Waiblingen

Die Tourismuskonzeption des Rems-Murr-Kreises

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Das Wieslauftal ist ein Eldorado für Radfahrer. In Michelau gibt es nähere Informationen, was es mit der Ölmühle auf sich hat. © Schneider / ZVW
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Da geht’s lang, zeigt Robert Nissel, Wegwart beim Schwäbischen Albverein, den Weg in Winterbach. © Zürn / ZVW

Welzheim/Waiblingen. Die interkommunale Gartenschau 2019 steht im Mittelpunkt der Tourismuskonzeption des Rems-Murr-Kreises. Bis in zwei Jahren sollen Rad- und Wanderwege an Rems und Murr sowie im Schwäbischen Wald in Schuss gebracht werden. Der Landkreis will im Fremdenverkehr vor allem mit Wandern und Radeln punkten.

Weniger ist mehr. Nach diesem Motto wird der Fremdenverkehr weiterentwickelt. „Wir können keine 20 Themen bespielen“, sagte Alexander Seiz von Kohl & Partner Hotel und Tourismus Consulting. Also werden Schwerpunkte gesetzt.

Der Tourismusberater lobte ganz nebenbei den Ansatz des Landkreises, nicht selbst aktiv zu werden und somit nicht in Konkurrenz mit den Aktivitäten der Städte und Gemeinden, dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald oder den Tourismusvereinen Remstal-Route und Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald zu treten. Das Marketing erfolgt überwiegend durch die touristischen Partnerorganisationen.

Entwicklung kreis- und regionsweiter Projekte

Der Kreis hat sich auf folgende Aufgaben konzentriert: Entwicklung kreis- und regionsweiter Projekte und Markteinführung, Bündelung des touristischen Angebotes und Vernetzung der Destinationen, Förderung der Zusammenarbeit und Stärkung des touristischen Zieles sowie Steigerung der Wertschöpfung.

„Ziel des Prozesses war es, Doppelstrukturen und Redundanzen zu vermeiden, die Schwerpunktthemen der Tourismusarbeit auf Kreisebene klar zu definieren und mit der touristischen Arbeit der Kommunen und Tourismusorganisationen eng zu verzahnen“, so Landrat Dr. Richard Sigel. In einem engen Abstimmungsprozess mit den Kommunen, den Tourismus-Organisationen des Landkreises und dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald erarbeitete die Kreistourismusstelle die Tourismusstrategie.

Drei Übernachtungsstätten sind weggefallen

Der Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor, betonte Sigel. Zwischen Rems und Murr sind mehr als 300 Mitarbeiter in Hotels und Gaststätten beschäftigt. Im vergangenen Jahr zählte der Kreis 332 000 Ankünfte und 694 00 Übernachtungen. Etwas weniger als in den Vorjahren, da drei Übernachtungsstätten weggefallen sind.

Doch Besucher, die über Nacht bleiben, werden zwischen Rems und Murr nicht zur Hauptzielgruppe gezählt. Es sind die Tagestouristen aus dem Großraum Stuttgart, die im Remstal wie auch im Schwäbischen Wald angesprochen werden. Mit dem Naturpark Schwäbischer Wald, dem Unesco-Welterbe Limes, der Schwäbischen Waldbahn und der reichen Kultur- und Technikgeschichte gebe es eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen des Naherholungsgebietes vor den Toren von Stuttgart.


Die Tourismusbeauftragten Birgit Orner und Daniela Callenius stellten den Kreisräten jüngst die Tourismuskonzeption 2017-2019 für den Landkreis Rems-Murr vor. Im Blick hat sie nicht nur die interkommunale Gartenschau 2019, sondern auch fünf Trends im Tourismus:

  • Inszenierung und Qualität, dieser Trend bedeutet in Stichworten: „Veredelung des Moments“, „Erlebnisorientierung“, „Service, Service, Service“.
  • Nachhaltigkeit und Authentizität: „Ich fühle mich gut“, „Ursprüngliche Angebote“, „Echte Produkte“.
  • Gesellschaftlicher Wandel: „Der Altersdurchschnitt steigt“, „Gesundheit wird immer wichtiger“. Diesem Trend solle mit E-Bike-Touren und Spazier- statt Wanderwegen Rechnung getragen werden.
  • Neo Nature: „Die Natur erleben“, „Umweltbewusstsein, Klimaschutz“.
  • Digitalisierung: „Die Welt wird mobil“, „Big Data“, Hotellerie 4.0“.

Konkret will der Landkreis den Trends gerecht werden, indem sich der Tourismus auf Wandern, Radfahren und E-Biken sowie die Digitalisierung des Angebotes konzentriert. Ergänzende Themenfelder sind Wohnmobile, Kultur und das kulturelle Erbe. Im Jahr 2019 findet nicht nur die interkommunale Gartenschau im Remstal statt.

Ein digitales Wanderleitsystem

Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald feiert 40-jähriges Bestehen und in Winnenden finden die Heimattage statt. Bis in zwei Jahren sieht die Konzeption vor, das Wandern voranzubringen. So will die Fremdenverkehrsgemeinschaft Wanderpauschalen anbieten und zusammen mit der Remstalroute Prädikatswege ausweisen. Der Naturpark steuert beispielsweise ein digitales Wanderleitsystem bei.

Für Radfahrer stehen Radfernwege, die Remstal-Radroute und der Stromberg-Murrtal-Radwege auf der Liste. Für die Gartenschau sollen E-Bike-Angebote entwickelt werden. Der Schwäbische Wald und der Naturpark sollen sich zu einem Revier für Moutainbiker entwickeln.

Der Zustand des Remstal-Radweges sei „granatenmäßig schlecht“

So schön sich die Tourismuskonzeption auf dem Papier ausmacht, so schlecht sieht es oft genug noch in der Realität aus. Albrecht Ulrich, Kreisrat der Freien Wähler aus Winterbach, wies im Umwelt- und Verkehrsausschuss auf den Zustand des Remstal-Radweges hin. Der sei „granatenmäßig schlecht“ und als Radweg für die interkommunale Gartenschau schlicht ungeeignet. Bis 2019 soll dieser nicht nur klassifiziert, sondern zu einem Qualitätsradweg ertüchtigt werden.

Stärken und Schwächen

Die Stärken:

  • Die Potenziale im Schwäbischen Wald liegen auf der Naturlandschaft und Mühlen, Limes; im Remstal auf der Weinkultur, Fachwerk, Genuss und Streuobstwiesen.
  • Nähe zu Stuttgart als traditionelles Naherholungsgebiet.
  • Regionsweit bekannte Destinationen.
  • Hochwertige Gastronomie und Weinbau.
  • Kooperationen zu Erlebnisthemen der Region.
  • Breitgefächertes, teilweise zertifiziertes Angebot.
  • Vielfältige Kommunikationswege.

Die Schwächen:

  • Schwäbischer Wald: Strukturwandel, Abwanderungstendenz, schlechte Verkehrsanbindung. Remstal: Siedlungsdichte und Verkehrsbelastung.
  • Keine Tourismustradition, kurze Aufenthaltsdauer der Gäste.
  • Geringer Bekanntheitsgrad über die Region hinaus.
  • Zu geringe Konzentration auf Zugpferde.
  • Schließung von Betrieben aufgrund fehlender Betriebsnachfolger.
  • Kein zentrales, digitales Informationssystem, geringe Präsenz in den sozialen Netzwerken, wenig Infostellen an den Wochenenden

Höhepunkte

  • Am 1. Mai öffnet offiziell die Saison im Schwäbischen Wald mit einem Kinderfest. In Spiegelberg-Großhöchberg erwartet die Besucher ein Freiluftfest. (www.schwaebischerwald.com).
  • Vom 30. April bis zum 29. Oktober 2017 und im Advent schnaufen und dampfen wieder die historischen Züge der Schwäbischen Waldbahn (www.schwaebische-waldbahn.de).
  • Am Pfingstmontag, 5. Juni, findet der 24. Deutsche Mühlentag im Schwäbischen Wald statt. Die Mühlen haben an diesem Tag ihre Pforten geöffnet und geben Einblick in ihr historisches Innenleben.
  • Im Remstal servieren, inspiriert von der Blütenpracht, 29 Remstäler Küchenmeister zwischen 21. April und 21. Mai Kreationen rund um den Frühling, wahlweise als Tellergericht oder in Form eines 3-Gänge-Menüs (www.remstal-route.de).
  • Auf den 226 Kilometern des Remstal-Höhenweges lässt sich die abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft des Remstals erwandern.
  • Im Remstal-Tourenplaner (regio.outdooractive.com/oar-remstal-route/de/) finden sich tolle Rad- und Wanderwege, Ausflugsziele nebst Einkehrmöglichkeiten.
  • Was der Blütenteller fürs Remstal, ist der Naturparkteller im Schwäbisch-Fränkischen Wald. Regionale Speisen zum fairen Preis (14 Euro inklusive einem Getränk). 62 Restaurants und Gaststätten in 30 Städten und Gemeinden machen mit (www.naturpark-sfw.de/)