Waiblingen

Falsche Polizisten nehmen Ältere aus

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Betrüger erzählen Senioren am Telefon dreiste Lügen – und manchmal gelingt es ihnen, sie um viel Geld zu bringen. © HighwayStarz / Fotolia

Waiblingen. Sie geben sich als Polizisten aus – und bringen ihre zumeist älteren Opfer um deren Ersparnisse. Dreist behaupten die Ganoven, ein Einbruch drohe oder die Polizei müsse die Bargeldbestände überprüfen. Hin und wieder fallen Senioren auf den Trick herein. Meistens bleiben die Betrüger unerkannt.

„Ich hab einen Schock gekriegt!“, sagt eine 78-jährige Frau aus Welzheim, die am Montag dieser Woche einen höchst verdächtigen Anruf entgegennahm. „Der hat sich als Kriminalbeamter gemeldet“, erzählt die Frau. Der Mann habe etwas von zwei Jugendlichen gefaselt, die mit Diebeswerkzeug erwischt worden seien. Nun würden Zeugen gesucht. Die Seniorin wurde stutzig, weil die Nummer des Anrufers unterdrückt war. „Sie sind doch ein falscher Polizist!“, schleuderte sie dem Anrufer beherzt entgegen - und legte auf.

Anrufe von angeblichen Polizeibeamten

Das war genau die richtige Reaktion. Zumal die Frau anschließend schnurstracks zur Polizei ging.

Betrüger erzählen beispielsweise, sie hätten bei Einbrechern eine Namensliste gefunden – und der Senior stehe auch drauf. Er solle Geld und Wertsachen zusammenpacken, die Polizei werde demnächst vorbeikommen und die Sachen zum Schutz des Seniors in Verwahrung nehmen.

Am Mittwochabend ist ein Anruf dieser Art bei einer Anwohnerin der Schwenninger Straße in Backnang eingegangen. Der Anrufer sagte, er sei Polizist, und informierte die Frau über einen Einbruch in Heiningen. Er riet, das Barvermögen gut im Haus zu verstecken. Zu weiteren Lügen kam es nicht, weil die Frau auflegte.

Polizeisprecher Biehlmaier rät, bei einem Anruf dieser Art die Nummer abzuschreiben

Ebenfalls am Mittwoch haben Betrüger auch in Stuttgart und in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen versucht, ältere Menschen um Geld und Wertsachen zu bringen. Anwohner aus Asperg, Bietigheim-Bissingen, Marbach am Neckar, Gerlingen, Sindelfingen, Rutesheim und Aidlingen meldeten Anrufe von angeblichen Polizeibeamten.

Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier rät, bei einem Anruf dieser Art die Nummer abzuschreiben. Allerdings ist es technisch sehr einfach, eine falsche Nummer aufs Display des Angerufenen zu spielen. Betrüger richten es zuweilen so ein, dass die richtige Ortsvorwahl und danach die 110 erscheint. Oder gar die korrekte Nummer der örtlichen Polizeidienststelle. Auf diese Weise gelingt es, das Vertrauen des Betrugsopfers zu erschleichen.

Hin und wieder gelingt es, die Täter zu schnappen

Die Polizei erfährt von Anrufen dieser Art deutlich häufiger als noch vor Jahren, bestätigt Rudolf Biehlmaier. Er schätzt die Chancen, der Betrüger habhaft zu werden, als gering ein. Hin und wieder gelingt es doch: Ende Dezember 2016 hat ein wachsamer Rentner die Polizei in Stuttgart auf die Spur dreier Tatverdächtiger gebracht. Ein Anrufer hatte den 77-Jährigen am Telefon nach Seriennummern von Geldscheinen gefragt. Der Mann rief die Polizei. Beim nächsten Anruf vereinbarte der Senior zum Schein mit den Ganoven einen Termin zwecks Geldübergabe. Zivilbeamte nahmen einen 30-Jährigen, dessen 28-jährigen Komplizen und einen 39-Jährigen fest.

Nicht immer reagieren die Opfer so umsichtig. Vor wenigen Wochen hat ein 72-Jähriger in Feuerbach einem angeblichen Polizisten mehrere Tausend Euro übergeben. Einer 84-jährigen Frau erzählte ein Krimineller in Stuttgart, ihr sei Falschgeld untergejubelt worden. Mehrere Tausend Euro hat der Gauner der Frau abgeluchst.

Vornamen könnten Hinweise auf das Alter des Opfers geben

Einen weitaus höheren Betrag – 20 000 Euro – hätte eine 74-Jährige in Stuttgart beinahe eingebüßt, wenn eine Bankangestellte nicht Verdacht geschöpft und die Polizei alarmiert hätte. Die ältere Dame hatte das Geld abheben wollen, weil ihr ein falscher Polizist am Telefon erzählt hatte, Einbrecher hätten Zugriff auf ihr Bankkonto.

Vermutlich wählen die Betrüger ihre Opfer schlicht im Telefonbuch aus. Vornamen könnten Hinweise auf das Alter des Opfers geben. Die 78-Jährige aus Welzheim wunderte sich jedenfalls, als der angebliche Kriminalbeamte sie mit vollem Namen ansprach und ihre Adresse nannte. „Ich hab vor dem keine Angst gehabt“, versichert die Frau – und fragt sich, „was passiert, wenn jemand dement ist?“

Stimme einprägen und Notizen machen

Die echte Polizei wird niemals bei Bürgern Vermögensauskünfte einholen – „in keinem Fall“, betont Rudolf Biehlmaier. Fragt ein Unbekannter am Telefon nach Wertgegenständen oder dergleichen, „dann müssen alle Alarmglocken läuten“. Die richtige Reaktion: Merkmale der Stimme einprägen und sich dazu Notizen machen, die Nummer vom Display abschreiben, „sich auf nichts einlassen, nichts preisgeben“. Auflegen - und die Polizei informieren. Die echte.

Tipps des Landeskriminalamts

Das Landeskriminalamt hat eine Reihe von Tipps veröffentlicht für Bürger, die es mit einem verdächtigen Anruf eines angeblichen Polizeibeamten zu tun haben:

  • Die Polizei fragt Sie nicht am Telefon nach Wertgegenständen, ohne dass Sie zuvor eine Anzeige erstattet haben. Geben Sie daher am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.
  • Bewahren Sie Ruhe und gehen Sie nicht auf derartige Forderungen ein.
  • Die Polizei ruft Sie nicht unter der Notruf-Nummer 110 an.
  • Rufen Sie die 110 (ohne Vorwahl) oder Ihre örtliche Polizeidienststelle an. Nutzen sie hierzu nicht die Rückruffunktion, da Sie ansonsten wieder bei den Tätern landen.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder anderen Personen, denen Sie vertrauen.
  • Notieren Sie sich (wenn vorhanden) die auf Ihrem Telefon angezeigte Nummer des Anrufers.
  • Prägen Sie sich möglichst Stimme und sprachliche Besonderheiten des Anrufers ein.
  • Erstatten Sie Strafanzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle, falls Sie Opfer eines solchen Betruges geworden sind.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen.