlende Fluchtreaktion. Auch Krämpfe oder Bewegungsstörungen und Hautveränderungen werden zum Teil beobachtet. In den meisten Fällen verläuft die Staupe tödlich. Tiere, die die Krankheit überleben, weisen bleibende Schäden wie beispielsweise Lähmungen auf.

Eine Gefahr besteht vor allem für Haushunde und ganz besonders für Jagdhunde bei Kontakt zu Füchsen. Daher sollte jeder Hundebesitzer seinen Hund ausreichend grundimmunisieren lassen und die Wiederholungsimpfungen nicht versäumen. Der Tierarzt kann hier beraten. Wer einen toten Fuchs findet, sollte die Gemeindeverwaltung informieren, außerhalb der Bebauung den Jagdpächter. Das teilt das Landratsamt mit.

Für Menschen und Katzen ist das Virus ungefährlich. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt zu erkrankten Tieren. Die Erreger bleiben außerhalb des lebenden Organismus nur wenige Tage infektiös. Von gängigen Desinfektionsmitteln wird er sehr schnell deaktiviert, gegenüber Trocknung und Kälte ist er aber recht resistent.