Waiblingen

Die besten Köche und Restaurants im Rems-Murr-Kreis

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Einer von sechs Steineköchen im Remstal: Michael Oettinger in der Küche des "Hirsch" in Fellbach-Schmiden. © Ramona Adolf
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Auch er hat einen Stern im Guide Michelin: Koch Armin Karrer vom Restaurant Avui in Fellbach. © Ramona Adolf
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Dieser Sternekoch arbeitet in Waiblingen: Bernd Bachofer. © Ramona Adolf
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Sternekoch Philipp Kovacs steht im Restaurant Goldberg in Fellbach in der Küche. © Ramona Adolf
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Ebenfalls mit einem Stern ausgezeichnet ist die Küche von Philipp Eberhard. Er schwingt in der Kerzenstube Rilke den Kochlöffel. © Ramona Adolf
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Auch dieser Koch ist mit einem Stern ausgezeichnet: Joannis Malathounis. © Ramona Adolf

Fellbach. Die Gourmetküche konzentriert sich im Unteren Remstal. In Fellbach haben die Feinschmecker unter drei Gourmet-Tempeln die Auswahl: Zum Goldberg und Avui gesellte sich Oettingers Hirsch in Schmiden, der vom Michelin erstmals mit einem Stern ausgezeichnet wurde. Vom Kappelberg ist es nicht weit zu Malathounis in Stetten und zu Bachofer in Waiblingen. Wir blättern in den Gourmetführern, wie sie die Spitzenköche beurteilen.

Alle ausgezeichneten Restaurants und die Bewertungen von Michelin, Gault Millau, Varta und dem Schlemmer-Atlas finden Sie in unserer Grafik.

Dass Michael Oettinger zu den besten Köchen an Rems und Murr zählt, haben die Testesser vom Gault Millau schon vor dem Michelin erkannt und zeichneten Oettingers Hirsch mit 16 Punkten aus, was schlicht Spitzenküche bedeutet und ihn auf eine Stufe mit dem Malathounis in Stetten stellt. In der Ausgabe 2017 hat der Michelin den bisher „guten Standard“ von Oettingers Hirsch aufgewertet und das Restaurant in den Sternehimmel aufgenommen. „Edel, aber nicht steif“ sei das Motto bei Oettingers Restaurant. Michael Oettinger koche „französisch-modern“ mit internationalen und saisonalen Einflüssen – „und das zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis“.

Gault Millau: Ausführliche Bewertung, weniger Restaurants

Der Gault Millau ist in seinen Ausführungen ausführlicher, bewertet aber im Gegenzug auch weniger Restaurants. Voll des Lobes ist der Schreiber über die Kreativität von Michael Oettinger und nennt als Beispiel „den knusprigen Schweinebauch mit Tom-Kha-Gai-Aromen, den Rostbraten mit geräucherter (!) Zwiebelsenfkruste oder den Cheesecake als Käsekuchencreme mit Kürbisvariationen“.

Goldberg: Modern und hip

Schon im vergangenen Jahr hatte der Michelin den „Goldberg“ in der Schwabenlandhalle zum Sterne-Restaurant erklärt. Die Küche im Goldberg wird mit modern und hip umschrieben. „Man kocht kreativ auf klassischer Basis, mutige und gleichermaßen gelungene Aromenkombinationen zeichnen die Gerichte aus.“ In der 2017er-Ausgabe haben nun auch der Schlemmer-Atlas und der Gault Millau das Goldberg entdeckt. Der Gault Millau spricht dem Restaurant 15 Punkte zu, also einen „hohen Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität“.

„Es ist ein schickes Restaurant, das man eher in München als in Fellbach erwarten würde, und mit einem herzlichen Service.“ Der Gault Millau wäre nicht der Gault Millau, gäbe es bei aller Wertschätzung für die Küche nicht auch gallige Kommentare. „Allerdings würden an einem weltläufigen Ort nicht bei allen Preisen in der Karten hinterm Komma 90 Cent stehen (immerhin nicht 909 wie an Tankstellen).“ Auf den Tisch bringt Küchenchef Philipp Kovacs „aromareiche Cross-Culture-Küche“, bei der prägende Küchenstile dieser Welt treffsicher kombiniert und für regionale Gaumen adaptiert würden. Geschmacksprobe: „Seehecht mit Brokkoli, Dashisud, Unagi-Aal und saurer Rettich“ (Gault Millau).

Das dritte Gourmet-Restaurant mit Stern vom Michelin und 14 Punkten im Gault Millau ist das Gasthaus Zum Hirschen mit dem Gourmet-Gewölbekeller Avui von Armin Karrer. Über das Avui schreibt der Gault Millau gewohnt etwas abschätzig: „Die Gerichte klingen mondäner als oben, aber das mit Kardamon gewürzte Marasin-Huhn oder der Alblammrücken mit Rettichgemüse und Kräuterseitlingen sind nur wenig elaborierter zubereitet.“ Angerichtet würden sie hübscher als im Parterre des Hirschen, das einen Karten-Mix aus Klassik und Moderne biete – und „heuer einen sehr charmanten Service“.

Stern mit Tradition: Das Avui in Fellbach

Im Michelin hat das Avui den Stern verteidigt und wird als „kreativ“ und „elegant“ kategorisiert: „Variantenreich, aromatisch, produktorientiert. Wenn Armin Karrer die diversen Menüs seiner ,Cuisine Réelle’ präsentiert, wird es nie langweilig –vielleicht wird ihr Gericht ja direkt am Tisch vollendet!“ Stimmig sei auch der Rahmen und der versierte Service. Das Avui ist das Traditions-Gourmetlokal schlechthin an Rems und Murr. Armin Karrer hat schon viele in den Sterne- oder Kochmützenhimmel gelobte Kollegen kommen – und wieder gehen sehen.

Der Varta befindet über das Avui: „Ob in Menüform, vegetarisch, vegan oder à la carte – Armin Karrers Fantasie ist unerschöpflich. Seine „Cuisine Réelle“ ist aufwendig, kreativ und aromatisch.“

Geschmacksprobe: „Wildgarnele, Kraut, Vanille, Mango, Steinbutt, Mandel-Zitronennage. Artischocke, Marasin-Huhn, Pilznudeln, Walnusstapenade“ (Michelin).

Weitere Feinschmecker-Küchen aus Fellbach

Hinter dem Spitzentrio bietet Fellbach noch weitere Feinschmecker-Küchen. So zum Beispiel „Aldingers Germania“, das der Michelin in die Kategorien regional und gemütlich steckt. Varta lobt: „Hier werden Sie seit Jahren mit einer bodenständigen, saisonalen Küche verwöhnt.“

Der Gault Millau zählt das Malathounis zu den beiden besten Restaurants an Rems und Murr. „In seinem gemütlichen kleinen Gourmetrestaurant hisst Joannis Malathounis stolz die griechische Küchenfahne – und überrascht im Amuse-bouche mit Linsen samt Schnittlauch, Kaviar vom Kabeljau und Vogelmiere als spannender Kombination.“

Der Michelin nennt die mediterrane Küche „richtig finessenreich und ausdrucksstark“. Selten, dass Gault Millau und Michelin auf einer Linie sind. Beim Lob auf den Service versuchen sich die Feinschmeckerführer fast zu übertreffen. Michelin: „Und während Sie ein tolles Essen genießen, versprüht seine Frau Anna jede Menge Charme und Herzlichkeit.“ Der Gault Millau spricht von einer „stets gut gelaunten Anna Malathounis, die den ebenso stimmigen Kirsch-Gazpacho bringt, der mit Rote- Bete-Sponge, Burrata und Haselnuss samt Osylis (Sauerklee) angenehm erfrischend, weil nicht zu süß ist“. – Aus der Wertung des Gault Millau gefallen ist der Ochsen in Stetten, der derzeit umgebaut wird und dessen Metzgerei geschlossen ist. Der Michelin lobt hingegen den nach wie vor guten Standard des Gasthofes, in dem die Stammgäste nicht zuletzt die Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung schätzen. Als „nicht ganz Alltägliches“ lobt der Michelin die traditionellen schwäbischen Gerichte Kalbsherz oder Kalbskopf.

Bachofer: Großstädtisch schickes Restaurant

Zu den fünf beziehungsweise sechs Spitzenrestaurants im Rems-Murr-Kreis zählt auch das Bachofer in Waiblingen. Bernd Bachofer erhält 15 Punkte im Gault Millau und einen Stern vom Michelin. „Sie lieben moderne Küche mit stark asiatischer Prägung?“ fragt der Michelin: „Dann genießen Sie Bernd Bachofers bis zu zehngängige „,Aromen-Reise’ oder das vegetarische Menü – Kraft, Ausdruck und eigene Note sind ihnen gewiss.“ Während der Michelin von einem lockeren Service mit Niveau schreibt, bemängelt der Gault Millau, das der nette Service keine große Hilfe bei Fragen zu Wein und Speisen bietet. Der Gault Millau lässt die Frage offen, worin der Erfolg von Bachofer liegt, und fragt: Ist’s das Faible für die Aromen Asiens, das immer mehr lokale Gourmets anziehe, oder sind es die „etwas mainstreamigeren Gerichte aus dem Rest der Geschmackswelt“, das die Gäste in das „großstädtisch schicke Restaurant“ zieht?

Geschmacksprobe: „Variationen vom Gelbflossenthunfisch mit Misoeis und Ponzu“ (Michelin).

Drei Restaurants in Backnang für Michelin erwähnenswert

Drei Restaurants hält der Michelin in Backnang für erwähnenswert, Rilkes Kerzenstube sogar mit Stern. Der Gault Millau blendet die Murrmetropole weiterhin aus. Die Kernzenstube wird vom Michelin als kreativ und freundlich bezeichnet, deren Gourmetküche „sehr feine kontrastreiche und ausdrucksstarke Gerichte“ bietet.

Geschmacksprobe: „Tatar vom Kalb, Gänselebercreme, Buchenpilze, gereifter Soja“ (Michelin).

Gehobene Küche: Die gibt es auch ohne Stern

Das Remstal bietet jenseits von Sternen und Kochmützen eine Reihe von guten Restaurants, deren Köche womöglich sogar froh sind, nicht den Zwängen eines Sterns oder der Millau’schen Kochmützen unterworfen zu sein. Der Michelin zeichnet derartige Küchen mit einem „Bib Gourmand“ aus, der für preisgünstige und zumeist regionale Kost steht. Die Traube in Remshalden-Grunbach, eine echt schwäbische Weinstube, darf sich mit dem pausbäckigen Männchen schmücken. Auf der Karte gibt es Hummerschaumsuppe, Kutteln an Tomaten-Trollingersößle, Rostbraten oder auch „Nougatträumle“.

Zwei Bib-Gourmand-Lokale in Weinstadt

Weinstadt hat mit der Weinstube Muz in Endersbach und dem Rössle in Baach zwei Bib-Gourmand-Lokale. „Egal was Sie aus Roland Weltes Küche probieren, es schmeckt“, heißt es über das familiäre Rössle. Bei der Weinstube Muz wird durchgehend die „heimelige, herzliche und familiäre Atmosphäre“ gelobt. Ob es dem Feinschmecker weiterhilft, wenn ihn der Schlemmer-Atlas auf die „mit Stoffservietten und frischen Rosen fein eingedeckten Tische“ hinweist, ist eine andere Frage.

An den Brunnenstuben in Waiblingen-Beinstein gibt es für den Michelin meist nur eins zu meckern: das schlichte Gebäude. Umso mehr Leckerbissen gebe es in der Gaststube. „Chefin Petra Beyer kann kochen!“, lobt der Michelin die „geräucherte Eismeerforelle mit Orangen-Fenchelsalat“ ebenso wie das „Ragout von der Freilandente“.

In Rudersberg werde im Stern „in rustikal-bürgerlichem Ambiente überaus herzlich Schmackhaftes“ serviert, so der Michelin. Regional-saisonale Küche darf der Gast im Landgasthof Hirsch in Manolzweiler erwarten. In vierter Generation koche die Familie Waldenmaier richtig gut, schreibt der Michelin über den Hirsch und fragt: „Haben Sie auch den schönen rustikalen Biergarten gesehen?“

Die Gourmetführer

Der Guide Michelin (29,95 Euro), rund 1280 Seiten, hat in seiner 51. Ausgabe „mehr als 2300 Restaurants“ und „mehr als 1970 Hotels“ bewertet. Die Beschreibungen der Lokale sind kurz und sachlich. Die höchste Klassifizierung sind die berühmten Sterne. Im Rems-Murr-Kreis werden über 20 Restaurants bewertet.

Der Gault Millau (34,95 Euro), „der Reiseführer für Genießer“, hat abgespeckt und gibt deshalb wohl nicht mehr an, wie viele Restaurants auf den gut 700 Seiten getestet wurden. Im Kreis sind es nur noch fünf Lokale. Die Kritiken sind süffig geschrieben und bissiger als beim Michelin.

Der Varta-Führer (29,99 Euro) hat fast 1500 Seiten und „mehr als 5900 Betriebe“ getestet und bewertet. Die Informationen über die Hotels und Restaurants sind kurz und knapp.

Der Schlemmer-Atlas (29,95 Euro) mit über 600 Seiten nennt sich den „Wegweiser zu über 3000 Restaurants“ in Deutschland und in einigen Nachbarländern. Über die Eingruppierung hinaus wird nur eine Menüempfehlung des Hauses abgedruckt.