Waiblingen

Die Seele gesund durch die Krise bringen - zwei Psychologinnen geben Tipps für den Alltag

Caritas
Die Psychologinnen Silvia Friesch (links) und Stine Kirsch (rechts) vor der Beratungsstelle der Caritas. © Lea Krug

„Jeder hat die Anerkennung seines Schmerzes verdient“, sagt Silvia Friesch von der Psychologischen Familien- und Lebensberatung in Waiblingen. Sie und ihre Kollegin Stine Kirsch geben Tipps für den Corona-Alltag und sprechen offen über ihre Arbeit.

„So schlimm ist es bei mir aber auch wieder nicht“ ist einer der Sätze, die in dem roten Haus der Caritas in der Talstraße oft gesagt werden. Doch auch wenn die eigenen Probleme kleiner erscheinen als die von anderen: Wer glaubt, ein Gespräch mit Friesch oder Kirsch könne helfen, der darf sich auch an sie wenden. Die beiden Frauen ziehen einen Vergleich: Nur weil es Menschen mit gebrochenem Bein gibt, sollte man auch den gebrochenen Finger behandeln lassen. Ähnlich sei es auch mit psychischen Problemen.

Noch immer werde das Thema psychische Gesundheit zu stark tabuisiert, finden die beiden. Wie offen damit umgegangen wird, habe vor allem aber etwas mit der Familie und der Gruppe zu tun, mit der sich Menschen umgeben.

Vielen fehlt der Ausgleich

Die Corona-Krise hat den Alltag vieler Menschen durcheinandergebracht. Das, was sonst Ausgleich schafft, fällt für viele weg. Egal ob es nun der Kurs im Sportverein, der Restaurantbesuch mit Freunden oder der Besuch im Fußballstadion ist. Für die schwierige Zeit im Teil-Lockdown haben die beiden daher einige praktische Anregungen für den Alltag.

Einen Tipp, den Friesch gibt: Ziele setzen, die man auch erreichen kann. Wichtig sei, sich nicht zu viel vorzunehmen, das sorge für zusätzlichen Frust. Auch wenn man hauptsächlich zu Hause sei, könne man versuchen, sich etwas Schönes vorzunehmen, wie beispielsweise ein Lieblingsgericht kochen. Dann könne man auch mit Vorfreude auf diese Sache blicken.

Sonnenlicht als Stimmungsaufheller

Oder man plane einen längeren Spaziergang mit einem Freund oder einer Freundin. „Sonnenlicht wirkt stimmungsaufhellend“, erklärt Friesch. Zwar müsse man vorsichtig sein, solche Tipps helfen nicht gegen eine klinische Depression, aber zumindest gegen kurzzeitige Niedergeschlagenheit könnten solche Tipps helfen. „Es ist wichtig, sich jetzt an den kleinen Dingen, wie den schönen Blättern, zu erfreuen“, sagt Friesch. Statt etwa ins Kino zu gehen, könne man auch versuchen, zu Hause einen solchen Abend beispielsweise mit selbst gemachtem Popcorn zu zelebrieren. „Versuchen Sie, das Besondere in den Alltag zu integrieren“, rät Kirsch.

Das Problem mit dem veränderten Corona-Alltag sei, dass es gerade Menschen mit psychischen Problemen oft schwerfalle, sich auf veränderte Situationen einzustellen. „Dann geht es um Stabilisierung“, erklärt sie. Die Beratungsstelle hat Kontakte zu den verschiedensten Therapieangeboten in der Region und kann Betroffenen die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen. Dabei zeichne sie vor allem aus, dass ihr Angebot niedrigschwellig sei.

Lange Wartezeiten werden hier überbrückt

Menschen mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen müssten oft monatelang auf einen Therapieplatz warten, zu ihnen kämen manche von ihnen in der Übergangszeit, erzählen sie. Wer sich an sie wende, bekomme normalerweise innerhalb von ein oder zwei Wochen einen Termin.

Viele alte Menschen fühlen sich einsam

Vor allem stellen die beiden Beraterinnen oft fest, dass besonders viele ältere Menschen oft einsam seien. Auch für sie könne ein Gespräch bei der Beratungsstelle hilfreich sein. Weil besonders diese Personengruppe aber derzeit darauf achten müsse, die Anzahl der Kontakte gering zu halten, machen Friesch und Kirsch derzeit vermehrt Telefon- und Videoberatungen oder gehen auch mal mit ihren Klienten ins Freie.

Allerdings ist das Angebot nicht kostenlos. Für die Paar- und Lebensberatung nimmt die Beratungsstelle einen freiwilligen Kostenbeitrag pro Beratungsstunde von einem Prozent des Nettolohnes, wobei die erste Beratungsstunde kostenfrei ist. Jedoch gilt generell der Grundsatz, dass eine Beratung nicht am Geldbeutel scheitern darf. Die Erziehungsberatung für Familien hingegen ist kostenfrei.

„Jeder hat die Anerkennung seines Schmerzes verdient“, sagt Silvia Friesch von der Psychologischen Familien- und Lebensberatung in Waiblingen. Sie und ihre Kollegin Stine Kirsch geben Tipps für den Corona-Alltag und sprechen offen über ihre Arbeit.

„So schlimm ist es bei mir aber auch wieder nicht“ ist einer der Sätze, die in dem roten Haus der Caritas in der Talstraße oft gesagt werden. Doch auch wenn die eigenen Probleme kleiner erscheinen als die von anderen: Wer glaubt, ein

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