Waiblingen

Filmclub zeigt die Höhepunkte des Jahres

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Neujahr auf karnevalistische Art... © Ramona Adolf
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...Tanz der Pontos-Griechen vor dem Rathaus. © Schneider / ZVW
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Richtfest beim Neustädter Feuerwehrhaus. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Ein Teufelchen war los, eine Braut mit Vollbart wurde von einem bunt gewandeten Bräutigam durch die Stadt geführt, ja, der Bär tanzte: Wer den von den Waiblinger Argonauten dargebrachten Neujahrsbrauch „Momo’eri“ verpasst hat, kann’s beim Filmabend im Büze nachholen. Und die Rems von der Quelle zur Mündung begleiten.

Video: Ausschnitte der Filme, die am Filmabend gezeigt werden.

Der Ghibellinensaal wird wieder voll werden mit Leuten, denn die Faszination Filmabend bleibt ungebrochen. Die Macher des Filmclubs haben in bewährter Manier eine Mischung aus aktuellem und historischem Material zusammengestellt, die für Schmunzeln und Aha-Effekte sorgt. Auf Wunsch der Feuerwehr hat Stadtfilmer Peter Beck die Entstehung des Neustädter Feuerwehrhauses von der Planung auf dem Papier übers Richtfest bis zur Einweihung mit der Kamera begleitet. Jede Woche suchte er die Baustelle auf, dank gekonntem Stakkatoschnitt lässt sich der Fortschritt anschaulich verfolgen. Dabei erlebte der Filmemacher sein blaues Wunder: Als er schon über die blauen Wände staunte, kam erst noch der Bodenanstrich. In Blau, mit sechseinhalb Tonnen Farbe. Für die Feuerwehr gab’s eine halbstündige Dokumentation, die Filmabend-Besucher bekommen eine mundgerechte Kurzfassung von 15 Minuten serviert.

Die Kamera fiel in die Rems

Auf eine Anregung von OB Andreas Hesky geht das Werk „Die Rems von der Quelle bis zur Mündung“ von Rudi Ratzka und Filmclubchef Leo Hippold zurück. Hier spricht, ähnlich wie im animierten Modell im Haus der Stadtgeschichte, der Fluss selbst. In Mögglingen rankt sich ein Theaterstück um die Rems, in Schwäbisch Gmünd wurde eine Kapelle in den Fels gehauen und in Schorndorf führt ein zylindertragender Gottlieb Daimler durch die Stadt. Um die Gartenschau-Kanuroute lebensnah zu zeigen, setzte sich Leo Hippold selbst ins Kanu und filmte aus der Wasservogel-Perspektive. Später stieg er noch um in ein Schlauchboot, das aber auf Sand lief und so in Schieflage geriet, dass die Kamera in die Rems plumpste. Der Hobbyfilm-Routinier hechtete in voller Montur hinterher, doch das Gerät war für Unterwasser-Aufnahmen ungeeignet und folglich Schrott.

Ein Betriebsausflug im „Dritten Reich“

Nach historischen Schätzen tauchte Wolfgang Kiunke im Filmarchiv des Hauses des Dokumentarfilms in Stuttgart. Ans Licht kam ein interessantes Zeitdokument über Naherholung in der NS-Zeit, ein Film von 1941 über eine Wanderung von Waiblingen nach Buoch. Bei der Wandergruppe handelt es sich um Betriebsausflügler der Fortuna-Werke in Bad Cannstatt. In Waiblingen sind Milchmädchen auf der Bahnhofstraße zu sehen, der alte Herzog'sche Lebensmittelladen, Hitlerjungen mit Spendenkässle und eine Art Segelflugzeug auf dem Marktplatz, ehe die feine Gesellschaft, die Damen in langen Kleidern und die Herren in Knickerbockern, durchs Beinsteiner Tor schreitet, unter dem noch ganz neuen Propaganda-Sgraffito vom „Helden“ Erno hindurch. Flaniert wird hier weniger, eher im Gleichschritt marschiert, zeitweise in geschlossener Reihe. Immer, oder immer wenn die Kamera läuft, wird Mandoline, Gitarre und Ziehharmonika gespielt. Ansteckend wirkt die inszenierte gute Laune dennoch nicht. So geht’s durch Korb, Hanweiler, Breuningsweiler, Buoch und Hebsack, mit mal strammem und mal nachlässigem Hitlergruß vorbei an Land und Leuten, schüchternen Kindern und dampfenden Misthaufen. Ansonsten ist die Luft rein, nicht ein Auto fährt durchs Bild.

Stadtjournal führt durch die erste Jahreshälfte 2016

Durchs kulturell bunte und auch filmisch farbige Heute führt das Stadtjournal über die erste Jahreshälfte 2016. Mitreißend das karnevalistische Wirrwarr beim besagten Neujahrsbrauch der Pontos-Griechen. Ehrenamtliche schmücken den Osterbrunnen in Hohenacker, Neustadt belebt die alte Maibaum-Tradition wieder, acht Bands rocken bei der Waiblinger Livenacht, und bei er „Dänischen Nacht“ an der Galerie Stihl wird skandinavischen Sommerbräuchen gefrönt. Fachwerk-Papst Kurt Ehinger führt auf unnachahmliche Weise durch die Altstadt, Frauen mit Migrationshintergrund unterhalten sich im Sprachcafé auf Deutsch, und Stihl erweitert seinen Stammsitz. Stadtjournale früherer Jahre zeigten schon Willy Brandt, Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß in Waiblingen. Gerne hätte Peter Beck nun die angekündigte Angela Merkel aufgenommen – aber sie kam nicht. Manchen in der CDU war wohl die Vorstellung unheimlich, dass sie dort den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann getroffen hätte. Ganz traurig außerdem: der Abschied vom Beinsteiner Kultlokal „Hasenstall“. In Urlaubsfilmen porträtieren diesmal Gisela und Bernd Kupfermaier das Fuggerschloss in Kirchheim/Schwaben, und Rudi Ratzka erzählt von der Geschichte der Fachwerkhäuser im Freilichtmuseum Beuren.

Filmabend

  • Der öffentliche Filmabend findet statt am Samstag, 5. November, um 19 Uhr im Ghibellinensaal des Bürgerzentrums Waiblingen.
  • Der Eintritt ist wie immer frei.
  • Das Programm können Sie der Einladung entnehmen.