Waiblingen

Erste Hilfe für den Hund

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Martin Maier legt Hundedame Chilli einen Verband an – dank Tamara Köble (hinten) und Ursula Schumacher nimmt sie es gelassen. © Habermann / ZVW
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Ilona Steichele zeigt das Reanimieren beim Hund. © Gabriel Habermann
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Martin Maier und Ursula Schumacher vom DRK Kernen leisten Erste Hilfe nach einem Verkehrsunfall. © Gabriel Habermann

Kernen. Reanimation, Verbandstechnik, stabile Seitenlage: In Erste-Hilfe-Kursen lernen wir, anderen zu helfen, zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall. Doch was, wenn der beste Freund des Menschen in eine Notsituation gerät? Auch dann ist schnelles Handeln gefragt. Das Deutsche Rote Kreuz Kernen bietet deshalb zweimal jährlich einen Erste-Hilfe-Kurs für Hundebesitzer an.

„Im Grunde ist es nichts anderes als bei der Ersten Hilfe für Menschen auch“, sagt Ilona Steichele vom DRK Kernen. Das zeigt sich schon beim Reanimieren des Hundes: Der Hund liegt auf der rechten Seite, da das Herz auf der linken Seite in Höhe des Ellenbogens sitzt. Das Maul wird zugehalten, beatmet wird durch die Nase. „Man sollte im Wechsel etwa 20-mal drücken und zweimal in die Nase pusten. Wenn sich der Brustkorb hebt und senkt, geht Luft rein“, erläutert Ilona Steichele. Eine weitere, wichtige Erste-Hilfe-Maßnahme ist das Anlegen von Verbänden. Bei Verletzungen an den Pfoten, am Ballen oder an den Klauen ist es hilfreich, zunächst Verbandswatte zu benutzen. „Der Hund schwitzt an den Pfoten und ohne die Watte würden sonst durch Schweiß und Reibung Entzündungen entstehen“, sagt Ilona Steichele. Wer vermeiden möchte, dass Dreck in den Verband kommt oder der Hund an der Wunde leckt, kann zusätzlich einen Schutzverband (siehe Bild) anlegen. Auch Desinfektionsmittel darf bei Hunden verwendet werden.

Die stabile Seitenlage funktioniert auch bei Hunden

Verliert der Hund das Bewusstsein, hilft, wie beim Menschen auch, die stabile Seitenlage. Der Hund wird auf die Seite gelegt, der Kopf etwas überstreckt und die Zunge aus dem Maul gelegt, damit er nicht ersticken kann. „Das Bewusstsein erlangt er dann wieder von selbst“, sagt Ilona Steichele. Um den Wärmehaushalt des Tieres zu erhalten, sollte nicht unbedingt zu der allgemein bekannten, goldenen Isolierfolie gegriffen werden. „Eine Jacke oder Decke wäre besser, da die Folie sehr laut knistert und Hunde wesentlich besser hören als wir Menschen“, rät Ilona Steichele.

Bei Stichen kontrollieren, ob der Stachel noch steckt

Ein sehr häufiges Thema in den Erste-Hilfe-Kursen sind Insektenstiche – meist von Bienen oder Wespen. Allgemein gilt zuerst zu kontrollieren, ob der Stachel noch steckt. Wurde der Hund außen am Körper gestochen, hilft es, die Stelle zu kühlen. Wurde das Tier in die Schnauze oder sogar im Maul gestochen, wird es schon gefährlicher. Reagiert der Hund allergisch, kann es schnell zu Schwellungen kommen und die Atemwege werden blockiert. Dann wird es höchste Zeit für den Tierarzt.

Bei Überhitzung: Allgemeinzustand beobachten und Wasser bereitstellen

Gerade im Sommer spielt auch das Thema Überhitzung eine große Rolle. In dem Fall sollte der Hund direkt in den Schatten gebracht werden. „Wichtig ist, den Allgemeinzustand des Hundes zu beobachten und Wasser bereitzustellen“, sagt Ilona Steichele. Mit feuchten Tüchern oder Wasser kann zusätzlich gekühlt werden. „Es sollte allerdings langsam von den Beinen aufwärts gekühlt werden, da es sonst zu einem Kreislaufzusammenbruch kommen kann“, sagt Ilona Steichele.

Gewöhnungsübungen von Anfang an durchführen

Bei Verkehrsunfällen ist es zunächst wichtig, sich selbst und die Unfallstelle abzusichern. Dann wird geschaut, ob dem Hund etwas passiert ist – doch Vorsicht, die Reaktion des Tieres ist nicht vorhersehbar. In jedem Fall sollten die Polizei und gegebenenfalls die Tierrettung gerufen werden.

Generell ist es ratsam, „von Anfang an mit dem Hund Gewöhnungsübungen durchzuführen und ihn immer mal wieder zu untersuchen“, sagt Martin Maier vom DRK Kernen. Einerseits hilft das, Veränderungen am Hund zu erkennen, und andererseits gewöhnt er sich an die Berührungen und reagiert im Fall einer Erste-Hilfe-Maßnahme gelassener.


Wichtige Hinweise

Wer einen zurückgelassenen Hund in einem überhitzten Auto entdeckt, sollte die Polizei rufen – und darf im Notfall die Scheibe des Wagens einschlagen.

Liegt eine Vergiftung nahe, können sich Hundebesitzer Tipps bei einer Giftinformationszentrale () 07 61/1 92 40) holen. Hat der Hund etwas Scharfkantiges verschluckt, hilft Sauerkraut, das sich im Magen um den Fremdkörper wickelt. Im Zweifel gilt aber: lieber einmal mehr zum Tierarzt.

Der nächste Erste-Hilfe-Kurs für Hundeliebhaber des DRK Kernen findet am Freitag, 9. November, von 18 Uhr an statt. Die Teilnahme kostet 35 Euro. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.drk-kernen.de.