Waiblingen

Engpässe in der Kurzzeitpflege

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Symbolbild. © Alexander Roth
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senioren Waiblingen der Stadtseniorenrat wirbt vor der Wahl um neue Kandidaten - Portrait von Geschäftsführer Holger Sköries und
Holger Sköries. © Benjamin Büttner

Waiblingen. Altenheimen fällt es immer schwerer, geeignetes Personal zu finden. Trotzdem: Der Pflegenotstand hat Waiblingen noch nicht mit voller Wucht erreicht, sagt der städtische Seniorenreferent Holger Sköries als Kenner der Branche. Die Zahl der Betten insgesamt reicht aus – Engpässe gibt es aber in der Kurzzeitpflege.

Bezogen auf Waiblingen gibt es „im Moment“ keine Unterversorgung mit stationären Pflegebetten. „Das ist wohl mit ein Erfolg des Konzepts der Stadt, dezentral in allen Ortschaften Pflegeheime anzusiedeln“, sagt Holger Sköries, der auf 30 Jahre Erfahrung in der Altenhilfeplanung zurückblicken kann.

Was in Hohenacker, Bittenfeld und Hegnach gelang, soll in den nächsten Jahren auch in Neustadt und Beinstein verwirklicht werden. Ungeachtet des Fachkräftemangels, den alle Heime spüren – die Suche nach Personal fällt ihnen schwer. Was mindestens ebenso stark für die ambulanten Dienste gilt: Der Bedarf wäre da, aber das Angebot zu erweitern, erscheint wegen des Fachkräftemangels nicht möglich. Ist Waiblingen auskömmlich mit Betten versorgt, bereitet der Blick auf Stuttgart Kopfzerbrechen. Dort werden in den nächsten Jahren viele Plätze fehlen, mit Folgen: „Den Druck werden wir auch im Umland spüren.“

Wartezeit kann sich bis zu einem Jahr ziehen

Noch schwieriger sieht es in der Kurzzeitpflege aus. Wer sich zu Hause um einen Angehörigen kümmert und für ein paar Tage Urlaub machen will oder sich einer Operation unterziehen muss, sollte frühzeitig einen Platz für seinen Verwandten suchen: Die Wartezeit kann sich bis zu einem Jahr ziehen. Der Grund? Für Heimträger lohnt sich die Kurzzeitpflege nicht, kommt eher einem Minusgeschäft gleich. Selbst bei Kurzzeit-Aufenthalten fällt der gleiche Organisationsaufwand für Aufnahme und Anamnese an wie bei der stationären Pflege. Die wenigen Plätze werden nicht etwa vorgehalten, weil sie sich rentieren, sondern lediglich, weil der Bedarf so groß ist. Verschärft werde die Situation durch die Praxis der Krankenhäuser, Patienten in die Kurzzeitpflege zu entlassen.

Gutes Zeichen: Die Heime sind voll mit Ehrenamtlichen

Und wie sieht es mit der Qualität der Waiblinger Heime aus? Was ihm bei seinen Besuchen auffällt: „Die Häuser sind voll mit Ehrenamtlichen, das ist ein gutes Zeichen.“ Herrschten in einer Einrichtung dauerhaft Missstände, meint er, würden sich die freiwilligen Helfer zurückziehen. Nichtsdestotrotz könne es hier und dort vorkommen, dass die eine Mitarbeiterin oder der andere Mitarbeiter mit der Belastung nicht klarkomme und sich das auf die Pflege der Bewohner auswirke. Doch das liegt dann im allgemeinen Fachkräftemangel begründet und nur bedingt in der Hand des Trägers. Schwarze Schafe unter den Waiblinger Heimen sind dem Seniorenreferenten nicht bekannt. Die Größe einer Einrichtung jedenfalls sage nichts über deren Qualität aus.

Einsatz von Technik in der Pflege?

Was tun gegen den Mangel? Mehr Gehalt für die Pflegekräfte? „Mehr Geld ist zwar immer schön“, sagt Holger Sköries – ein paar 100 Euro mehr würden seiner Meinung nach aber nicht viel ändern. Viele junge Leute empfänden den Beruf schlicht als unattraktiv, etwa wegen der Arbeitszeiten und wegen des Umstands, mit Sterben und Tod konfrontiert zu sein. Zielführender könnte es sein, Pflege anders zu denken, nicht zuletzt im Hinblick auf den Einsatz von Technik, der vielfach mit Vorbehalten begegnet werde. Ein Beispiel: Erfolgreich wurden Roboter getestet, die durch ein Heim fahren und den Bewohnern etwas zu trinken anbieten. Durch die maschinelle Entlastung bei dieser Routinetätigkeit könnten Pflegerinnen und Pfleger Zeit gewinnen für wesentliche Arbeit an den Pflegebedürftigen, für menschliche Zuwendung. Mit Skepsis sieht er Bestrebungen zum Einsatz von Menschen aus fremden Kulturen: Altenarbeit sei in weiten Teilen Biografie-Arbeit. Was aber, wenn die Pflegekraft kaum Kenntnisse über die Kultur und Geschichte hat und nicht von Erzählungen ihrer Großeltern weiß, wie die heutigen Senioren in ihrer Jugend lebten?

Hoffnung setzt der Seniorenreferent in das Comeback des Berufs der Altenpflegehelfer, nachdem viele Jahre das Thema Professionalisierung im Vordergrund stand. Auch Pflegehelfer könnten qualifizierten Altenpflegerinnen den Rücken freihalten für wesentliche Arbeiten.


Personalmangel

Nach Einschätzung des Demografiebeauftragten des Landes Baden-Württemberg kommt der Pflegenotstand schon bald auf breiter Front. Bereits im Jahr 2030 würden 40 000 Pflegekräfte im Land fehlen.

Ende 2018 verkündete die Landesregierung den Entschluss, den Ausbau von Kurzzeitpflege-Einrichtungen mit 7,6 Millionen Euro zu fördern – ein erster Impuls für diesen Bereich.