Waiblingen

Ein Finanzexperte spricht Klartext

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Uwe Lange, Gründer des Weinstädter Finanzdienstleisters AVL. © Danny Galm

Weinstadt. Manchmal fragen ihn Leute, was er beruflich mache, und wenn sie die Antwort hören, stöhnen sie: „Oh Gott.“ Denn dies macht Uwe Lange, 55: „Ich vermittle Finanzprodukte.“ Sich mit ihm über seine Weinstädter Firma AVL zu unterhalten, ist ein Klartextkurs in Geldanlage und Risikoabwägung. Kleines Risiko, große Rendite? Gibt es nicht!

Finanzprodukte! Viele bekreuzigen sich, wenn sie nur das Wort hören. Gier. Windige Versprechen. Zockerei. Crash. Uwe Lange kennt die Klischees. Und geht grundgelassen damit um. Seine Firma AVL betreibt er als „eingetragener Kaufmann“. Sprich: „Ich hafte privat für alles.“ In eine GmbH umwandeln? Nee, sagt Lange, „man soll sehen, dass ich dahinterstehe.“ Lassen wir also die Vorurteile mal kurz beiseite und betrachten, was der Mann so treibt.

Keine Beratung, dafür Service

Normalerweise, wenn ein Kunde Geld anlegt, zum Beispiel bei einem Investment-Fonds, wickelt er das über eine Bank oder einen Versicherungsmakler ab. Von den theoretisch 10 000 Euro Anlage wandern allerdings praktisch nur 9500 ins Depot – der Vermittler erhält für seine Beratung fünf Prozent Ausgabe-Aufschlag. Lange aber sagt: Ich nehme keine fünf. Ich nehme null. Dafür biete ich: keine Beratung.

Klingt komisch? Moment, es geht noch weiter. Jeder Fonds verlangt vom Kunden eine jährliche Verwaltungsgebühr von ein bis drei Prozent des Einlagenwertes. Davon erhält Lange etwa ein Drittel. Und liefert dafür Service: Wie fülle ich den Antrag aus? Wohin muss ich das Geld überweisen? Wer sitzt im Fondsmanagement? Wie ist die „History“ des Fonds, sein „Risikoprofil“, wie hat er sich in den vergangenen Jahren entwickelt?

Wo soll ich investieren?

AVL ist von 8 bis 20 Uhr erreichbar mit „ausgebildetem Personal“, gut 20 Leuten. Alles läuft via Telefon und online, Chats, Mails. Ein Kunde, der sein Geld in mehrere Fonds unterschiedlicher Anbieter legt, muss sich „nicht in verschiedene Accounts einloggen“ – AVL bietet ihm Vermögensübersichten, dokumentiert Wertentwicklungen, verschickt Quartalsberichte.

So. Nun aber fragt einer: Wo soll ich investieren? Oder: Der Wert meines Fonds sinkt – abstoßen, bevor er ganz in den Keller geht, oder halten, bis er sich erholt? Die AVL-Antwort lautet immer gleich: „Tipps geben? Das machen wir nicht.“

DDR-Flüchtling, jung, denkt: Das Finanzzeug kriege ich hin

Uwe Lange stammt aus der DDR. 1983 fuhr er per Zug nach Bulgarien, schlich zu Fuß los Richtung jugoslawische Grenze und landete: im Knast als Republikflüchtling. Nach 13 Monaten kam er in den Westen, freigekauft von der Regierung Kohl. Er arbeitete als Software-Programmierer und kam zu etwas Geld.

Das, dachte er, leg ich an. „Ich wollte keine Beratung“, er fand, diese Finanzsache „ist nicht so schwer“ zu durchschauen, wenn man sich „ein bisschen damit auseinandersetzt“. Und „warum bin ich denn geflüchtet“, was hatte ihn in der DDR so deprimiert? Die Bevormundung.

Nur: Lange fand „keinen Anbieter auf dem Markt, der komplett verzichtet“ auf seinen Ausgabe-Aufschlag. Na sowas, dabei müsste es doch bestimmt „noch mehr Leute geben wie mich.“ Also gründete er AVL. Das war vor 20 Jahren.

"Ich nehme mein Investment in die Hand"

Heute gilt das Unternehmen als größter unabhängiger, ohne Bank oder Versicherung im Rücken arbeitender Finanzvermittler Deutschlands. Lange bietet 22 000 Investmentfonds an. Er hat 45 000 Kunden. In 20 Jahren haben sie rund 38 Milliarden Euro via AVL angelegt und – so Langes Rechnung – 1,7 Milliarden Euro an Ausgabeaufschlägen gespart.

Lauter Börsenfexe, Finanzgurus, Superchecker? „Überhaupt nicht. Wir haben immer mehr Kunden, die einen Fonds-Sparplan von 50 oder 70 Euro im Monat machen“; Leute, die sagen: Wenn mein Kind später mal studiert, brauche ich was auf der hohen Kante; Leute, die sagen: Ein Sparbuch ist sinnlos bei der Geldpolitik der EZB; Leute, die sagen: „Ich nehme mein Investment in die Hand und bin bereit, das Risiko mit mir selber auszumachen.“

Eigenverantwortlich denkende Menschen? Die gibt es

Schön so weit, Herr Lange, bloß: Falls die Leute Geld verlieren, beschweren sie sich bestimmt doch – wie oft schreit einer ins Telefon, dass er Sie verklagt? „Gar nie. Nein.“ Aber so ist doch der Mensch, wenn was schief läuft, sucht er einen Schuldigen. „Nee, wirklich, wir haben da keine Probleme.

Es gibt Menschen, die wissen, dass sie Eigenverantwortung haben. Der Kunde wird bei uns hingewiesen auf die Risiken, die am Kapitalmarkt entstehen können.“

Nennen wir, was Lange allen erzählt, das Gesetz: Wer geringes Risiko will, muss geringe Rendite akzeptieren. Wer große Rendite will, muss großes Risiko gehen. Große Rendite, geringes Risiko? Gibt es nicht.

Das Risiko streuen

Aktien kaufen? Kann man machen. Wenn der Kurs steigt – super! Problem: Der Kurs kann auch sinken. Alternative: ein Investmentfonds. Das ist ein großer Topf, in den viele Leute einzahlen. Mit dem Geld kauft der Fondsmanager Aktien von verschiedenen Firmen. So wird das Risiko gestreut.

Das Gesetz gilt aber auch hier: Ein Fonds, der auf stabile Branchen setzt, ist tendenziell sicherer – und wirft eher weniger ab. Ein Fonds, der auf Zukunftstechnologien baut, kann durch die Decke gehen – und zu massiveren Verlusten führen.

Take the money and run

Firmen gehen pleite. Ganze Wirtschaftszweige können absterben. Aber, sagt Lange, es „gibt viele gesunde Unternehmen, immer wieder entstehen neue Märkte. Wenn ich nur an den Weltuntergang denke, immer in dieser Angst lebe ... Man muss auch ein bisschen optimistisch sein.“ Wer in einen Fonds einzahlt, wettet darauf, dass die Welt schon nicht untergehen wird. „Das ist für mich kein Zockerprodukt.“

Take the money and run, schnapp dir die Kohle und mach dich aus dem Staub? Uwe Lange hat einen anderen Plan: hierbleiben, weitermachen. Sein Sohn entschied sich nach dem Masterstudium gegen ein gutes Jobangebot aus der Autobranche; und „für das Familienunternehmen“.


Preisgekrönt

  • Die Bewertungsplattform BankingCheck, spezialisiert auf Kundenbewertungen für die Finanzindustrie, hat AVL als „Besten Fondsvermittler 2017“ ausgezeichnet. Grundlage der Rangliste war die Kundenzufriedenheit in den letzten drei Jahren. AVL kam auf einen Wertungsschnitt von 4,8 auf einer bis 5 reichenden Skala.