Waiblingen

Diesen Schaden richten Masken im Kanal bei der Kläranlage in Waiblingen an

Kläranlage
Oliver Strauß, Betriebsleiter Stadtentwässerung, Markus Kienzle (Chef der Kläranlage im Waldmühleweg) und Sabine Schmidt (Technische Leiterin) weisen auf den vielen Müll hin, der sich im Abwasser befindet und reichlich Unannehmlichkeiten bereitet. © Alexandra Palmizi

Deutlich höhere Entsorgungskosten als vor der Corona-Pandemie verzeichnet der Eigenbetrieb Stadtentwässerung für die beiden Kläranlagen der Stadt. Während vor der Pandemie in der Kläranlage im Waldmühleweg einmal im Monat ein Container mit drei Tonnen schweren Grobstoffen abtransportiert werden musste, sind es mittlerweile zwei Container im Monat. Das berichtet Betriebsleiter Markus Kienzle von der Anlage am Waldmühleweg. Die Grobstoffe filtert die Rechenanlage aus dem Abwasser.

Mit Beginn der Corona-Pandemie landen immer mehr Gegenstände in der Toilette und damit im Abwasserkanal, die dort nicht reingehören. Ein kurzer Blick in den Kanal vor dem Rechengebäude ist Beweis genug. „Da schwimmt eine ganze Zwiebel“, sagt die Technische Leiterin des Eigenbetriebs Stadtentwässerung, Sabine Schmidt. „Und dort ein Feuchttuch!“, sagt sie und deutet auf den weißen viereckigen Gegenstand, der in der braunen Brühe nach oben gewirbelt wird. Im Gegensatz zum normalen Toilettenpapier behalten Feuchttücher ihre Form, was mit der stabilen Faserung zu tun habe, erklärt Oliver Strauß, der Chef des Eigenbetriebs ist sowie Fachbereichsleiter der Städtischen Infrastruktur.

Masken, Gummihandschuhe, Zwiebel und Feuchttücher im Abwasser gesichtet

In die braune Masse, die die großen Rechen aus dem Abwasser fischen, mischen sich darüber hinaus FFP2-Masken und OP-Masken, Gummihandschuhe, Wattepads, Ohrenstäbchen oder Tampons. „Alles Dinge, die nicht in die Toilette und damit nicht ins Abwasser gehören!“, betont Markus Kienzle. Hinzu kommen Essensreste, welche zu Hause fälschlicherweise über die Toilette entsorgt werden und Nager wie Ratten anlocken.

Als Grund sehen die Mitarbeiter das vermehrte Arbeiten im Home-Office. Gastronomien verfügen über einen gesonderten Fettabscheider – ein Gerät, das Fette und Öle vom Abwasser trennt, bevor es in die Kanalisation geleitet wird. Außerdem haben Menschen zu Hause einen ausgeprägteren Sinn für Hygiene, womit sich die Mitarbeiter den deutlichen Anstieg an Feststoffen im Schmutzwasser erklären. „Alle Grobstoffe, die größer als acht Millimeter sind, filtert der Rechen raus. Das Material wird mit einer Schneckenpresse in den Container transportiert, in welchen sieben Kubikmeter passen. Der Inhalt der Container wird nach Remseck zur Mülldeponie gefahren.

Im Jahr 2019 bezahlte der Eigenbetrieb 36 700 Euro für die Entsorgung, 2020 waren es 40 100 Euro, im vergangenen Jahr 2021 waren es sogar mehr als 50 000 Euro, berichtet Oliver Strauß.

Masken und Co verstopfen Pumpen von Regenrückhaltebecken

Die gefüllten Container sind die eine Sache, Masken und andere Grobstoffe sind aber, und das ist weitaus schlimmer, Übeltäter von verstopften Pumpen in den Regenrückhaltebecken. Wird der medizinische Mund-Nasen-Schutz auf die Straße geworfen und gelangt über eine Dole ins Kanalsystem, lagern sich Masken und andere Gegenstände zunächst am Boden des Kanals ab. Kommt ein Regenguss, werden diese in das Regenrückhaltebecken zur Zwischenspeicherung gespült, da die Kläranlage nur eine bestimmte Menge an Abwasser bewältigen kann. „Im Schnitt kommen pro Tag 7000 Kubikmeter Abwasser bei uns im Waldmühleweg an“, sagt Kläranlagen-Chef Markus Kienzle.

Reinigung der Pumpanlagen birgt Gefahren

Wenn Stoffe, die nicht in den Kanal gehören, eine Pumpe verstopfen, erhalten die Mitarbeiter ein Warnsignal. Dies hat zur Folge, dass einer von ihnen in den bis zu zehn Meter tiefen Schacht hinabsteigen muss und die Pumpe von den Fremdstoffen befreien muss. „Das ist ein großer Aufwand“, so Kienzle. Außerdem ist der Einsatz nicht ungefährlich. Im Schlamm setzt sich das sogenannte Klärgas ab, dessen Bestandteile unter anderem Methangas und Schwefelwasserstoff bilden.

Das Becken wird vorab belüftet. Dennoch kann Gas mit jedem Schritt, den ein Mitarbeiter in der Tiefe macht, freigesetzt werden. Steigt die Gefahr, schlägt ein Messgerät Alarm. „Bevor es gesundheitsbedenklich wird, muss man das Becken schnell verlassen!“, erklärt Kienzle. Weil der Einsatz so gefährlich ist, müssen mindestens drei Mitarbeiter dabei sein. Der Mann oder die Frau in der Tiefe ist mit einem Stahlseil gesichert, so dass er oder sie zur Not nach oben gezogen werden kann. Die Pumpen in den Regenrückhaltebecken befreien sie von meterlangen Zöpfen. Diese befördern sie in 20-Liter-Eimern nach oben, die „oftmals nicht ausreichen“. Drei Stunden benötigen sie in der Regel für solch einen Einsatz. Am Ende wird die Pumpe hochgezogen, gereinigt und desinfiziert. Nach einem Funktionstest wird sie wieder an Ort und Stelle verfrachtet. Am Ende wird das Becken mit dem schweren Schachtdeckel verschlossen.

Acht Regenrückhaltebecken gehören zum Klärwerk im Waldmühleweg, fünf sind es rund um die Hegnacher Anlage. „Nach jedem großen Regen ist das unser Geschäft“, ärgert sich Markus Kienzle. Gleichzeitig führe das zu einer erhöhten Abnutzung der Pumpanlagen.

Die erhöhten Entsorgungskosten und der Mehraufwand machen sich wiederum in der Abwassergebühr und dem Abwasserbeitrag bemerkbar, weiß Oliver Strauß, Betriebsleiter Eigenbetrieb Stadtentwässerung.

Deutlich höhere Entsorgungskosten als vor der Corona-Pandemie verzeichnet der Eigenbetrieb Stadtentwässerung für die beiden Kläranlagen der Stadt. Während vor der Pandemie in der Kläranlage im Waldmühleweg einmal im Monat ein Container mit drei Tonnen schweren Grobstoffen abtransportiert werden musste, sind es mittlerweile zwei Container im Monat. Das berichtet Betriebsleiter Markus Kienzle von der Anlage am Waldmühleweg. Die Grobstoffe filtert die Rechenanlage aus dem Abwasser.

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