Waiblingen

Eier doppelt gestempelt: Geflügelhof unter Verdacht

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Dieses doppelt gestempelte Ei brachte die Ermittlungen ins Rollen. © Verbraucherzentrale

Waiblingen. Worin der Sinn liegt, einem gestempelten Ei aus den Niederlanden noch einen zweiten deutschen Stempel zu verpassen, erschließt sich weder einem Laien noch dem Fachmann. Vier solchermaßen doppelt gestempelte Eier legten jedenfalls eine Spur zu einem Geflügelhof im Schwäbischen Wald. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Besitzer des Hofes ist entsetzt und empört: „Das ist eine Riesensauerei!“

Der Geschäftsführer konnte sich am Donnerstagmorgen nicht erklären, wie der Stempel mit seiner Betriebsnummer auf das Ei gekommen ist. In der vergangenen Woche hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg das Foto eines doppelt gestempelten Eis veröffentlicht. Der erste Stempel besagte, dass es sich um ein Käfig-Ei aus den Niederlanden handele. Der zweite Stempel deklariert das Ei als Freiland-Ei aus Baden-Württemberg. In einem anderen Fall sei der Verbraucherzentrale von komplett ungestempelten Eiern im Handel berichtet worden. „Beides ist Verbrauchertäuschung und rechtlich natürlich nicht zulässig, weil die Herkunft der Eier verschleiert wird“, schrieben die Verbraucherschützer. Der Stempel auf dem Ei gehöre zu den Pflichtangaben der Eier-Kennzeichnung und muss grundsätzlich auf jedem Ei eindeutig und lesbar sein, kommentierte Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale den Fall.

„Das Veterinäramt geht diesem Sachverhalt mit Hochdruck nach“

Für das Landratsamt Rems-Murr waren die vier Eier, die der Verbraucherzentrale gemeldet wurden, Grund genug, aktiv zu werden. Drei davon hatten einen mit doppeltem deutschen und niederländischen Erzeugercode (Stempel auf dem Ei), schreibt das Landratsamt auf Anfrage. Dazu wurden in demselben Lebensmittelmarkt in einer Schachtel bei einer Kontrolle durch das Veterinäramt mit einem anderen Mindesthaltbarkeitsdatum ebenfalls Eier – zwei von zehn – mit doppeltem deutschen und niederländischen Erzeugercode gefunden. „Das Veterinäramt geht diesem Sachverhalt zusammen mit allen beteiligten Behörden mit Hochdruck nach. Dazu gehören auch umfassende Kontrollen des Betriebs und von Einzelhandelsunternehmen sowie Laboruntersuchungen.“ Weil der Anfangsverdacht einer Straftat nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetz besteht, wurde die Staatsanwaltschaft Stuttgart hinzugezogen, die aktuell den Umfang des Tatvorwurfs prüft. – „Noch nichts ist Fakt“, betonte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Aufgrund des Hinweises des Landratsamtes Rems-Murr werde nun der Tatvorwurf geprüft.

Der Südwestrundfunk hat am Donnerstag über die Ermittlungen gegen einen Geflügelhof aus dem Rems-Murr-Kreis berichtet. Im Landkreis gibt es laut Landratsamt 1299 gewerbliche und private Hühnerhalter, von denen 59 Halter mehr als 100 Hühner besitzen.

„Wie schnell kann ein Betrieb mit Falschmeldungen zerstört werden!“

Auf der Homepage verwahrte sich der Geflügelhof am Donnerstag bereits gegen den bösen Verdacht: „Aus aktuellem Anlass zum Thema „Fipronil“ möchten wir Sie darauf hinweisen, dass wir das Desinfektionsmittel Dega 16 in unserem Betrieb nicht einsetzen. Sie können weiterhin unsere frischen Eier bedenkenlos verzehren.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung macht der Landwirt kein Hehl daraus, dass ihm lieber wäre, wenn erst gar nicht über den Fall berichtet würde. „Wie schnell kann ein Betrieb mit einer Falschmeldung zerstört werden!“, warnt der Geschäftsführer vor Rufmord, zumal zum jetzigen Zeitpunkt ja noch überhaupt nichts geklärt sei.

Wie seine Betriebsnummer auf die Eier geraten ist, kann sich der Geschäftsführer ebenfalls nicht erklären: „Es muss sich letzten Endes um eine Fälschung handeln!“ Mit den Niederlanden habe er keinerlei Geschäftsbeziehungen. Bei seinem Geflügelhof handelt es sich um einen regionalen Familienbetrieb mit langer Tradition, der sich auf Eiererzeugung aus Boden- und Freilandhaltung sowie die Junghennenaufzucht spezialisiert hat. „Mit tierschutzgerechter Haltung und modernster Technik erzeugen wir für Sie beste Qualität aus Baden-Württemberg.“


Der Betrieb bleibt geheim

Verbraucher erfahren dank Stempel alles über das Ei. Fast alles. Denn Betrieb und der Stall bleiben bei aller Offenheit im Sinne des Verbraucherschutzes geheim.

Die erste Zahl des Stempels steht für die Haltungsform: 0 für ökologische Erzeugung, 1 Freilandhaltung, 2 Bodenhaltung, 3 Käfighaltung.

Die zweite Zahl steht für das Herkunftsland, also DE für Deutschland, NL für die Niederlande oder BE für Belgien.

An den beiden Ziffern nach dem DE erkennt der Verbraucher, aus welchem Bundesland das Ei kommt. 08 ist übrigens Baden-Württemberg.

Die restlichen Ziffern stehen für den Betrieb und den Stall. „Bei der Betriebsnummer handelt es sich um eine Information für die zuständigen Kontrollbehörden, vergleichbar mit den Kfz-Kennzeichen“, schreibt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Kennzeichnung. „Eine behördenseitige Veröffentlichung der Betriebsnummer in Verbindung mit Name und Anschrift des entsprechendes Betriebs sieht das Marktordnungsrecht nicht vor und ist nicht mit dem Datenschutz vereinbar.“