Waiblingen

Eine neue BMX-Bahn für 100 000 Euro

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Noch steht sie, die alte 280 Meter lange BMX-Bahn der Freebikers – doch schon in wenigen Monaten wird sie komplett abgerissen. © Laura Edenberger
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So soll die neue BMX-Bahn der Freebikers Weinstadt aussehen.
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Thomas Schäfer (rechts) aus Kernen leitet den Verein. © Gabriel Habermann

Weinstadt-Großheppach. Sie wird breiter, länger und kann künftig auch für Europaläufe genutzt werden: Mit ihrer neuen BMX-Bahn wollen die Weinstädter Freebikers künftig große Wettbewerbe ausrichten. Abzüglich der Eigenleistung muss der Verein dafür 100 000 Euro investieren. Nun hofft er auf einen Zuschuss der Stadt.

Noch steht sie, die alte 280 Meter lange BMX-Bahn der Freebikers am Großheppacher Heuweg – doch schon in wenigen Monaten wird sie komplett abgerissen. Auf ihr, sagt der Vereinsvorsitzende Thomas Schäfer, soll ein kleiner Bolzplatz entstehen, auf dem unter anderem die Flüchtlinge aus der benachbarten Asylbewerberunterkunft kicken können, quasi als Ersatz für den großen Fußballplatz. Denn dort wird von Herbst an die neue BMX-Bahn gebaut, auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern und mit allerlei Verbesserungen. Während die alte Bahn nur höchstens fünf Meter breit war, wird es die neue auf acht Meter bringen. Der Starthügel ist künftig sechs Meter hoch und überdacht, der Zielauslauf 35 Meter lang, dazu kommen geteerte Kurven und eine Bahn, die wasserdurchlässiger ist als bisher – ein Riesenvorteil bei Starkregen. Kosten soll all das rund 100 000 Euro – und da sind die Eigenleistungen des Vereins noch gar nicht inbegriffen.

Beträchtliche Finanzierungslücke besteht

Thomas Schäfer und seine Mitstreiter haben es unter anderem geschafft, viel Unterstützung vom Göppinger Bauunternehmen Leonhard Weiss zu erhalten. Trotzdem gibt es noch eine beträchtliche Finanzierungslücke – denn durch Rücklagen und Spenden allein können die Freebikers das Projekt nicht stemmen. „Wir haben einige Euros in petto, wir haben gut gewirtschaftet – aber das ist zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig.“

Vom Württembergischen Landessportbund gibt es kein Geld

So hofft Thomas Schäfer immer noch auf einen Zuschuss der Stadt. Zwar stellt Weinstadt das Grundstück bereit, aber eben nur befristet für acht Jahre. Die Stadt will sich nicht die Gelegenheit verbauen, das Areal möglicherweise doch noch irgendwann an Investoren zu verkaufen, damit sich dort Gewerbe ansiedeln kann. Das bedeutet natürlich, dass all die Anlagen, die die Freebikers errichten wollen, theoretisch schon in acht Jahren wieder abgebaut werden müssten – was natürlich ebenfalls wieder Kosten verursacht. Das, sagt Thomas Schäfer, sei auch der Grund, warum es vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) kein Geld gibt. Thomas Schäfer kann das verstehen. „Die sagen: Das ist nicht nachhaltig. Warum sollen die für acht Jahre irgendwas fördern?“

Am liebsten wäre es den Freebikers, wenn es ähnlich laufen würde wie in der Nachbarkommune Kernen. Dort bekommt die Abteilung Bikesports der Sportvereinigung Rommelshausen einen neuen Bike-Parcours an der verlängerten Friedrichstraße – und zwar für 70 000 Euro. Der Parcours bleibt im Eigentum der Gemeinde, aber der Verein erhält genau das, was er braucht.

Thomas Schäfer setzt auf weitere Gespräche mit der Stadt. Zumindest die Baufreigabe steht nach Angaben des Vorsitzenden kurz bevor, auch vom Landratsamt gibt es, mal abgesehen von kleinen Auflagen, grünes Licht. Der Vereinsvorsitzende ist überzeugt, gute Argumente für eine Förderung auf seiner Seite zu haben. Wenn die neue Strecke wie geplant im März 2019 fertig ist, dann können Bike-Wettbewerbe auf nationaler und europäischer Ebene ausgetragen werden – und die ziehen natürlich viele Fahrer an, die dann für mehrere Tage in Weinstadt und Umgebung übernachten und essen müssen. „Da ist ganz Deutschland da. Die Leute kommen ja nicht nur für eineinhalb Stunden Fußballspiel.“

Stadt will sich in der Zuschuss-Frage noch nicht festlegen

Unsere Zeitung hat bei der Stadt nachgefragt, wie sie zu der Sache mit dem Zuschuss steht. Pressesprecher Holger Niederberger verwies zunächst darauf, dass der Beschluss des Gemeinderats vom 30. November 2017, den Freebikers das Grundstück für zunächst acht Jahre zur Verfügung zu stellen, zum damaligen Zeitpunkt von dem Verein mit großer Freude aufgenommen worden sei. „Die aktuelle Rückmeldung des Vereins, dass die auf etwa 100 000 Euro bezifferte Investition mit diesem Zeithorizont nun doch nicht vereinbar sei, wirft die Frage auf, welcher tatsächlich notwendige Zeitraum für die genannte Investitionssumme und eine Sportförderung seitens des Württembergischen Landessportbunds ausreichend wäre.“ Ein Brief von Oberbürgermeister Michael Scharmann an das Ausbildungszentrum BAU in Geradstetten im März, in dem es der OB als wünschenswert bezeichnet hatte, wenn das Ausbildungszentrum den Verein im Rahmen der Ausbildung in Kooperation mit einem Bauunternehmen beim Bau der BMX-Bahn unterstützt, sei leider erfolglos geblieben.

 

Stadt will mit Freebikers eine tragfähige Lösung finden

Scharmann hat laut Niederberger nun „den konstruktiven Dialog mit den Vereinsvorsitzenden wieder aufgenommen“. Grundsätzlich, teilt der Pressesprecher mit, sei es der Stadtverwaltung wichtig, gemeinsam mit den Freebikers eine tragfähige Lösung zu finden, wobei dabei selbstverständlich der Grundsatz der Gleichbehandlung aller Weinstädter Vereine gelte. „In naher Zukunft hat die Verwaltungsspitze daher ein Gespräch mit dem Vereinsvorstand zu diesem Thema vereinbart. Der Stadt Weinstadt ist an einer einvernehmlichen Lösung, von der alle Seiten profitieren, sehr gelegen.“

Welche Planungssicherheit benötigt der Verein?

Was weitere Zuschüsse seitens der Stadt angeht, verweist Niederberger darauf, dass bislang kein entsprechender Antrag seitens des Vereins gestellt wurde. „Allerdings stellt sich zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht die Frage, ob sich die Stadt zu einem Zuschuss durchringen kann“. Vielmehr gehe es darum, welche Planungssicherheit der Verein benötigt, um selbst planerisch und baulich tätig werden zu können. „Wenn im Zuge dieser Planungen ein konkreter Antrag auf Zuschüsse bei der Stadt gestellt werden sollte, wird die Stadt dies dann zu gegebener Zeit prüfen und gegebenenfalls entscheiden.“


Der Verein

Die Freebikers haben derzeit rund 160 Mitglieder, die aus Weinstadt und Umgebung kommen. Davon sind 80 aktive Fahrer, die meisten von ihnen sind zwischen fünf und 16 Jahre alt.

Vier Trainer gibt es im Moment im Verein, drei davon haben bereits den Trainerschein, der vierte erwirbt ihn gerade. Wer Interesse hat, kann unter www.freebikers-weinstadt.de Kontakt zum Verein aufnehmen.

Möglich ist es auch, sich einfach mal ein Training anzusehen. Das findet im Sommer immer am Dienstag und Donnerstag von 17.30 Uhr bis 19 Uhr im Bikepark am Großheppacher Ortsrand (Heuweg) statt.