Waiblingen

Energiekrise: Was Waiblingen für Schulen, Hallen und das Rathaus plant

Thermostat
Heizung mit digitalem Thermostat. © Gabriel Habermann

Stadtwerke-Chef Frank Schöller spricht von „nationalem Notstand“: Das Gas wird knapp, die Energiepreise erreichen nie geahnte Höhen. Sparen heißt das Gebot der Stunde – und es wird wohl umso dringlicher werden, wenn die Hitzewelle vorbei ist und die kalte Jahreszeit naht. In den Waiblinger Bädern haben Stadt und Stadtwerke die Temperaturen schon im Frühjahr gesenkt. Für Schulen, Turnhallen und öffentliche Einrichtungen gilt, sobald es kälter wird: Die Einhaltung der Raumtemperaturen gemäß DIN wird durchgesetzt. In Büros und Klassenzimmern soll auf nicht mehr als 20 Grad geheizt werden. Von dieser Regel gab es bisher immer wieder Ausnahmen - vor allem auf Wunsch von Schulen.

Die Schließung von Bädern versucht Waiblingen Stand heute zwar zu vermeiden – und betont ihre wichtige Rolle für Schulen und Vereine. Oberbürgermeister Sebastian Wolf weist aber auch darauf hin, dass aufgrund der großen Unsicherheit, wie sich die Situation auf dem Energiemarkt weiter entwickelt, derzeit keine Option langfristig ausgeschlossen werden könne. Bevor Bäder ganz geschlossen würden, seien jedoch andere Optionen zu prüfen: die Einschränkung von Öffnungszeiten und die Schließung der Hallenbäder während der Freibadsaison. Im Winnender Wunnebad ist Letzteres bereits geschehen.

Bäder-Schließungen? „Keine Maßnahme ausschließen“

Nachdem Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck Ende März 2022 wegen der Gasknappheit die Frühwarnstufe ausgerufen hatte, reagierten Stadt und Stadtwerke prompt, indem sie z. B. Warmbadetage abschafften. Außerdem wurde das Außenbecken beim Hallenbad Waiblingen geschlossen, die Wassertemperatur auf die empfohlenen Werte gesenkt. Aktuell sind die Sportbecken der Hallenbäder Waiblingen, Neustadt und Hegnach auf 26 Grad temperiert. Im Lehrschwimmbecken Waiblingen liegt der Wert bei 29,5 Grad Celsius, in Bittenfeld bei 30. Für die Freibäder gilt eine Mindesttemperatur von 20 Grad.

Die Einschränkungen wurden – vorsichtig ausgedrückt – zurückhaltend kommuniziert. Trotzdem oder gerade deswegen regte sich Unmut bei Vereinen und bei Eltern von Kindern, die Schwimmkurse besuchten. Sparzwang hier, das berechtigte Interesse an der Nutzung der Bäder da – ein Dilemma. Durch die Maßnahmen sei der Energiebedarf wesentlich reduziert worden, während die Nachteile für die Bäderbesucherinnen und -besucher minimal gehalten würden – so erklärt die Stadt den Kompromiss. Den unterschiedlichen Zielsetzungen, die sich durch den Mangel an Fachkräften noch verstärken, versuchten Stadtwerke und Stadt nachzukommen. Die Stadtwerke Waiblingen GmbH sind zu 100 Prozent eine Tochtergesellschaft der Stadt Waiblingen.

Wärmehallen sind derzeit nicht geplant

Im Landkreis Ludwigsburg werden für den Krisenfall bereits Wärmehallen für Bedürftige geplant. Bei der Stadt Waiblingen gibt es derartige Überlegungen derzeit noch nicht. Doch angesichts der zu befürchtenden Dramatik stellt sich die Frage, inwiefern Bäder nicht Luxus sind. „Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist der Betrieb von Bädern bereits bisher ein Luxus“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Bäder könnten in aller Regel nicht kostendeckend betrieben werden. Den Luxus dieser Sport- und Freizeiteinrichtungen hätten die Stadtwerke den Bürgerinnen und Bürgern bisher „ganzjährig und für sehr moderate Eintrittspreise gerne offeriert“. Aber, wie eingangs erwähnt, soll langfristig keine Maßnahme ausgeschlossen werden.

Wegen der sich zuspitzenden Lage auf dem Energiesektor hat Rathauschef Sebastian Wolf einen verwaltungsinternen Krisenstab einberufen, der an weiteren Konzepten arbeitet. Neben dem OB gehören Erster Bürgermeister Ian Schölzel, Baubürgermeister Dieter Schienmann, die Fachbereichsleitung Büro Oberbürgermeister (Öffentlichkeitsarbeit), der Feuerwehr-Kommandant sowie die Fachbereichsleitungen Personal und Organisation (Innerer Dienst) und Bürgerdienste (Ordnungsamt) an. Je nach Thema kommen Bauverständige oder Energie-Experten der Stadtwerke hinzu.

Maximal 17 Grad beim Sportunterricht

Ein Thema sind die Raumtemperaturen. Die DIN-Richtlinie, die während der nächsten Heizperiode eingehalten werden soll, sieht für Rathausbüros, Schulen, Stadtbücherei und Ausstellungsräume wie die Galerie Stihl 20 Grad vor – zu Nutzungsbeginn dürfen 19 genügen. Etwas kühler kann’s in Hallen und Gymnastikräumen werden: Beim Schulunterricht sollten es 17 Grad sein, bei außerschulischer Nutzung genügen laut DIN-Richtlinie 15 Grad. Alle Heizungsanlagen sollen danach überprüft werden, ob sich die Vorlauftemperatur optimieren lässt. Im Rathaus könne in den Bereichen, in denen das Aufgabengebiet es zulässt, wieder verstärkt im Home-Office gearbeitet werden.

Beim European Energy Award, einer Art Energiesparwettberb europäischer Städte und Gemeinden, gehört Waiblingen zu den Kommunen, die das Abzeichen in Gold tragen. Bei der nächsten Runde tritt die Stadt erneut an. Denn: Unabhängig von den aktuellen Krisen sei die Suche nach Einsparmöglichkeiten beim Verbrauch eine Daueraufgabe. In diesem Sinne wurden beispielsweise die Leuchtmittel nahezu komplett auf LED-Technik umgestellt, nicht zuletzt bei der Straßenbeleuchtung.

Notfallplan Gas

Neben den städtischen Sparmaßnahmen sieht der Notfallplan Gas des Bundes härtere Instrumente zur Energiebewirtschaftung vor. Danach kann es dazu kommen, dass Industriekunden ihre Gasverbräuche im Winter reduzieren müssen oder sogar abgeschaltet werden. Bei Ausrufen der Notfallstufe kann die Bundesnetzagentur entscheiden, welche Unternehmen und Einrichtungen Gas verbrauchen dürfen und welche nicht. Die Stadtwerke und die städtische Wirtschaftsförderung stünden daher im Kontakt mit den Unternehmen und informieren über politische Entwicklungen, derzeit insbesondere zu den Themen Gasnotfallplan und Energieversorgung, teilt die Verwaltung mit. Grundsätzlich seien alle Gas- und Wärmeverbraucher aufgefordert, ihren Verbrauch zu senken.

Stadtwerke-Chef Frank Schöller spricht von „nationalem Notstand“: Das Gas wird knapp, die Energiepreise erreichen nie geahnte Höhen. Sparen heißt das Gebot der Stunde – und es wird wohl umso dringlicher werden, wenn die Hitzewelle vorbei ist und die kalte Jahreszeit naht. In den Waiblinger Bädern haben Stadt und Stadtwerke die Temperaturen schon im Frühjahr gesenkt. Für Schulen, Turnhallen und öffentliche Einrichtungen gilt, sobald es kälter wird: Die Einhaltung der Raumtemperaturen gemäß

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