Waiblingen

Ein offenes Ohr für die Jugend

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Der 19-jährige Kevin Wahl hat immer ein offenes Ohr für die Kinder und Jugendlichen des Musikvereins Rommelshausen. © Christine Tantschinez

Kernen-Rommelshausen. Seit zwölf Jahren spielt Kevin Wahl Klarinette beim Musikverein Rommelshausen. Im vergangenen Herbst hat der Abiturient dort den Posten des Jugendleiters übernommen. Zum Beruf machen möchte er die Musik trotz seines absoluten Gehörs nicht, ihm schwebt anderes vor: Er träumt von einem eigenen Hof mit Tieren.

Sein musikalisches Talent, glaubt Kevin Wahl, habe er von seinem Opa geerbt. „Der hat auch Klarinette und alle möglichen anderen Instrumente gespielt“, erinnert sich der 19-Jährige. Wahl spielt seit zwölf Jahren Klarinette beim Musikverein Rommelshausen, vor fünf Jahren hat er sich selbst das Querflötespielen beigebracht, und vor zwei Jahren kam noch das Saxofon dazu. Schwergefallen sei ihm das nicht: „Wenn ich etwas höre, kann ich es nachspielen“, sagt er. Denn er hat ein sogenanntes absolutes Gehör.

Zu seinem Beruf machen möchte Wahl die Musik trotz seines Talents nicht: „Ich bin nicht so der Klassiker, ich spiele lieber Jazz“, erklärt er. Am liebsten New-Orleans-Jazz oder Dixieland. Eine Musikhochschule scheide daher für ihn aus. Gerade macht er Abitur, seine Neigungsfächer sind Sport und Biologie. Wie es danach weitergehen soll? Studieren möchte er nicht, lieber eine Ausbildung machen. „Ich hab’ erst mal genug vom Pauken“, sagt Wahl. Irgendetwas Soziales soll es sein. Denn mit Menschen umgehen, das mache ihm einfach Spaß, sagt der Abiturient. „Deshalb habe ich auch sofort zugesagt, als ich im vergangenen Herbst das Angebot bekommen habe, als Jugendleiter die Nachfolge von Johanna Schneider anzutreten“, erzählt er. Vorher hatte er hin und wieder die Dirigentin unterstützt, aber immer habe er den Wunsch verspürt, sich mehr zu engagieren. Da kam die Beförderung wie gerufen.

Seine neue Aufgabe übernimmt er gemeinsam mit Michaela Gschwandl, die sich vor allem um das Organisatorische kümmert. „Ich bin in erster Linie der Ansprechpartner für die Kinder und Jugendlichen im Verein“, schildert Wahl seine Aufgabe. Da er nicht viel älter sei als die meisten, sehe er sich in einer Art Bruderrolle. „Ich habe schon das Gefühl, dass die Jugendlichen mit ihren Anliegen lieber zu mir kommen als zu den Älteren.“ Hinzu kommt, dass er den Werdegang der jungen Musiker im Musikverein Rommelshausen selbst durchlebt hat: Von der Bläserklasse für die Grundschüler geht es über das Vororchester in die Jugendkapelle und schließlich in die Hauptkapelle. Gerade beim Aufstieg in die Hauptkapelle komme es schon mal vor, dass die Jugendlichen Schwierigkeiten hätten, sich einzufinden, weiß Wahl. „Weil ich das selbst kenne, kann ich gut weiterhelfen“, ist er überzeugt.

Für seine weitere Entwicklung im Musikverein hat er konkrete Pläne: Noch in diesem Jahr möchte er die Musikerleistungsprüfung in Gold (D3) ablegen – Bronze und Silber hat er bereits bestanden. Die Prüfung besteht aus Noten- und Instrumentenkunde sowie Gehörbildung und einem praktischen Vorspiel. Das Abzeichen brauche er, wenn er mal Dirigent im Musikverein werden wolle, erläutert Wahl. Noch hat er davor allerdings gehörigen Respekt: „Da muss man schon ganz schön Talent haben“, sagt er. Irgendwann mal das Jugendorchester dirigieren, das könne er sich aber gut vorstellen.

Die Musik ist nicht Wahls einziges Hobby: Er betreibt auch Leichtathletik als Leistungssport. In seiner Disziplin, dem 100-Meter-Lauf, hat er es 2013 sogar zur deutschen Meisterschaft geschafft, wo er mit 10,9 Sekunden den 13. Platz belegte. Das sei auch sein sportliches Ziel für dieses Jahr: „Ich möchte auf jeden Fall wieder zur deutschen Meisterschaft fahren und dort unter elf Sekunden laufen“, sagt er. Drei- bis viermal in der Woche trainiert er dafür. Ganz nebenbei tanzt er einmal pro Woche Rock’n’Roll – und zwar mit seiner Tanzpartnerin Julia Zettl in Fellbach. Früher haben die beiden auch an Turnieren teilgenommen, aber: „Dazu fehlt momentan die Zeit.“ Denn Wahl hat noch eine vierte große Leidenschaft – die Pferde.

Er hilft bei der Bewegungstherapie mit Pferden

„Ich reite, seit ich ein kleines Kind bin“, berichtet er. Beim Reiten allerdings hat der sonst so ehrgeizige Wahl keine Wettkampfambitionen, dafür hilft er regelmäßig bei der pferdegestützten Bewegungstherapie. Gemeinsam mit seiner Schwester will er sich nun ein eigenes Pferd kaufen – einen Hund, eine Katze und Meerschweinchen hat er bereits. „Ich bin ein sehr natur- und heimatverbundener Mensch“, sagt der Musiker. Seine beste Freundin gehe nach dem Abitur für ein Jahr nach Botswana – für ihn sei das nichts. „Mein großer Traum ist es, aufs Land zu ziehen und einen eigenen Hof zu haben“, schwärmt Wahl. Mit Hühnern, Pferden, einer kleinen Landwirtschaft. Vielleicht ließe sich das auch mit seinem Wunsch verbinden, etwas Soziales zu machen: Auf seinem eigenen Hof Kinderreitstunden und Therapiereiten anzubieten, das stellt er sich schön vor.

Nicht nur Blasmusik

Wer Kevin Wahl live hören möchte, hat am Mittwoch, 4. Mai, Gelegenheit dazu. Die Hauptkapelle des Musikvereins Rommelshausen tritt beim „Classic Rock & Pop“-Open Air auf dem Gelände von Getränke Seefried, Willi-Rüsch-Straße 15, auf. Los geht’s um 20.30 Uhr, der Eintritt ist frei.