Waiblingen

Erstes Instrument an der Musikschule - Lehrer sagen, was für Kinder gut ist

Musikschule
Prävention gegen Haltungsschäden: Musikschullehrer Benjamin Gerny macht mit seinem Posaunen-Schüler Oliver (14 Jahre) Gleichgewichtsübungen. © ZVW/Alexandra Palmizi

Bloß keine Blockflöte, lieber gleich ein „richtiges Instrument“: Wenn Eltern ihre Kinder bei der Musikschule Unteres Remstal fürs erste Instrument anmelden, haben sie teilweise schon ziemlich hohe Erwartungen. Musikschulleiter Heiko von Roth und seine Lehrer müssen dann erst mal aufklären, was dem Kind guttut – und was nicht.

Mit fünf Jahren mit der Querflöte anzufangen ist zum Beispiel in der Regel der falsche Weg. „Für eine Fünfjährige ist das tägliche Üben kein Selbstläufer“, sagt Diplom-Musikpädagogin Sabrina Buck. Wer ein Instrument zu früh beginne, erlebe Frust – und kann die Freude verlieren. Überhaupt gibt es viele Faktoren, welche bei der Frage entscheidend sind, ab wann ein Instrument zu einem Kind passt – sei es die eigene Körpergröße, das Gewicht eines Instruments oder das Lernverhalten. Dazu soll an der Musikschule Unteres Remstal künftig auch intensiver als früher darauf geachtet werden, dass die Kinder erfahren, wie sie langfristig fatale Fehlhaltungen vermeiden, sich mit Übungen zwischendurch auflockern und mit dem Thema Lampenfieber bei Auftritten gut umgehen.

„Gesunde Musikschule“: Drei Lehrkräfte nahmen an einer Fortbildung teil

Dazu haben drei Lehrer der Musikschule innerhalb eines Jahres an fünf verlängerten Wochenenden auf Schloss Kapfenburg im Ostalbkreis eine Fortbildung absolviert. Die Instrumentallehrer Anne Braun (Klavier), Benjamin Gerny (Posaune, Tenorhorn, Euphonium, Tuba) und Sabrina Buck (Trompete) sollten hier lernen, was eine gesunde Musikschule ausmacht. Die Musikschule strebt nämlich eine Zertifizierung als „Gesunde Musikschule“ an, dabei soll das Konzept am Sonntag, 19. März 2023, im Bürgerzentrum Waiblingen ausführlich vorgestellt werden, eingebettet in ein Ensemblekonzert. Vorab findet noch ein interner Grundlagenkurs fürs Lehrerkollegium statt. Die Idee hinter allem ist, dass die Musikschüler und natürlich auch die Lehrer selbst bis ins hohe Alter hinein so beschwerdefrei wie möglich mit Ausdauer musizieren können.

Eltern suchen am Anfang zwei, drei Instrumente aus, die ausprobiert werden

Damit die Kinder von Beginn an eine Freude haben, gibt es bei der Erstanmeldung an der Musikschule Unteres Remstal erst mal das sogenannte Instrumentenkarussell. Früher existierte hier ein fester Fahrplan, welche Instrumente ausprobiert werden sollen. Jetzt, sagt Musikschulleiter Heiko von Roth, lässt man die Kunden bestimmen. Zwei, drei Instrumente können die Eltern nun aussuchen, welche ihre Kinder dann in den folgenden Wochen ausprobieren. Dabei achten die Lehrkräfte darauf, wie das Kind mit seinen körperlichen Voraussetzungen zurechtkommt. Nicht selten gehen Eltern davon aus, dass ihr Kind mit einem alten Instrument, das sich im Eigentum der Familie befindet, doch wunderbar üben kann. Doch oft sehen die Lehrer in diesen Fällen schnell, dass das Kind eben etwas anderes braucht, nämlich ein kindgerechtes Instrument. Neu kaufen muss aber niemand: Die Musikschule hat verschiedene Instrumente zum Mieten im Angebot. Die monatliche Gebühr dafür beträgt in der Regel zwischen 15 und 20 Euro.

Klarinetten mit kindgerechter Mechanik

Den Unterschied zu einem kindgerechten Instrument können die Lehrer den Eltern auch vor Ort bei einem Vergleich deutlich machen. So gibt es zum Beispiel Klarinetten, die eine kindgerechte Mechanik haben – und die laut Heiko von Roth keineswegs klanglich minderwertig seien. „Das sind vollwertige Instrumente.“

Auch Instrumente aus ABS-Kunststoff sind nach Angaben des Musikschulleiters gut für den Einstieg geeignet. Früher seien diese belächelt worden, „das ist heutzutage anders“. Rund die Hälfte des Gewichts lässt sich so einsparen, für die Kinder kann das eine unglaubliche Erleichterung sein, die das Erlernen eines Instruments fördert. Bei manchen Instrumenten empfiehlt sich auch erst mal der Umweg über ein anderes.

Wer irgendwann Trompete spielen will, der kann laut Heiko von Roth auch erst mal mit dem Kornett einsteigen. Dieses ist deutlich kompakter gebaut, ergo leichter für den Einstieg. Die Musikschule Unteres Remstal hat einige Kornette aus Kunststoff unter ihren Mietinstrumenten, ebenso wie Posaunen.

Tag der offenen Tür am Samstag, 28. Januar, von 10 bis 12 Uhr in Waiblingen

Ein Problem sind nach Erfahrung der Musikschullehrer auch immer wieder die idealisierten Vorstellungen, wie ein Instrument zu klingen hat. Bei Anfängern dürfen Eltern nicht gleich zu viel erwarten. „Das braucht viel Geduld“, sagt Sabrina Buck. Eltern, die ihr Kind bald zum ersten Mal anmelden wollen, können auch den Tag der offenen Tür an der Musikschule Unteres Remstal am Standort in der Christofstraße 21 in Waiblingen nutzen. Dieser findet am Samstag, 28. Januar, von 10 bis 12 Uhr statt, mit vielen Instrumenten vor Ort. Nicht verkehrt ist es auch aus Sicht von Heiko von Roth, zum Einstieg für die Kinder erst mal die musikalische Früherziehung zu nutzen.

Obwohl viele Erwachsene eine schlechte Meinung von Blockflöten haben, kann Lehrerin Sabrina Buck die Instrumente für den Einstieg weiterempfehlen. „Auf der Blockflöte kann man schnell mit Erfolgserlebnis Melodien spielen.“ Und wenn Musikschulleiter Heiko von Roth etwa an die aus Israel stammende Blockflötenspielerin Tali Rubinstein denkt, dann ist für ihn klar, dass das Instrument zu Unrecht schlecht dasteht.

Bloß keine Blockflöte, lieber gleich ein „richtiges Instrument“: Wenn Eltern ihre Kinder bei der Musikschule Unteres Remstal fürs erste Instrument anmelden, haben sie teilweise schon ziemlich hohe Erwartungen. Musikschulleiter Heiko von Roth und seine Lehrer müssen dann erst mal aufklären, was dem Kind guttut – und was nicht.

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Mit fünf Jahren mit der Querflöte anzufangen ist zum Beispiel in der Regel der falsche Weg. „Für eine Fünfjährige ist das tägliche Üben kein

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