Waiblingen

Falsche-Polizisten-Masche greift um sich

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Betrüger, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben, wollen älteren Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. © Ralph Steinemann

Waiblingen. Die Polizei warnt erneut vor Betrügern, die sich am Telefon als Polizeibeamte ausgeben. Bevorzugt nehmen die Ganoven ältere Menschen ins Visier. Sie sollen zur Sicherheit Geld und Wertgegenstände an Kuriere übergeben, heißt es dann. In einem Fall hat ein Gauner einem 73-Jährigen in Fellbach gedroht, er werde verhaftet, wenn er nicht spure.

Es ist erst gut eine Woche her, als die Polizei von mehreren Fällen im Rems-Murr-Kreis berichtete. Zeitgleich meldeten Präsidien aus Stuttgart und anderen umliegenden Landkreisen dubiose Anrufe dieser Art (wir haben ausführlich berichtet). Und jetzt schon wieder. Angebliche Polizisten haben demnach vergangene Woche mehrere zumeist ältere Menschen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen angerufen und aufgefordert, Geld und Wertsachen einem Kurier zu übergeben. Besonders schillernd klingt dieser Fall aus Fellbach: Ein 73-jähriger Mann erhielt gleich mehrere Anrufe. Ein angeblicher Polizeioberkommissar „Berger“ forderte den Senior auf, einen fünfstelligen Betrag in die Türkei zu schicken. Später sollte der Betrag überwiesen werden. Als sich der Mann wiederholt weigerte, den Anweisungen zu folgen, übte der Anrufer Druck aus, berichtet die echte Polizei. Er drohte, der Senior werde verhaftet. Bei den Gesprächen war auch die Rede von angeblichen Polizisten namens „Schmidtlein“, von einem Staatsanwalt beziehungsweise Richter „Stein“ sowie einem Oberstaatsanwalt „Schwarz“. Dies beeindruckte den 73-Jährigen allerdings nicht. Er ließ sich nicht einschüchtern und handelte genau richtig: Er rief die Polizei. Diese geht von rund zehn ähnlichen Anrufen im Rems-Murr-Kreis und im Ostalbkreis aus. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an.

Im Zweifel sind die Anrufe nicht zurückzuverfolgen

Ende Januar schätzte ein Polizeisprecher auf Nachfrage die Chancen, der Betrüger habhaft zu werden, als gering ein. Ein Grund ist, dass die Anrufe im Zweifel nicht zurückzuverfolgen sind. Es ist technisch sehr leicht möglich, eine falsche Nummer aufs Display des Angerufenen zu spielen. Dort erscheint dann zum Beispiel die Ortsvorwahl und die 110 oder die korrekte Nummer der örtlichen Polizeidienststelle. Trotzdem rät die Polizei, in jedem Fall die angezeigte Telefonnummer zu notieren.

Die echte Polizei fragt nicht am Telefon nach Vermögensgegenständen. Eine beliebte Behauptung der Gauner ist, sie hätten bei Einbrechern Namenslisten gefunden und müssten nun Wertgegenstände in Sicherheit bringen. Auf solch eine abstruse Idee käme die wirkliche Polizei ganz sicher nicht – und doch gelingt es Betrügern immer wieder, ihr Anliegen so glaubhaft und geschickt vorzutragen, dass arglose Bürger darauf hereinfallen und tatsächlich Unbekannten an der Haustür Geld und Schmuck oder die ec-Karte übergeben.

Noch während dem Anruf wurden die Sachen abgeholt

Zwei Aalenerinnern im Alter von 68 und 82 Jahren gingen einem angeblichen „Hauptkommissar Hildebrandt“ und im anderen Fall einem Herrn „Hildebrandt Stein“ auf den Leim. Der Anrufer behauptete, eine Diebesbande sei dingfest gemacht worden und es sei eine Liste aufgetaucht, auf der auch die Adressen der beiden Damen vermerkt seien. Die Polizei werde nun Gegenstände sichern und die ec-Karten der Seniorinnen sperren. Noch während des Anrufs holte ein Unbekannter die Sachen ab. Am Telefon behauptete der Betrüger, die beiden Damen könnten ihren Besitz am nächsten Tag beim Polizeipräsidium in Aalen abholen.

Polizei mahnt zu besonderer Vorsicht

Nur kurze Zeit später wurde von zwei Konten der 68-Jährigen ein größerer Bargeldbetrag abgehoben; eine weitere Auszahlung an einem Geldautomaten scheiterte. Außerdem erbeuteten die Täter den Schmuck beider Damen. Der Mann, der die Taschen an der Wohnungstüre übernahm, wurde als Herr Schwarz angekündigt. Er ist laut Polizei circa 30 bis 40 Jahre alt und circa 1,70 Meter groß. Er sprach hochdeutsch. Der 68-Jährigen gegenüber erklärte er, dass sie das Telefon nicht benützen dürfe, da es eventuell von der Diebesbande abgehört würde und die Frau die polizeilichen Ermittlungen nicht gefährden dürfe. An diese Anweisung hielt sich die Frau dann doch nicht – und erstattete Anzeige. Auch die 82-Jährige verständigte, nachdem ihr die ganze Sache dann doch seltsam vorkam, das Polizeirevier Aalen.

Dies sind keine Einzelfälle, im Gegenteil. „Derzeit scheint diese Masche bei Betrügern vermehrt Anwendung zu finden“, warnt die Polizei – und mahnt zu besonderer Vorsicht.

Anrufe von Betrügern: Das rät die Polizei

Besteht der Verdacht, dass ein falscher Polizist anruft, rät die Polizei zu diesen Verhaltensweisen:

  1. Geben Sie niemals Unbekannten am Telefon Auskünfte über Vermögenswerte.
  2. Übergeben Sie niemals Wertgegenstände oder Bargeld an Unbekannte oder verschicken diese Dinge an unbekannte Empfänger. Echte Polizeibeamte würden niemals derartige Gegenstände telefonisch abfragen oder an der Haustüre abholen.
  3. Lassen Sie sich am Telefon nicht einschüchtern und überweisen Sie kein Geld.
  4. Lassen Sie sich nicht von angezeigten Telefonnummern täuschen. Bei dieser Betrugsmasche werden oftmals über einen Internetdienst Fantasienummern generiert, die bei den Opfern den Anschein erwecken sollen, dass die echte Polizei anrufe.
  5. Notieren Sie die angezeigte Telefonnummer. Im Verdachtsfall rufen Sie die örtliche Polizeidienststelle oder die 110 zurück.