Waiblingen

Firma aus Waiblingen: "Führerhaus"-Aufkleber sorgt für Empörung

LKW Widmann aufkleber Führerhaus auf Bagger
"Führerhaus – Fahrer spricht Deutsch": Diesen Aufkleber hat ein Leser an einem Fahrzeug des Waiblinger Unternehmens Agrarservice Widmann entdeckt. © Privat

Im April erreichte uns eine Mail. Sie war primär an das Waiblinger Unternehmen Agrarservice Widmann adressiert und enthielt ein Foto, auf dem eindeutig ein Fahrzeug dieser Firma zu erkennen war. Auf dem Fahrzeug prangte ein Aufkleber, auf dem in altdeutscher Schrift stand: „Führerhaus – Fahrer spricht Deutsch“.

„Mit Entsetzen habe ich die rassistische Aussage an einem Ihrer Fahrzeuge gelesen“, hieß es in der Mail an das Unternehmen. „Ich fordere Sie auf, diese unverzüglich zu entfernen und dazu Stellung zu nehmen.“

Dieser Bitte ist die Waiblinger Firma bis heute nicht nachgekommen. „Ich habe nichts mehr gehört“, sagt die Absenderin (Name der Redaktion bekannt) im Gespräch. Sie habe es noch zwei-, dreimal bei der auf dem Fahrzeug angegebenen Telefonnummer versucht, aber niemanden erreicht.

Das Foto habe ein Bekannter aus Waiblingen aufgenommen und ihr zugeschickt. „Er war empört darüber“, sagt sie, habe aber damals keine Zeit gehabt, selbst darauf zu reagieren.

Ähnliche Fälle – und wie unterschiedlich Unternehmen reagierten

Solche und ähnliche Schriftzüge und Aufkleber hatten in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt.

Im Dezember 2019 war ein Busfahrer in Dresden entlassen worden, nachdem das Bild eines selbst gebastelten Schildes in sozialen Netzwerken verbreitet worden war. In Frakturschrift stand darauf zu lesen: „Diesen Bus steuert ein Deutscher (Fehler im Original) Fahrer“.

Im Februar 2020 hatte die Sächsische Zeitung über einen Aufkleber mit dem Text „Führerhaus – Besatzung spricht Deutsch“ in Frakturschrift geschrieben. Eine Sprecherin des sächsischen Innenministeriums hatte das dem Bericht zufolge eine Geschmacklosigkeit genannt. Die betroffene Firma äußerte sich nicht dazu.

„Wieder Nazi-Aufkleber an LKW“ titelte das Redaktionsnetzwerk Deutschland im März 2020. Im Artikel zu einem Sticker mit derselben Aufschrift wie im Fall der Waiblinger Firma hieß es, es würden „Sprachcodes von Neonazis“ verwendet. Die betroffene Firma sah dem Bericht zufolge damals „keinen rechtsextremistischen Hintergrund“, die „ausländische[n] Arbeitnehmer“ würden sich an dem Schriftzug nicht stören.

Ähnliche Fälle gab es 2020 in Stuttgart, in Neukloster in Mecklenburg-Vorpommern und im bayrischen Landkreis Schwandorf. Im letztgenannten Fall war es ein Stadtrat, der einen „Führerhaus“-Sticker angebracht hatte. Er entschuldigte sich dafür in einer Stellungnahme: „Diesen Aufkleber zu verwenden war ein ganz klares Fehlverhalten, das mir leidtut. Obwohl meine Absichten nicht gehässiger Natur waren, habe ich bewusst fahrlässig mit der Doppeldeutigkeit des Begriffes Führerhaus gespielt, zumal er in altdeutscher Schrift abgedruckt ist.“

Aufkleber frei verkäuflich – bei Amazon oder im Neonazi-Shop

Um es klar zu sagen: Der Aufkleber, der am Fahrzeug der Waiblinger Firma prangte, ist nicht verboten. Er ist frei verkäuflich und wird unter anderem über den Online-Riesen Amazon vertrieben.

Dort häufen sich negative Bewertungen, die mit „Geschmacklos“ oder „Nazi Aufkleber“ überschrieben sind und von vielen Menschen als hilfreich bewertet werden. Die durchschnittliche Bewertung liegt trotzdem bei vier von fünf Sternen. „Linke Meinungsmache“ seien die negativen Kommentare, heißt es in den positiven Bewertungen. Der Aufkleber zeige „einfach nur ein[en] Standpunkt“ auf.

Doch nicht nur bei Amazon, auch im Shop eines deutschlandweit bekannten Neonazis wird ein „Führerhaus – Fahrer spricht Deutsch“-Aufkleber verkauft. Dieser unterscheidet sich durch die verwendete Frakturschrift aber optisch von dem, der auf dem Fahrzeug des Waiblinger Unternehmens zu sehen war.

Warum und von wem er dort angebracht wurde, ist unklar. Bislang (Stand 21.05.) blieb unsere Anfrage an Agrarservice Widmann unbeantwortet.

Im April erreichte uns eine Mail. Sie war primär an das Waiblinger Unternehmen Agrarservice Widmann adressiert und enthielt ein Foto, auf dem eindeutig ein Fahrzeug dieser Firma zu erkennen war. Auf dem Fahrzeug prangte ein Aufkleber, auf dem in altdeutscher Schrift stand: „Führerhaus – Fahrer spricht Deutsch“.

„Mit Entsetzen habe ich die rassistische Aussage an einem Ihrer Fahrzeuge gelesen“, hieß es in der Mail an das Unternehmen. „Ich fordere Sie auf, diese unverzüglich zu

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