Waiblingen

Fliegende Bäume über der Rems

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Vorbereitungen am Boden. © Alexandra Palmizi / ZVW
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Große Bäume werden in mehrere Teile zerlegt. © Alexandra Palmizi / ZVW
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Sicherheit ist oberstes Gebot bei der Kombination von Seilklettertechnik und Helikopter-Lastenflug. © Alexandra Palmizi / ZVW

Waiblingen-Neustadt. Forstarbeiten per Hubschrauber: Fast im Minutentakt schweben beim Stihl-Werk die Bäume senkrecht über die Rems. Bei der spektakulären Fällung mit Helikopter-Unterstützung handelt es sich nicht etwa um einen PR-Gag des Motorsägenherstellers, sondern um die wirtschaftlichste Art, 80 kranke Eschen und Robinien zu entfernen.

Video: Helikopter-Baumfällung bei Stihl: Gefällte Bäume werden mit dem Helikopter abtransportiert.

Was für eine Szenerie: Vor der Kulisse des Eisenbahn-Viadukts und der an die Schluchtkante geklammerten Häuser von Neustadt kreist stundenlang der Hubschrauber mit den Bäumen im Schlepptau durch das enge Remstal. Zur Mittagszeit begannen am Freitag die Arbeiten, am Samstag werden sie fortgesetzt. „Heli-Logging“ lautet das Fachwort für diese High-Tech-Variante der Forstwirtschaft. Dabei werden die Bäume„stehend“ gefällt und in der Senkrechten mit einem Helikopter abtransportiert. „Die Bruch- und Standsicherheit der Bäume ist nicht mehr gegeben“, erläutert Hubert Kieweg von der Werksplanung bei Stihl die ungewöhnliche Maßnahme. „Deshalb liegt es als verantwortungsvoller Arbeitgeber in unserer Pflicht, zum Schutz unserer Belegschaft, der Anwohner und der umliegenden Gebäude, die Bäume zu beseitigen.“

Bis zu 1200 Kilogramm kann der Helikopter tragen

Bei einer Besichtigung des Waldstücks am Steilhang hatte sich gezeigt, dass Dutzende der Bäume die nächsten oder übernächsten Winterstürme eventuell nicht heil überstehen. Forstexperten kartografierten das ganze Areal im Detail und schätzten anhand von Größe und spezifischem Gewicht der jeweiligen Holzart die zu tragende Masse ein. Im Lauf der vergangenen Tage präparierten die Spezialisten der Firma Arbor-Team aus Köngen die Bäume so, dass Teile von maximal 1,2 Tonnen – denn mehr kann der Helikopter nicht tragen – in möglichst kurzer Zeit weggeflogen werden können. Seile wurden im Vorfeld so an den Ästen und Stämmen befestigt, dass die Kletterer sie „nur noch“ im richtigen Moment am Trageseil des Hubschraubers einhaken – und den letzten Schnitt mit der Stihl-Motorsäge ansetzen müssen.

Direkt am Fuß des Hangs befinden sich mehrere Werksgebäude, die dort tätige Belegschaft wurde vor Beginn der Arbeiten nach Hause geschickt. Der Arbeitsbereich ist aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt, ebenso ein Abschnitt des Remsradwegs. Um die Brücke der Klinglestalstraße gilt ausnahmsweise Tempo 30 wie weiter oben bei den Terrassenhäusern. Beim werkseigenen Parkplatz auf der anderen Remsseite lässt der Helikopter die gefällten Bäume vom Haken, gleich vor Ort werden sie zerkleinert. 100 Kubikmeter Material fallen bei den Arbeiten an. Später wird es zu Hackschnitzeln verarbeitet, das Brennholz spendet Stihl an die Diakonie Stetten.

Abtransport des Holzes vom Hang wäre fast unmöglich

„Die Aufarbeitung des Holzes am Hang wäre extrem schwierig und das Herausschaffen durch die schlechte Zugänglichkeit fast unmöglich“, erklärt Hubert Kieweg. Vorteil des Heli-Loggings sei, dass die Bäume nicht den Hang hinunterstürzen können. Das von Stihl beauftragte Arbor-Team gehört zur „Arbeitsgemeinschaft Helikopterfällung“, die schon ähnliche Einsätze im Kochertal und im Nationalpark Kellerwald-Edersee flog. „Mit unserer Erfahrung sorgen wir dafür, dass die Bäume effektiv und sicher gefällt und abtransportiert werden“, sagt Ralph Mohr, Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung vom Arbor-Team.