Waiblingen

„Deutschland fällt auseinander“: Kindheitsforscher Herbert Renz-Polster über autoritäre Erziehung

Renz-Polster
Herbert Renz-Polster. © ZVW/Alexandra Palmizi

Bestsellerautor und Kindheitsforscher Herbert Renz-Polster, in Beinstein aufgewachsen, hat später mit seiner Familie sieben Jahre in den USA gelebt. Die Wahl Donald Trumps 2016 zum Präsidenten hat er als Schock erlebt. „Jemand mit dem Habitus eines Mobbers im Sandkasten; ein steckengebliebenes Kind.“

Wie in der Kindheit die Saat zur Anfälligkeit für Autoritarismus gelegt wird, beschäftigt ihn denn auch als Autor des Buches „Erziehung prägt Gesinnung“ und in seinem Vortrag am Mittwochabend im großen Saal des Kulturhauses Schwanen, der auch online übertragen wurde. Mit „Kontrolle, Schutz, Sicherheit und Anerkennung“ werben die rechtspopulistischen Parteien. Im Grunde, so Renz-Polster, „sind das die Fragen der Kinder: Bin ich sicher, gehöre ich dazu?“ Es gehe darum, wie sich Kinder „ein Gefühl von Integrität und Vertrauen schaffen“.

Mitte-Studien der Uni Leipzig: Autoritäre Haltungen haben abgenommen

Wo das nicht gelingt, etwa durch Gewalterfahrungen, entstehe später eine Anfälligkeit zu autoritären und dabei andere ausgrenzenden Haltungen. Untersuchungen in den USA über die Bereitschaft von Erwachsenen, Kinder zu schlagen, hätten ergeben, so Renz-Polster, dass die 22 Staaten mit der höchsten Zustimmungsquote alle republikanisch wählen. Für Deutschland stellte er fest, „dass unsere Kindheiten insgesamt besser geworden sind. Die von der Uni Leipzig regelmäßig angewandten „Mitte-Studien“ belegen, dass über die vergangenen 20 Jahre autoritäre Haltungen abgenommen haben. „Eigentlich ein Grund zum Jubeln“, findet Renz-Polster. Seit den 80er Jahren ist auch die Gewalt gegen Kinder deutlich zurückgegangen.

Wie aber erklärt man sich, dass in den östlichen Bundesländern die AfD bei den Erstwählern mit etwa 30 Prozent die beliebteste Partei ist? „Bei den Kindheiten in den östlichen Bundesländern, was ist da anders?“ Überraschend war dazu eine Studie, die schon kurz nach dem Mauerfall 1989 ergab, dass „Jugendliche der ehemaligen DDR in allen Dimensionen deutlich autoritärer waren als die im Westen“.

Neue Bildungsinitiative nötig

Kinder, so Renz-Polster, „sind dort in Verhältnissen aufgewachsen, die dem nicht gerecht wurden, was Kinder brauchen“. Er führte auf: „Extrem gestresste Familien, Paare, die sehr jung geheiratet haben, viele Scheidungen und Beziehungsabbrüche, überforderte Kindheiten.“ All das mit weitreichenden Folgen in das politische Verhalten bis heute. „Uns ist nicht klar, wie wir in Deutschland auseinanderfallen“, sieht der Kindheitsforscher sich hier einen Graben zwischen Ost und West auftun.

Dabei sieht er vor allem das Schulsystem am Versagen. „Die Bildungsforschung zeigt: An 25 Prozent der Kinder geht die Schule vorbei, ohne dass sie etwas davon haben.“ Und „wenn Schule auslesen muss, dann wendet sie sich gegen das Kind!“

Seine Forderung: „Wir bräuchten dringend eine neue Bildungsinitiative. Wir brauchen Schulen, die Kinder auf ihrem Entwicklungsweg begleiten!“

Bestsellerautor und Kindheitsforscher Herbert Renz-Polster, in Beinstein aufgewachsen, hat später mit seiner Familie sieben Jahre in den USA gelebt. Die Wahl Donald Trumps 2016 zum Präsidenten hat er als Schock erlebt. „Jemand mit dem Habitus eines Mobbers im Sandkasten; ein steckengebliebenes Kind.“

Wie in der Kindheit die Saat zur Anfälligkeit für Autoritarismus gelegt wird, beschäftigt ihn denn auch als Autor des Buches „Erziehung prägt Gesinnung“ und in seinem Vortrag am

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