Waiblingen

Feinstaub aus dem Holzofen

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So gemütlich kann nur ein Holzfeuer sein. Aus Umweltgründen empfiehlt sich ein neues, schadstoffarmes Modell. © Patrizia Tilly/ Fotolia
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Falk Nienaber. © Kölbl / ZVW

Waiblingen. Ist vom Feinstaub die Rede, geht es meistens um den Straßenverkehr. Doch einen beträchtlichen Beitrag zur Luftverschmutzung leisten Holzöfen in privaten Haushalten. Eine Ausstellung in Hegnach und Bittenfeld informiert über Vorteile und Risiken des Heizens mit Holz. Ganz entscheidend ist die richtige Wahl des Ofens.

Knackendes Feuer im Kaminofen – für viele Hausbesitzer der Inbegriff von Gemütlichkeit. In Sachen Emotion sticht der Brennstoff Holz sowieso alle anderen aus. Ein Naturprodukt, das sich schön anfühlt, duftet und bodenständig wirkt. Wer es hackt und stapelt, eignet es sich an und steckt ein Stück von sich hinein wie ein Handwerker in seine Arbeit.

Falk Nienaber, seit 30 Jahren Schornsteinfegermeister aus Leidenschaft, weiß um die Faszination: „Es soll Leute geben, die ihre Holzscheite mit Namen ansprechen“, witzelt er beim Vortrag zur Ausstellung im Hegnacher Rathaus. „Und anders als an den Holzstapel beim Haus fasst niemand mal eben in den Heizöltank, weil es sich so schön anfühlt.“ Für die Wirkung der privaten Romantik auf die Luft findet Falk Nienaber aber klare Worte: „Bei Feinstaub-Alarm sollte niemand ein Holzfeuer machen.“

Auf Schadstoffangaben der Hersteller ist kein Verlass

Bei unsachgemäßer Bedienung eines Holzofens erhöhe sich der Schadstoffausstoß um 50, oft sogar um 100 Prozent. Und die sachgemäße Bedienung verlangt dem Nutzer einige Kenntnisse ab. Das fängt an bei Qualität. Nur naturbelassenes, stückiges Holz darf in den Ofen, die Feuchtigkeit darf 20 Prozent nicht übersteigen.

Falk Nienaber führt vor, wie sich die Trockenheit testen lässt. Etwas Spülmittel auf ein Ende des Holzscheits, dann vom anderen Ende kräftig durchpusten. Beginnt das Spülmittel zu schäumen, sind die Kapillaren frei und das Holz trocken. Bis es diesen Zustand erreicht, hat es zwei oder drei Jahre trocken und luftig gelagert.

Physikalisch unsinnig

Ein Scheit kommt mit der offenen Fläche nach oben auf den möglichst kleinen Rost, darüber hat der Ofen Raum fürs Feuer. Öfen im breiten TV-Format werden zwar angeboten, sind physikalisch aber unsinnig. Geruch ist ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt.

Die Schadstoffangaben der Hersteller spiegeln aus Sicht des Schornsteinfegermeisters nicht die Realität wider, die abhängig von Wind und Handhabung ständig schwankende Werte hervorbringt. Ähnlich verhält es sich mit Messungen durch Schornsteinfeger: Es sind Momentaufnahmen.

Klimaschonendes Heizen mit Holz – ein Mythos?

Den klassischen Kaminofen in verdichteten Wohngebieten sieht Falk Nienaber sehr skeptisch – und nennt Alternativen. Holzbriketts und Pellets sind extrem trocken und eignen sich gut für den Hausgebrauch. Moderne, schadstoffarme Öfen können den Beitrag zur Feinstaub-Belastung drastisch senken.

Heizen mit Holz ist laut der aktuellen Wanderausstellung der Deutschen Umwelthilfe in Wohngebieten denn auch nur mit schadstoffarmen Öfen sinnvoll. Die kleine Ausstellung, die im Grunde nur aus einigen Infotafeln besteht, widerspricht überdies der gängigen Ansicht, Holzheizungen seien klimaneutral. Denn Rußpartikel absorbierten Sonnenlicht und wärmten ihre Umgebung auf. Kurzum, sie trügen zur globalen Erwärmung bei.

„Wir wollen das Thema wertfrei von unterschiedlichen Seiten beleuchten"

Die Holzfeuerung in privaten Kleinanlagen trägt überproportional zur Feinstaubbelastung bei. Laut der Deutschen Umwelthilfe kann die Konzentration in Wohngebieten eine ähnliche Größenordnung erreichen wie an stark frequentierten Straßen. „Wir wollen das Thema wertfrei von unterschiedlichen Seiten beleuchten und die Fakten sprechen lassen“, sagte Ortsvorsteher Markus Motschenbacher bei der Eröffnung in Hegnach. Die Botschaft ist klar: Falsche Bedienung und veraltete Ofentechnik verschärfen das Problem. Hersteller und Betreiber von Holzfeuerungen sind gefordert, die Immissionen aus Holzheizungen zu minimieren.

Die kleine Ausstellung der Deutschen Umwelthilfe und des EU-Projekts „Clean Heat“ ist am Dienstag, 28. März, noch bis 12.30 Uhr im Hegnacher Rathaus zu sehen. Am Mittwoch wird sie im Bittenfelder Rathaus eröffnet und ist dort bis 10. April zu sehen. Öffnungszeiten: montags, dienstags und freitags 8.30 bis 12.30 Uhr und donnerstags 14.30 bis 18.30 Uhr. Zur Eröffnung um 19 Uhr spricht Energieberater Jürgen Menzel über umweltfreundliches Heizen. Am 6. April wird eine kostenlose Beratung angeboten (Anmeldung über das Rathaus).

Sieben Tipps

  1. Während ein typischer Kaminofen bei normalem Betrieb rund 100 Milligramm Staub pro Kubikmeter ausstößt, sind es bei sehr schlechter Betriebsweise mehr als 5000. Hohe Emissionen entstehen vor allem durch den Einsatz des falschen Brennstoffs wie zu feuchtes Holz, die Überladung des Brennraums und eine falsch eingestellte Luftzufuhr.
  2. Der Wassergehalt sollte bei maximal 20 Prozent liegen – dies kann mit einem Holzfeuchtemessgerät ermittelt werden.
  3. Die Scheite sollten einen Durchmesser von circa sechs bis zwölf Zentimeter aufweisen und so lang sein, dass sie sich mit einigen Zentimetern Abstand zur Ofenwand stapeln lassen.
  4. Verwenden Sie professionelle Anzündhilfen, wie wachsgetränkte Holzwolle. Karton oder Papier sind nicht geeignet.
  5. Luftzufuhr keinesfalls zu stark drosseln. Das Innere des Ofens sollte hell und ohne schwarze Rußablagerungen bleiben.
  6. Auf gar keinen Fall behandeltes Holz oder Abfälle verbrennen! Hierdurch entstehen giftige Stoffe.
  7. Den Ofen nicht überladen, stattdessen regelmäßig kleine Holzmengen nachlegen. 

(Quelle: Deutsche Umwelthilfe)