Waiblingen

Die Beutelsbacher Fruchtsäfte sind Bio-Pioniere

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Fruchtsaft
Sie sind schon die dritte Generation im Unternehmen: Thomas Maier führt mit seinem Bruder die Beutelsbacher Fruchtsäfte. © Büttner / ZVW
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Fruchtsaft
Claus Paal und Thomas Maier. © Büttner / ZVW
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Johannisbeeren hinterm früheren Wohnhaus. © Privat
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Der Kirbewagen der Firma im Jahr 1956. © Privat
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Die Firma legt noch heute Wert darauf, für ihre Säfte möglichst viel Obst aus der Region zu verwenden. © Privat

Weinstadt. Sogar aufs Saatgut achten die Maier-Brüder. Für ihre Säfte werden keine Hybridsorten verwendet, mit denen sich viele Bauern auf der Welt in die Abhängigkeit von Konzernen begeben. Die Firma Beutelsbacher Fruchtsäfte setzte schon lange vor dem Bio-Trend auf Ökoprodukte – und genau deshalb kann sie heute noch am Markt bestehen.

Video: Die Beutelsbacher Fruchtsäfte werden 80. Thomas Maier Geschäftsführer erzählt uns die Geschichte.

Machen wir doch mal was anderes als nur Wein: So fing bei Christian und Wilhelm Maier alles an, damals im Jahr 1936. Die Brüder stammten aus einer alteingesessenen Wengerterfamilie, Christian Maier war zudem passionierter Gärtner. Die Rohstoffe für ihre Säfte pflanzten die beiden Beutelsbacher selbst an, bei ihrem Elternhaus an der Ecke Stuttgarter Straße/Schönfelder Straße und auf dazugepachteten Flächen an der Bahnlinie. Erdbeeren, Himbeeren, Sauerkirschen, schwarze und rote Johannisbeeren, so ging es los. Später kamen noch Flächen Richtung Aichelberg dazu, auf Höhe des heutigen Trimm-dich-Pfads, mit Apfelbäumen, Birnbäumen, weiteren Johannisbeersträuchern und Bienenhaltung. Trauben verarbeiteten die Maier-Brüder ebenfalls zu Saft, allerdings anfangs nur die sauren. „Wenn die süßer waren, hat man sie für den Wein genommen“, erzählt Thomas Maier. Er ist der Enkel von Christian Maier und führt heute mit seinem Bruder Matthias Maier die Firma. Trotz all der modernen Technik, auf die das Unternehmen heute setzt: An den Grundsätzen der Beutelsbacher Fruchtsäfte hat sich wenig geändert. Bio ist nach wie vor Pflicht – und zwar nach den besonders strengen Demeter-Regeln.

Thomas Maier ist Aufsichtsrat im Demeter-Bundesverband

Geistiger Vater dieser Richtung des Ackerbaus ist der Anthroposoph Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik. Von ihm war Christian Maier ziemlich angetan. 1951 stellte er zusammen mit seinem Bruder den Betrieb komplett um, produzierte nur noch Säfte, deren Rohstoffe aus biologisch-dynamischem Anbau stammten. Als der Demeter-Bund 1954 in Deutschland wiedergegründet wurde, war die Familie Maier daran maßgeblich beteiligt. Die enge Verbindung ist bis heute erhalten geblieben. Geschäftsführer Thomas Maier ist seit den 90ern bei Demeter aktiv, er sitzt im Aufsichtsrat des Bundesverbands und wacht letztendlich über die Maßstäbe, nach denen die 1500 Demeterlandwirte in Deutschland wirtschaften. „Wir müssen schauen, dass die Grundsätze eingehalten werden.“

Der Saft wird in der Regel ein Jahr gelagert

Bei aller Liebe zur Tradition mussten Thomas Maier und sein Bruder schauen, das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Als Danone 1999 das Birkel-Areal über einen Makler zum Kauf anbot, schlugen die Maiers zu und zogen im Jahr 2000 von Beutelsbach nach Endersbach. Sie erwarben unter anderem das moderne Hochregallager, in dem früher Nudeln gelagert wurden. Erst waren die Maiers skeptisch, ob nicht teure Umbaumaßnahmen notwendig sind, da dort vorher nur Nudeln lagerten. „Eine Palette mit Spaghetti wiegt aber wie eine mit Fruchtsaft“, sagt Thomas Maier. 32 Meter ist das Lager hoch, 70 Meter lang, mit Platz für 4500 Paletten. Der Saft bleibt dort in der Regel ein Jahr, der Wert der gelagerten Ware liegt bei rund 1,25 Millionen Euro. Seit einigen Jahren schon wollen die Maier-Brüder das Firmengelände erweitern und das brachliegende Gewerbeareal nebenan bebauen, das die Stadt Weinstadt bei einer Zwangsversteigerung erworben hat. Einen Durchbruch gibt es aber noch nicht. „Das ist alles in der Stadtplanungsphase“, sagt Thomas Maier. Mit Blick auf die Oberbürgermeisterwahl im Oktober hat der Geschäftsführer einen Wunsch ans neue Stadtoberhaupt: „Weinstadt muss mehr für die Wirtschaftsförderung tun.“

Mehr als 150 Säfte im Angebot

Claus Paal, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rems-Murr (IHK), schätzt Firmen wie die Beutelsbacher Fruchtsäfte. Er ist an diesem Freitagvormittag extra vorbeigekommen, um zum 80. Geburtstag des Familienunternehmens eine Urkunde zu überreichen. „Die IHK weiß, wie schwer es ist, so einen Familienbetrieb zu führen – deshalb Chapeau. Ihr habt vor langer Zeit die richtige Entscheidung getroffen.“ Als Claus Paal bei der Führung durch die Firma auch noch eine Verpackungsmaschine aus seinem eigenen früheren Unternehmen gezeigt bekommt, gerät er ins Schwärmen. „Kurvenantrieb – so was gibt es heute nicht mehr. Das können die Ingenieure nicht mehr.“ Die Maiers haben die Maschine übrigens 2002 gebraucht gekauft – und sie läuft immer noch.

Die Beutelsbacher Fruchtsäfte haben mittlerweile mehr als 150 Säfte im Angebot und sind in 20 Ländern präsent, darunter auch in Japan und auf der Karibikinsel Martinique. Auch in der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin gibt es ihre Säfte, wie Claus Paal weiß. „Die Kanzlerin hat sie auch schon getrunken.“

Tag der offenen Tür

Ihren 80. Geburtstag feiern die Beutelsbacher Fruchtsäfte mit einem Tag der offenen Tür am Samstag, 17. September, von 10 bis 17 Uhr. Wer sich immer schon mal gefragt hat, wie die Firma ihren Saft herstellt, hat jetzt die Gelegenheit. Es gibt ein buntes Rahmenprogramm – und gefeiert wird auch bei schlechtem Wetter, schließlich stehen genug überdachte Bereiche bereit.