Waiblingen

Die besten Gründerinnen Deutschlands

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Magdalena Fleischmann (links) und Katharina Port haben mit ihrer Idee „Gardifix“ den Bundeswettbewerb „Jugend gründet“ gewonnen. © Palmizi/ZVW
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Die beiden Schülerinnen mit ihrer Entwicklung beim Bundesfinale. © SZUE an der HS Pforzheim

Waiblingen/Weinstadt. Zwei Elftklässlerinnen haben einen bundesweiten Gründerwettbewerb gewonnen. Dafür haben sie monatelang geplant, getüftelt und gerechnet. Ihre Idee: eine Schiene, die sich zum Gardinenwechseln herunterfahren lässt. Was auf den ersten Blick wenig spektakulär wirkt, hat die Jury am Ende überzeugt.

Zwei Mädchen mit einer technischen Idee und dann auch noch so etwas Altmodisches? Das kann ja nichts werden, hätten sich viele gedacht. Das berichten die beiden Schülerinnen des Albertus-Magnus-Gymnasiums Magdalena Fleischmann und Katharina Port. Mit ihrer Idee „Gardifix“ haben sie gerade den bundesweiten Gründerwettbewerb „Jugend gründet“ gewonnen. „Gardifix“ ist ein System, das es erleichtern soll, Gardinen abzunehmen. Das klingt erst mal nicht nach Innovation. Ähnliche Produkte gibt es bereits auf dem Markt und: „Heute hat ja kaum noch jemand Gardinen“, gibt die Weinstädterin Katharina Port zu. Dennoch hat ihre Gründungsidee die Jury überzeugt.

Teil ihres Wirtschafts-Leistungskurses

Entstanden sei diese Idee eher zufällig, berichtet Port. „Wir haben bei meiner Oma renoviert und die Gardinen ausgetauscht.“ Das habe einen ganzen Tag gedauert und so sei der Gedanke aufgekommen: „Man müsste etwas entwickeln, damit die Oma das auch selbst machen kann.“ Gesagt, getan. Gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Magdalena Fleischmann entschied die Elftklässlerin, das Projekt für den „Jugend gründet“-Wettbewerb umzusetzen, an dem die beiden als Teil ihres Wirtschafts-Leistungskurses teilnahmen. Veranstaltet wird der Wettbewerb vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Dabei setzten die beiden sich in zwei Phasen gegen mehrere Hundert Konkurrenten durch.

In der ersten Phase mussten alle Teilnehmer zunächst einen Businessplan schreiben. Darin stellten Fleischmann und Port ihre Projektidee dar, entwickelten eine Strategie zur Finanzierung und überlegten sich ein Marketing- und Vertriebskonzept. Mit Erfolg: Ihr Businessplan landete auf Platz 3 von 700 eingereichten Plänen. Das sicherte ihnen das Ticket zum Halbfinale nach Leipzig, das sie für sich entscheiden konnten. „Das hatten wir überhaupt nicht erwartet“, sagt Fleischmann. Doch dann folgte eine Phase, die beide als „die schlimmste“ bezeichnen: das Planspiel.

Planspiel: Unternehmen durch schwere Zeiten steuern

In diesem Planspiel müssen die Teilnehmer ihr Unternehmen durch acht Wirtschaftsjahre steuern, Konjunkturschwankungen und Arbeitsmarktprobleme inklusive. Besonders knifflig wird die Sache, weil dem Spiel ein Algorithmus zugrunde liegt, dessen Reaktionen nicht immer vorauszusehen sind. „Man kann das Spiel nicht wirklich beherrschen“, berichtet Fleischmann. Auf gleiche Entscheidungen folgten demnach nicht immer ähnliche Entwicklungen. „Wir sind echt fast daran verzweifelt“, ergänzt Port. Denn jedes Team hat fünf Versuche, am Ende zählt die zuletzt gespielte Runde, unabhängig davon, ob es die beste war. Die beiden Schülerinnen schlossen das Planspiel deshalb mit einem „nicht ganz zufriedenstellenden Ergebnis“ ab, wie sie sagen. Dass das fürs Finale reichen würde, hatten sie nicht erwartet.

„Das war wirklich eine Überraschung“, sagt Fleischmann. In der Entscheidungsrunde des Wettbewerbs ging es für die Teilnehmer darum, ihre Entwicklungen einer Jury zu präsentieren. Dafür nahmen die beiden Jugendlichen Kontakt zu einem Hersteller auf und ließen einen Prototypen produzieren. Und der überzeugte die Juroren am Ende – in Kombination mit dem Businessplan, dem Vertriebskonzept und dem Auftreten der Mädchen. Den ersten Platz teilen sich Port und Fleischmann mit Alexander Bayer aus Wasseralfingen, der einen Assistenzroboter für Blinde entwickelte. Die Gewinner dürfen nun eine Reise in die USA ins Silicon Valley unternehmen, wo Firmen wie Google, Facebook, Microsoft oder Apple sitzen.

Ein Produzent ist gefunden

Wie es nach dem Wettbewerb mit „Gardifix“ weitergeht, wissen die Schülerinnen noch nicht genau. Eigentlich wären sie so weit, dass sie durchstarten könnten: Ein Produzent ist gefunden und auch der erste Vertriebspartner. „Wir wollen aber auf jeden Fall erst mal unser Abitur machen“, sagt Fleischmann. „Und vielleicht auch studieren“, fügt Port hinzu. Ihre Entwicklung haben sie sich jedenfalls als Gebrauchsmuster schützen lassen. Denn vorstellen können die beiden es sich schon, später ihre eigene Firma zu gründen und in das Geschäft mit Gardinenschienen einzusteigen.

Die Idee

„Gardifix“ ist eine Gardinenschiene, die sich zum Teil herunterfahren lässt. Das soll es ermöglichen, die Gardinen mit wenig Aufwand zu wechseln.

Auch der Sicherheitsaspekt spielt eine Rolle: Zum Wechseln muss dann niemand mehr auf die Leiter steigen.

Ähnliche Produkte gibt es bereits, das haben die beiden Gründerinnen recherchiert. „Aber da lassen sich meistens nur die kompletten Schienen herunterfahren“, erläutert Katharina Port. Ihr Alleinstellungsmerkmal sei es, dass nur ein kleiner Teil der Schiene beweglich sei, erklärt Magdalena Fleischmann. Das mache die Installation weniger aufwendig und die Gesamtkonstruktion sicherer.

Bedient werden kann die Gardinenschiene entweder automatisch, mittels eines externen Steuerungselements, oder manuell über einen Mechanismus, der von einer Handkurbel angetrieben wird.