Waiblingen

Flüchtlingsheim am Kätzenbach in Waiblingen: Sanierung für 1,66 Millionen Euro?

Schwesternwohnheim
Das ehemalige Schwesternwohnheim am Kätzenbach in Waiblingen. Es soll renoviert werden und wieder als Flüchtlingsunterkunft dienen. © ZVW/Benjamin Büttner

Das Schwesternwohnheim am Kätzenbach, in dem die Stadt Waiblingen lange Flüchtlinge untergebracht hat, ist schon seit längerem ein Sanierungsfall. Sämtliche Flachdächer sind undicht, bei Starkregen kann Wasser über die Siphons der Waschtische in die Wohnungen gelangen. Heizrohre sind durchgerostet, die Elektroinstallationen sind stark veraltet, es gibt Schimmel und unangenehme Gerüche.

Auch im benachbarten Marienheim sind Sanierungsarbeiten nötig, insgesamt belaufen sich die Kosten auf 1,66 Millionen Euro. Der Eigentümer der Gebäude, die katholische Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung, will selbst keinen Cent in die Sanierung investieren. Die Stadt müsste also alles alleine übernehmen – doch das kam in großen Teilen des Gemeinderats gar nicht gut an.

Peter Abele: „Das würde einem normalen Mieter nie einfallen“

Peter Abele, Fraktionsvorsitzender der CDU/FW, sieht im Vorhaben der Stadt ein grundsätzliches Problem. „Wir sanieren ein Gebäude für einen fremden Eigentümer – das würde einem normalen Mieter nie einfallen.“ Dass der Vermieter mit der geplanten Sanierung laut der Stadt einverstanden wäre, ist Abele zu wenig. Eine Generalsanierung des Leitungsnetzes, wie sie nun am Standort am Kätzenbach ansteht, geht aus Sicht des CDU/FW-Fraktionschefs weit über eine Reparatur hinaus. Abele verwies darauf, dass der Vermieter ja nicht ohne Grund dort kein Seniorenheim mehr betreibt. Stadtrat Michael Feßmann (FW/DFB) fand es bedenklich, dass bei der geplanten Sanierung allein für die Gas-Wasser-Installationen fast 700.000 Euro ausgegeben werden sollen. „Das ist alles arg, arg viel.“

Iris Förster: „Die Investition in fremdes Eigentum ist uns schon auch aufgestoßen“

„Die Investition in fremdes Eigentum ist uns schon auch aufgestoßen“, betonte Stadträtin Iris Förster (Fraktion Grünt/Tierschutzpartei). Sie sei sich nicht sicher, was hier auf die Stadt zukomme. Aus ihrer Sicht ist der Zustand des Marienheims noch unwägbarer als jener des Schwesternwohnheims. Iris Förster regte an, im Fall einer Investition zu überlegen, das ganze Gebäude samt Grundstück zu kaufen. „Das könnte zur Not auch ein attraktives Baugebiet sein.“

Baubürgermeister Dieter Schienmann hatte in dem Punkt aber keine gute Nachricht. Die Stadt hat nach seinen Angaben bereits entsprechende Gespräche mit der Keppler-Stiftung geführt. Ergebnis davon sei gewesen, dass sich die Stiftung bereiterklärt habe, den Mietvertrag um weitere zehn Jahre zu verlängern. Dies wurde der Stadt am 21. Februar schriftlich zugesichert, die Verträge werden derzeit vom Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement ausgearbeitet. Was einen Kauf des Areals durch die Stadt Waiblingen angeht, sagte Schienmann in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stiftung sich von Grundstücken trennen möchte.“

Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung will sich zu einem Verkauf nicht äußern

Unsere Redaktion fragte auch bei der Stiftung direkt nach, ob sie sich einen Verkauf des Areals am Kätzenbach vorstellen könnte. Pressesprecher Friedemann Müns-Österle äußerte sich allerdings zurückhaltend: „Die Keppler-Stiftung möchte zum jetzigen Zeitpunkt zu dem Vorschlag nicht Stellung beziehen.“

Stadtrat Alfonso Fazio (Alternative Liste) erinnerte indes daran, dass die Sanierung des Schwesternwohnheims und des Marienheims nicht die erste Ausgabe wäre, bei der die Stadt Waiblingen Geld in fremdes Eigentum steckt. Er verwies auf die Sanierung des Marktdreiecks in der Altstadt, die mit einer Erweiterung der dort untergebrachten Stadtbücherei verbunden war. Auch hier, betont Fazio, sei die Stadt nur Mieterin. „Da haben wir ziemlich viel Geld investiert.“ Mit Blick auf die Unterbringung von Geflüchteten im Schwesternwohnheim sagte Fazio, dass die Maßnahme zu mehr Wohnqualität führe. Stadtrat Marc Maier (Gruppe Maier & Helbig, ehemals AfD) wollte noch wissen, ob es möglich wäre, auch einen Mietvertrag über 20 Jahre abzuschließen. Mit Blick auf die steigenden Baukosten der vergangenen Monate war es ihm wichtig, mit der Sanierung nicht zu spät zu starten. „Lieber früher beginnen als zu spät“, findet Marc Maier.

Im Moment ist von Seiten der Stadt geplant, Ausschreibung und Vergabe bis zum Sommer 2022 abzuschließen. Der Baubeginn soll zeitnah erfolgen, voraussichtliches Bauende wäre dann im Frühjahr 2023. Der genaue Monat hängt natürlich davon ab, welche Kapazitäten die beteiligten Firmen haben.

Baubürgermeister Dieter Schienmann hält Mietvertrag über 20 Jahre für unwahrscheinlich

Die Idee, den Mietvertrag auf 20 statt auf zehn Jahre abzuschließen, ist laut Baubürgermeister Dieter Schienmann indes auch nicht so leicht umzusetzen. Als das Landratsamts des Rems-Murr-Kreises mit der Stiftung einen Vertrag abschloss, um Flüchtlinge unterzubringen, lief dieser drei Jahre. Die Stadt übernahm danach den Standort für die sogenannte Anschlussunterbringung und konnte mit der Stiftung einen Mietvertrag für fünf Jahre abschließen. Dieter Schienmann hält die Laufzeit von zehn Jahren vor diesem Hintergrund für gut. Dass die Stiftung bei 20 Jahren mitmachen würde, glaubt er eher nicht. „Die wollen sich einen bestimmten Handlungsspielraum für das Grundstück offenhalten.“

Baubeschluss für Sanierung wird nicht wie geplant im April gefasst

Da es im Gemeinderat so viele Bedenken gab, rückte die Stadtverwaltung letztlich von ihrem Ziel ab, den Gemeinderat bereits im April den Baubeschluss für die Sanierung fassen zu lassen. Der Beschluss wurde erst einmal zurückgestellt. Klar ist: Die Stadt braucht die rund 40 Plätze für Geflüchtete im Schwesternwohnheim – gerade auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs. Laut Dieter Schienmann sind die dortigen Wohnungen wegen des Gebäudezustands seit etwa einem Vierteljahr nicht belegt. „Wir benötigen die Räume immer noch händeringend.“

Das Schwesternwohnheim am Kätzenbach, in dem die Stadt Waiblingen lange Flüchtlinge untergebracht hat, ist schon seit längerem ein Sanierungsfall. Sämtliche Flachdächer sind undicht, bei Starkregen kann Wasser über die Siphons der Waschtische in die Wohnungen gelangen. Heizrohre sind durchgerostet, die Elektroinstallationen sind stark veraltet, es gibt Schimmel und unangenehme Gerüche.

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Auch im benachbarten Marienheim sind Sanierungsarbeiten nötig, insgesamt belaufen sich die

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