Waiblingen

Einbrecher: So schützen Sie sich und Ihre Nachbarn

1/2
Einbrecher Einbruch dieb symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Benjamin Büttner
2/2
a29bd84d-a1aa-47c7-957b-0cdda08f046c.jpg_1
© Gaby Schneider

Waiblingen. Rund 250 Wohnungseinbrüche hat die Polizei in diesem Jahr im Rems-Murr-Kreis bereits gezählt. Ein Modellprojekt der Initiative Sicherer Landkreis soll diese Zahl weiter drücken: „Nachbarn passen auf!“ nennt sich die Kampagne, die das Land Baden-Württemberg mit 7500 Euro fördert.

„Nachbarn passen auf!“ fordert nicht etwa zum Denunziantentum auf, betonte Polizeipräsident Roland Eisele am Montag bei einem Pressegespräch in Waiblingen. Die Kampagne appelliert vielmehr an eine aufmerksame Nachbarschaft, ein Auge aufs Grundstück des Nachbarn zu werfen und sich nicht zu scheuen, Ungewöhnliches der Polizei zu melden. „Nachbarn passen auf!“ soll helfen, Wohnungseinbrüche im Vorfeld zu verhindern, und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger erhöhen, sagte Klaus Auer, Präsidiumsmitglied der Initiative Sicherer Landkreis (ISL). Die Kampagne läuft dieser Tage an. Die ISL vertraut auf ihr seit über 20 Jahren gesponnenes Netzwerk, an dem Wirtschaftsverbände und Polizei, Städte, Kommunen und der Landkreis sowie die Landfrauen, Vereine und die Feuerwehren beteiligt sind.

Nachbarn passen auf!

Die Kampagne „Nachbarn passen auf!“ knüpft an das Bündnis gegen Einbruchsdiebstahl an, das der IHK-Bezirkskammerpräsident und CDU-Landtagsabgeordnete Claus Paal 2014 auf dem Höhepunkt der Einbruchswelle initiiert hatte. Mehr als 600 Einbrüche sorgten damals für Aufregung in der Bevölkerung. Obwohl die Einbrüche mittlerweile zurückgegangen sind, geht es auch um die „gefühlte Sicherheit“ der Bevölkerung. Meist stehen die materiellen Schäden gar nicht im Vordergrund, sagte Polizeipräsident Eisele, sondern die Tatsache, zum Opfer geworden zu sein. Diese Traumatisierung führt dazu, dass jedes fünfte Einbruchsopfer sich nicht mehr in seiner Wohnung wohlfühlt und über kurz oder lang auszieht.

Präventionsmaßnahmen gegen Einbrecher

Mit einer Infokampagne will die Initiative Sicherer Landkreis die Bevölkerung zum einen sensibilisieren und zum anderen die einfachsten Präventionsmaßnahmen gegen Einbrecher im Kopf verankern. Dazu gehören:

  • Schließend Sie Ihre Tür immer ab, auch wenn es nur um eine halbe Stunde geht.
  • Verschließen Sie immer Fenster, Balkon-und Terrassentüren.
  • Gekippte Fenster sind offene Fenster.
  • Verstecken Sie Ihren Schlüssel niemals draußen.
  • Wenn Sie Ihren Schlüssel verlieren, wechseln Sie den Schließzylinder aus.
  • Achten Sie auf Fremde im Haus oder auf dem Nachbargrundstück.
  • Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit.

Die Kampagne „Nachbarn passen auf!“ ergänzt diese allgemeinen Tipps gegen Wohnungseinbruch mit Ratschlägen für eine sichere Nachbarschaft:

  • Seien Sie aufmerksam und verständigen Sie bei verdächtigen Wahrnehmungen sofort die Polizei über den Notruf 110.
  • Halten Sie in Mehrfamilienhäusern den Hauseingang auch tagsüber geschlossen und prüfen Sie, wer ins Haus will, bevor Sie den Türöffner drücken. Sorgen Sie dafür, dass Keller- und Bodentüren stets verschlossen sind.
  • Achten Sie auf Fremde im Haus oder auf dem Nachbargrundstück und sprechen Sie diese gegebenenfalls an.
  • Betreuen Sie die Wohnung abwesender Nachbarn, indem Sie beispielsweise den Briefkasten leeren. So entsteht kein unbewohnter Eindruck.

Kretschmar: „Als Nachbar darf ich Verantwortung übernehmen“

„Eigentlich banale Dinge, an die man denken sollte“, sagt Klaus Auer über diese Tipps, wohlwissend, dass es ja meist die banalen Dinge sind, die gern übersehen werden und Einbrecher ihre Arbeit erleichtern. Michael Kretschmar, Erster Landesbeamter im Rems-Murr-Landratsamt, appellierte an die Bevölkerung, Verdächtiges zu melden und auch Menschen auf der Straße anzusprechen. „Als Nachbar darf ich Verantwortung übernehmen.“ Selbst wenn sich ein Verdacht als falsch herausstellt, wie die Welzheimer Landfrau Elisabeth Jacobi selbst schon erlebt hat. Die Polizeistreife entlarvte ein von Haus zu Haus pilgerndes Pärchen nicht als Einbrecher, die Tatorte ausbaldowerten, sondern als Missionare in Diensten Jehovas.

„Wir wissen um die Ängste und Nöte der Einbruchsopfer“, sagte Polizeipräsident Eisele. Deshalb werden auch jetzt wieder, zu Beginn der dunklen Jahreszeit, die Streifen in den Wohngebieten verstärkt. Die Polizei zeigt Flagge vor Ort. Seit 2014 kümmert sich zudem eine zwölfköpfige Sonderermittlungsgruppe Einbruch der Kripo um das Thema. Schwerpunkte der Einbrüche zwischen Rems und Murr seien nach wie vor die verkehrsgünstig an den Bundesstraßen liegenden Städte Schorndorf, Winnenden und Backnang sowie Waiblingen. Statt eine teure Alarmanlage zu installieren, sei das Geld besser in einen besseren Einbruchsschutz investiert, empfahl Eisele. Fast bei jedem zweiten Einbruch bleibt es beim Versuch, weil die Einbrecher an gut gesicherten Fenstern und Türen scheitern – oder weil Nachbarn aufmerksam geworden sind und die Einbrecher stören. „Die Polizei allein kann’s nicht richten“, sagte Eisele und setzt auf „Nachbarn passen auf!“


Info

Am Donnerstag, 9. November, laden die Landfrauen Welzheim zu einer Veranstaltung ein: „Sicher leben im Rems-Murr-Kreis, zu Hause und unterwegs: Wie erkenne und vermeide ich Unannehmlichkeiten und Gefahren“. Elisabeth Jacobi, Sicherheitsberaterin für Senior/innen, Initiative Sicherer Landkreis Rems-Murr und Referat Prävention Fellbach des Polizeipräsidiums Aalen, informiert dann auch über die neue ISL-Kampagne „Nachbarn passen auf!“ 19.30 Uhr, Residenzstube Welzheim, Schorndorfer Straße 88.