Waiblingen

Die Eichhörnchen-Retterin

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Zutraulich. © Palmizi / ZVW
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Eichhörnchen
Regelmäßig muss das Findelkind gefüttert werden. © Palmizi / ZVW
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Eichhörnchen
Zutraulich. © Palmizi / ZVW

Waiblingen. Sie sind winzig und wuschelig, neugierig und vorwitzig – bis sie sich total müde aneinanderkuscheln und zufrieden einschlafen: Die beiden Eichhörnchenbuben Max und Moritz haben ihre Mutter verloren, doch bei Jessica Hoch ein neues Zuhause gefunden. Liebevoll werden die beiden von der gelernten Erzieherin und Eichhörnchen-Retterin aufgepäppelt, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen werden.

Video: Jessica Hoch, die Eichhörnchenretterin aus Waiblingen, gibt Tipps worauf man achten soll, wenn bei einem Spaziergang ein Eichhörnchen Baby gefunden wird.

Etwa 37 Eichhörnchen sind in den vergangen beiden Jahren durch die Hände von Jessica Hoch gegangen. Nicht alle, aber die meisten von ihnen, konnte sie retten, und das mit bemerkenswertem Einsatz. Alle zwei Stunden müssen die ganz Kleinen, die weniger als eine Tafel Schokolade wiegen, gefüttert werden. Fast im Stundentakt steht Jessica Hoch nachts auf, um ein so winziges Eichhörnchenbaby aufzupäppeln.

"Es ist wie ein Baby, das strengt an"

Sie rührt die Ziegenaufzuchtsmilch an, füttert das Kleine fünf oder zehn Minuten lang mit einer Spritze, massiert danach den kleinen Bauch, um die Verdauung zu stimulieren und legt das Hörnchen zurück ins Nest. „Es ist wie ein Baby, das strengt an“, erzählt die 28-Jährige, die fürs Hörnchen-Füttern klaglos vorzeitig Geburtstagsfeiern verlässt und sich nachts den Wecker stellt. Aber mit sechs Stunden Schlaf kommt sie glücklicherweise ganz gut aus.

Bevor es in die Freiheit geht, erstmal ins Außengehege

Viereinhalb Wochen alt waren Max und Moritz, als sie zu Jessica Hoch in die Eichhörnchen-Auffangstation Waiblingen kamen. Wenn die Brüder in einigen Wochen stark genug sind fürs Leben, kommen sie in ein Außengehege, bevor sie endgültig ausgewildert werden. Diese Außengehege steht im Leutenbacher Kindergarten St. Jakobus, in dem Jessica Hoch früher als Erzieherin gearbeitet hat. Zusammen mit ihrer ehemaligen Kollegin, die sich ebenfalls in der Eichhörnchenhilfe engagiert, hatte sie im Rahmen eines Kindergartenprojekts und mit Unterstützung der Volksbank die Eichhörnchen-Unterkunft gebaut.

Kinder lernen, mit Tieren umzugehen 

Dass Kinder bereits früh Tiere kennen und schätzen lernen, ist der Erzieherin ein Anliegen – nicht zuletzt um zu verhindern, dass Kinder zu Tieren grausam sind. Wie in Stuttgart, wo sie im vergangenen Jahr ein verletztes Eichhörnchen abholen musste, das von Kindern mit Stöcken geschlagen worden war. Auch wenn ein Eichhörnchen stirbt, spricht sie darüber mit den Kindern: „Auch das gehört zur Natur.“

Im Tierschutz engagieren 

Jessica Hoch selbst hat Tiere immer geliebt. Als Kind kümmerte sie sich um ein Kaninchen, einen Vogel, eine Katze und einen Igel – dass sie Eichhörnchenretterin wurde, ist gleichwohl ein Zufall. Schon länger wollte sie sich im Tierschutz engagieren, als sie in Facebook auf die Seite der Eichhörnchen-Hilfe Stuttgart stieß. Sie meldete sich, bekam Unterlagen zugeschickt - und hatte zwei Wochen später das erste Hörnchen in ihrer Wohnung. Heute wird sie von Tierärzten und Tierheim-Mitarbeiten um Hilfe gebeten, aber auch von Spaziergängern, die ein unglückliches Eichhörnchenkind finden.

Geld in Futter und Medikamente investieren

Anfangs hatte die Waiblingerin keine Ahnung von der Eichhörnchen-Aufzucht – das hat sich geändert. Wobei sie nicht nur Zeit und Engagement investiert, sondern auch eine Menge Geld: Gut 600 Euro hat sie in den vergangenen beiden Jahren für Futter und Medikamente ausgegeben. Bis aus dem kleinen Mäxchen, der anfangs gerade mal 90 Gramm wog, ein 400 oder 500 Gramm schwerer Max wird, dauert es eben eine Weile.

Stolz auf ihre Arbeit

„Da steckt viel Herzblut drin“, bestätigt Jessica Hoch, die von ihren Zöglingen auch schon mal gebissen wurde und sich Flöhe eingefangen hat. „Na und?“, sagt die 28-Jährige: „Ich habe mich halt eingesprüht mit Flohmittel“. Auf der anderen Seite ist da schließlich die Freude, irgendwann ein gesundes Eichhörnchen über die Bäume huschen zu sehen: „Wenn man weiß, das hat es mir zu verdanken, macht das einen stolz.“

Eichhörnchenmädchen Zoé lag ihr besonders am Herzen 

Auch Max und Moritz werden irgendwann von der Wohnung in Waiblingen in das Außengehege im Kindergarten ziehen. Zwei Wochen lang werden sie dort bleiben, bis ihnen ihre Pflegerin die Klappe zur Freiheit öffnen wird. Manche Hörnchen, weiß Jessica Hoch, sind nach zehn Minuten weg, manche sitzen mit großen Augen zwei Wochen später immer noch anhänglich im Gehege. Alle hat Jessica Hoch gerne gehen lassen, nur beim Eichhörnchenmädchen Zoé, das besonders zahm war und am liebsten in ihrer Hand schlief, hat sie ein bisschen geweint. Dass Zoé ihr die Treue hielt, hat Jessica Hoch erst später gemerkt: Immer wieder kommt das Eichhörnchen zurück zum Kindergarten. Inzwischen mit dickem Babybauch.

Im Notfall

Eichhörnchen-Findelkinder dürfen angefasst werden, informiert die Eichhörnchen-Hilfe Stuttgart. Das Muttertier wird sein Baby deswegen nicht ablehnen. Junge Eichhörnchen könnten problemlos mit bloßen Händen angefasst werden. Kranke oder verletzte erwachsene Tiere sollten aber ausschließlich mit Handschuhen oder einem Handtuch aufgenommen werden, um sich vor Bissen zu schützen.

Notfall-Nummer 01 76/86 22 55 74