Waiblingen

Die große Tierschau des Ottmar Hörl

Ottmar Hörl
Ottmar Hörls Rottweiler, übrig geblieben aus einer Aktion in Bayreuth, beobachtet den Aufbau auf der Wiese in der Waiblinger Remsaue. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Auf dem Waiblinger Was’n grasen jetzt auch die Hasen. Grüne Hasen. Noch mehr Getier aus Kunststoff steht auf der Kleinen Erleninsel in der Remsaue parat für die Eröffnung jetzt am Sonntag. Ottmar Hörl ist hier, Erschaffer des weltweit wohl größten Kunst-Zoos. Er macht sich dabei ganz dienstbar. Eine Aktion, die ganz dem Menschen zugutekommt.

Video: Die farbenfrohe Tierschau vom Künstler Ottmar Hörl auf der Erleninsel in Waiblingen.

Für Freitag-Mittag verabredete sich die Hörl-Crew zum Aufbau auf diesem Kleinod inmitten der Waiblinger Flusslandschaft. Eine Lustlandschaft mit einem Pavillon inmitten. Eine Liebesinsel – so kommt einem dieser Flecken Erde vor.

Die Tiere sind alle entlassen. Nämlich aus dem Transporter, der bis unters Dach das liebe Viehzeug barg. Der Meister ist noch nicht da. Er stecke in einem kleinen Stau. So informiert Rainer Knubben. Ein PR-Profi, der früher viel für Daimler gemacht hat und heute mit einem kleinen Verlag für Kulinarisches in Remshalden niedergekommen ist. Knubben ist Rotary-Mitglied. Man kennt sich. Auch Ottmar Hörl ist Rotarier, in Wertheim. Man kennt sich, weil Hörl mit Daimler zusammengearbeitet hat, um Eulen nach Athen zu tragen. Die große Hörl-Aktion zu den Olympischen Spielen 2004 hat Hörl endgültig zum universal Bekannten des Betriebs gemacht. Hier nun, in Waiblingen, helfen Rotarier der Hospiz-Bewegung. Damit Menschen der Schmerz genommen wird. Sie in Würde sterben dürfen.

Die optische Botschaft

Der Meister hat den Weg gefunden. Er entsteigt dem Auto. Nach Künstlerart ganz in Schwarz, aber ohne Gehänge und Gepränge. Optische Botschaft: Ich bin nicht der Malerfürst. Nehmt mich, wie ich bin.

Es ist ein kleiner Bahnhof für ihn aufgebaut. Selters, nicht Sekt. Ein Plastikstuhl wird zurechtgerückt. Er platziert sich ungekünstelt und will sich hörbar gleich heimisch machen: „Ihr seid ja süß.“ Wohlgemerkt: So spricht er zu den Menschen, nicht zu seinen Kreaturen.

Journalisten sind ihm sowieso lieb. Er kommt ins Erzählen. So richtig groß rausgekommen ist Hörl in den 90er Jahren mit einer Bespielung der Münchner Oper. Genauer: des Vorplatzes. In konzentrischen Kreisen ordnete Hörl ein Bataillon von Gartenzwergen. Er ist ja keiner, der einst angetreten war, auf möglichst geschickte Art den Kunstmarkt zu penetrieren. Wider alle möglichen Stachel zu löcken, das war auch sein Programm.

Er hat ja auch einen Ruf zu verlieren. Er, der Erschaffer des Spontis mit dem erigierten Stinkefinger. Hörl also hoffte auf einen saftigen Skandal. Die Münchner, ja freili, dachten in ihrer Blasiertheit gar nicht daran, sich aufzuregen. Still und heimlich leerte sich das Rondell. Gartenzwerge-Schwund durch Klau. Die Münchner Abendzeitung war’s, die ihn dann auf einen Dreh brachte: nochmals welche anfertigen lassen und dann ordentlich verkaufen. Zugunsten der Sozialversicherung für Künstler.

Aber eigentlich, ist da rauszuhören, kommt er schon selber auf den Trichter, wie sich Kunst verallgemeinern, demokratisieren lässt. Wenn er dann spricht, weicht das Alles-schon-gesehen-Gelassene, und es steigt Emphase in der Rede auf. Hallo! Es wird ihm wichtig. Und diesen Impetus gibt er auch seinen Studenten weiter.

Also: Natürlich hat auch er mal mit Einzelausstellungen angefangen. Schön geschützt, verwahrt in den Kunsttempeln. Bis er gemerkt hat, „das wiederholt sich ja ständig“. Also wurde ihm klar, dass er auf die Straße muss mit seinen Arbeiten. Dort, sagt er, erreiche er „den Chef der Nasa bis zum Straßenkehrer“. Eine „ganz neue Kommunikationsebene“ öffnete sich ihm auf einmal. Es sei so, dass bald jeder Mensch Interesse an künstlerischen Positionen habe. Nur eben nicht, wenn sie sich abschotten in Zirkeln.

Bloß keine „Künstlerpreise“

Also dürfen die Werke auch nicht unerschwinglich sein. „Ich habe begonnen, wie ein normaler Handwerker den Preis zu kalkulieren.“ So, dass jetzt, ungefähr, ein Hase 50 Euro kostet und eine Eule 70. Auch in Waiblingen. Alle sollten „ein bisschen“ was verdienen, aber eben nicht exorbitant. „Keine Künstlerpreise“ lautet seine Losung. Das also war seine Strategie: „In den öffentlichen Raum zu gehen.“ Für diese Idee wurde Hörl so bekannt, dass es allemal für eine Professur reicht. Und für gute Plätze im Museum, sozusagen durch die Hintertür.

Wenn er erzählt, verlebendigt sich sein Bestiarium geradezu, der Zoo rüttelt an den Zäunen. In Nürnberg war’s. Zum Dürer-Jahr besetzen Hörls Hasen, abgenommen der ikonografischen Dürer-Hasen-Zeichnung, den Marktplatz. Eine Rentnertruppe kommt vorbei. Erste Bemerkung: Hasen seien nicht grün, sondern braun. Und schon hatte er sie, Hörl kam ins Gespräch. „Die Menschen sollen sich damit auseinandersetzen“.

So spricht er vom Plastikstuhl aus, derweil seine Mannschaft begonnen hat, die Wiese zu besiedeln. Hörl hat einen satten Querschnitt durch das nahezu vollständige tierische Schaffen einpacken lassen. Solch eine Überblicksschau gab es noch nie. Waiblingen erhält ein Unikat. Drei Wochen zur Anschauung, und dann zum Ankauf.

Der Meister und seine Mannschaft einigen sich schnell: Wild durcheinander wird es gehen in Waiblingen. Das Erdmännchen kommt neben der Eule zu stehen, dann wieder beim Rottweiler. Diese Idee gefällt dem Meister, der weiter ein An- und ein Aufreger sein will: Anarchisch, ungeplant, wachsen soll sie, die Waiblinger Wiese. Die Hörlsche Tierschau.

Gutes tun dank Hörl

Eröffnet wird die Open-air-Ausstellung, Hörls Zoo, diesen Sonntag, 11. September, ab 11 Uhr. OB Andreas Hesky spricht. Die Installation ist zu sehen bis zum 3. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr. Die kleine Erleninsel liegt zwischen der Michaelskirche und dem Bürgerzentrum in der Talaue.

Jeder kann Gutes tun mit Hörls Kunst. Die Figuren werden verkauft von 11 bis 13 Uhr am 2. und 3. Oktober. Der Rotary-Club Waiblingen stiftet den Erlös der Waiblinger Stiftung LebensZeit. Stiftungszweck ist, den Menschen hier im Kreis ein würdiges Lebensende und auch Sterben zu ermöglichen.

Kontakt für Vorbestellung und Abholung: Gabriele Villinger, Mail: info@stiftung-lebenszeit.de oder 07151/21217.