Waiblingen

Ein Monat Lime-Elektroroller in Waiblingen: Mit Absicht E-Scooter quergestellt?

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Zwei E-Scooter der Firma Lime blockieren die Zufahrt zu einem privaten Stellplatz. Das Foto ist nach Leserangaben am Pfingstsonntag, 5. Juni 2022, auf der Korber Höhe entstanden. Die E-Scooter müssen dort zwischen Samstag um 22 Uhr und Sonntag um 7 Uhr hingelegt worden sein. © Betsch

Seit dem 2. Mai 2022 können Elektroroller der Firma Lime in Waiblingen zum Preis von 25 Cent pro Minute plus einem Euro Entsperrgebühr ausgeliehen werden – doch es gingen seither auch einige Beschwerden bei der Stadt ein. Das Hauptproblem sind E-Scooter, die umgeworfen werden und quer auf Gehwegen liegen.

Klaus Läpple von der Stadt Waiblingen: „Es ist eine Form von Vandalismus“

An einigen Orten ist dies bereits mehrfach hintereinander passiert, wie Klaus Läpple berichtet, der bei der Stadt die Abteilung Umwelt leitet. Dazu gehören laut Läpple ein Fußweg beim Bürgerzentrum, die Unterführung vom Hallenbad Richtung Büze und der Fußweg vor dem Staufer-Schulzentrum in der Mayenner Straße. Nun wäre es naheliegend zu sagen, dass die Nutzer der E-Scooter diese nicht ordentlich abgestellt haben. Doch die Firma Lime hat der Stadt laut Läpple mitgeteilt, dass die Nutzer die Elektroroller stets ordentlich abgestellt hätten.

Auch, sagt Läpple, habe es in den betroffenen Zeiträumen keinen Sturm gegeben. Sprich: Irgendwelche anderen Personen müssen die E-Scooter absichtlich quergestellt haben. „Es ist eine Form von Vandalismus“, findet Klaus Läpple. Kritiker des E-Scooter-Verleihs sehen dies natürlich als Bestätigung ihrer ablehnenden Haltung.

„Wir stehen mit Lime in engem Kontakt und leiten alles schnell weiter“

Läpple verweist indes darauf, dass Lime sehr daran interessiert ist, dieses Problem zu lösen. „Wir stehen mit Lime in engem Kontakt und leiten alles schnell weiter.“ Bereits nach ein, zwei Stunden erhält die Stadt nach seinen Angaben von Lennart Kröl, bei Lime stellvertretender Standortleiter für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, eine Antwort. Festgelegt ist mit Lime, dass das Unternehmen bei gravierenden Fällen von falsch abgestellten Rollern diese in spätestens vier Stunden entfernt. Wenn ein E-Scooter an einer Stelle liegt, an der er niemanden behindert, muss er erst nach zwei Tagen abgeholt werden. Als Beispiel nennt Läpple etwa eine Grasfläche in Hohenacker.

Wird ein Scooter nicht regulär abgestellt, müssen die Nutzer weiter zahlen

In den Ortschaften von Waiblingen können die E-Scooter derzeit noch nicht regulär abgestellt werden. Das bedeutet, dass der Ausleihvorgang nicht beendet wird und den Nutzern weitere Kosten in Rechnung gestellt werden – inklusive des Rücktransports des Elektrorollers in die Kernstadt. Stand Ende Mai sind der Stadt vier Fälle bekannt, in denen E-Scooter in den Ortschaften abgestellt wurden – zweimal in Neustadt, einmal in Beinstein und einmal in Hohenacker. Klaus Läpple hofft auf einen Lerneffekt. „Da müssen die Nutzer erst die negative Erfahrung machen, wenn die Rechnung kommt.“

In der Rems ist seit dem Start des Verleihs am 2. Mai bislang ein E-Scooter gelandet, der aber wieder rausgeholt werden konnte. Ein weiterer E-Scooter gilt als vermisst. Der Gemeindevollzugsdienst der Stadt hat auch schon Nutzer erwischt, die zu zweit auf einem E-Scooter unterwegs waren, obwohl das nicht erlaubt ist. Eine gute Nachricht ist laut Läpple, dass die Zahl der Beschwerden mittlerweile abgenommen hat, nachdem es gerade am Anfang doch einige gab. Mittlerweile wurden auch weitere Gebiete in die Liste jener Zonen aufgenommen, in denen die E-Scooter von Lime nicht abgestellt werden dürfen. Zu diesen Parkverbotszonen gehören jetzt auch die Waiblinger Schulhöfe, so wie seit Beginn die Fußgängerzone in der Altstadt. Wer dort einen Elektroroller abgestellt hat, kann seinen Ladevorgang nicht abbrechen – mit der Folge, dass die eigene Kreditkarte oder das eigene Paypal-Konto weiter belastet werden.

Lime könnte das ordentliche Parken von Scootern in Waiblingen auch belohnen

Der Wunsch der Stadt, Nutzern einen Bonus zu zahlen, wenn sie ihren Roller auf bestimmten Flächen abstellen, wurde bislang von Lime nicht umgesetzt. Das heißt aber nicht, dass es nicht möglich ist: Das Unternehmen betont auf Nachfrage, dass man in Abstimmung mit den Städten auch Kunden für ordnungsgemäßes Parken belohnen kann, sofern ausgewiesene Parkflächen verfügbar seien. Wenn ein Abstellvorgang in einer Parkfläche registriert wird (über GPS), bekommt der Nutzer eine Gutschrift für die nächste Fahrt. „Für die Stadt Waiblingen prüfen wir eine entsprechende Incentivierung und setzen diese – wo möglich – zeitnah um“, verspricht Lime-Sprecher Lukas Windler.

Sechsmonatige Testphase für E-Scooter von Lime in Waiblingen

Spannend findet Klaus Läpple noch die Frage, wie viele Autofahrten wirklich durch E-Scooter ersetzt werden. Ob es in Waiblingen langfristig einen E-Scooter-Verleih geben wird, hängt auch letztlich davon ab, wie jetzt die aktuelle sechsmonatige Testphase läuft. „Im Prinzip sind wir da ergebnisoffen“, betont der Leiter der Abteilung Umwelt.

Ob es seit Einführung des Verleihs auch Unfälle mit E-Scootern von Lime gab, weiß Klaus Läpple indes nicht. Auch Lime kann wenig beisteuern. „Zu Unfällen haben wir keine Kenntnis“, sagt Sprecher Lukas Windler. Das Polizeipräsidium Aalen verweist auf Nachfrage darauf, dass Halterdaten von der Polizei statistisch nicht erfasst werden. Zudem sieht er rechtliche Hinderungsgründe, unserer Redaktion bei Unfällen Daten zu E-Scooter-Haltern zu nennen. Insgesamt kam es laut Holger Bienert, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, im Bereich der Stadt Waiblingen im Kalenderjahr 2021 zu drei Verkehrsunfällen, an denen sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge beteiligt waren. Diesen werden bei der Polizei auch E-Scootern zugeordnet. „2022 waren es bislang zwei Unfälle.“

Bislang zwei Unfälle mit E-Scootern in Waiblingen im Jahr 2022

Einer davon ereignete sich laut Bienert am 3. Mai „Am Stadtgraben“, als eine Smart-Fahrerin beim Abbiegen an einer unübersichtlichen Stelle vier parkende E-Scooter übersah und hierdurch geringer Sachschaden entstand. Der andere Unfall ereignete sich am 22. April in der Schmidener Straße, als ein E-Scooter-Fahrer auf dem Geh- und Radweg mit einer entgegenkommenden Radfahrerin kollidierte und diese sich leicht verletzte. Der letztgenannte Unfall kann natürlich unmöglich von einem Lime-E-Scooter sein, da es damals den Verleih in Waiblingen noch gar nicht gab.

Lukas Windler von der Lime-Pressestelle betont, dass es Ziel der Firma sei, dass E-Scooter oder -Fahrräder zu keinem Zeitpunkt ein Hindernis oder eine Gefahr im öffentlichen Raum darstellen. Folgende Maßnahmen haben sich nach seiner Darstellung bewährt, wenn man dafür sorgen will, dass E-Scooter ordnungsgemäß geparkt werden:

  • Kunden werden von der App angehalten, nach der Fahrt ein Foto vom geparkten Scooter zu machen.
  • Auf jedem Scooter sind Kontaktdaten von Lime angebracht, unter denen Beschwerden gemeldet werden können.
  • E-Scooter werden vom Lime-Team wieder ordentlich hingestellt, wenn Lime konkrete Hinweise erhält, etwa vom Ordnungsamt oder Bürgern.
  • Klassische Verkehrserziehung durch Kampagnen wie „Roll ohne Risiko“, die Lime mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat umsetzt.

Gemessen an der Gesamtflotte ist der von Vandalismus betroffene Anteil an Scootern bei Lime nach Angaben des Unternehmens sehr gering. Vandalismus wird zudem laut Sprecher Lukas Windler bei der Polizei konsequent angezeigt. Die Teams von Lime sind personell so aufgestellt, dass sie nach eigenen Angaben jeden Scooter der Flotte engmaschig begutachten können. Gibt es Wartungs- oder Reparaturbedarf, hat Lime dafür laut Lukas Windler ein spezielles geschultes Team an Mechanikern, das sich darum kümmert. „Sollte es in Ausnahmefällen vorkommen, dass das GPS-Signal eines E-Scooters unterbrochen ist, fahren unsere lokalen Teams sofort zum letzten bekannten Abstellstandort und sammeln den E-Scooter wieder ein.“

Seit dem 2. Mai 2022 können Elektroroller der Firma Lime in Waiblingen zum Preis von 25 Cent pro Minute plus einem Euro Entsperrgebühr ausgeliehen werden – doch es gingen seither auch einige Beschwerden bei der Stadt ein. Das Hauptproblem sind E-Scooter, die umgeworfen werden und quer auf Gehwegen liegen.

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Klaus Läpple von der Stadt Waiblingen: „Es ist eine Form von Vandalismus“

An einigen Orten ist dies bereits mehrfach hintereinander passiert, wie Klaus Läpple

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