Waiblingen

Fotogeschäft Porst schließt nach 34 Jahren

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Foto Porst
Der Räumungsverkauf läuft. © Büttner / ZVW
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Foto Porst
Günther Ernst, Inhaber von „Photo Porst“, geht in den Ruhestand. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Seinen Stammkunden wird er fehlen: Das Fotogeschäft Porst schließt, Inhaber Günther Ernst nimmt seinen Abschied. „Es war eine wunderbare Zeit“, sagt der 65-Jährige. Eigentlich habe er nie arbeiten müssen: „Wenn man etwas gerne macht, ist es keine Arbeit.“ 34 Jahre lang hat der gelernte Kaufmann seine Kunden mit viel Freude beraten. Jetzt ist Schluss. Ende April geht er in den Ruhestand.

Video: Günther Ernst, Inhaber des Photo Porst Geschäftes am Marktplatz in Waiblingen hört nach 34 Jahren auf.

Als Günther Ernst im April 1983 das Fotogeschäft Porst übernahm, fuhren an seinem Laden am Marktplatz noch Autos vorbei. In den Fotoapparaten steckten Filmrollen und die Menschen ließen ihre Fotos in einem Fotogeschäft entwickeln. 34 Jahre später haben sich die Zeiten komplett geändert. Aus der Altstadt wurde eine Fußgängerzone, fotografiert wird digital, und nur noch wenige Bilder werden in dicke Alben geklebt. Für Günther Ernst haben die letzten Tage und Wochen am Marktplatz begonnen. „Total Räumungsverkauf“ steht auf dem Aufsteller vor seinem Geschäft.

„Er hat es mit Leib und Seele gemacht“

Drinnen steht der Inhaber und berät und verkauft weiterhin mit großer Freundlichkeit seine letzten Kunden. Zufrieden blickt Günther Ernst auf sein Berufsleben zurück. Als Außendienstler bei Porst hat er das Geschäft eines Kollegen übernommen und damit „sein Hobby zum Beruf gemacht“, wie seine Frau Ruth erzählt. „Er hat es mit Leib und Seele gemacht. Darum hat es so gut funktioniert.“ Bis zu 60 Stunden in der Woche ist Günther Ernst in seinem Laden gestanden, zu viel geworden ist ihm das lange nicht.

"Die Anfangszeiten waren hervorragend"

Als er die Filiale von seinem Vorgänger übernahm, hatte dieser zuvor mit viel Werbung dafür gesorgt, dass das Foto-Geschäft bei den Waiblingern bereits gut etabliert war. „Die Anfangszeiten waren hervorragend“, erinnert sich Günther Ernst. Fotoapparate und Videokameras waren begehrt, vier Mitarbeiter habe er damals beschäftigt. Die Menschen hätten teure Fotoapparate gekauft, die ein Leben lang hielten und so lange auch benutzt wurden. Eine gute Beratung spielte beim Kauf eines teuren Apparates eine große Rolle. „Das hat Spaß gemacht“, erzählt Günther Ernst. Die Leute wussten es zu schätzen. Man habe Vertrauen aufgebaut. Und aus Kunden wurden zufriedene Stammkunden, die immer wieder kamen: „Das war unsere Klientel.“

Die Zeiten haben sich geändert 

Seit 2009 gibt es „Photo Porst“ nur noch dem Namen nach, längst seien die Geschäfte in der Ring-Foto-Gruppe zusammengeschlossen, erzählt Ernst. Und auch sonst haben sich die Zeiten geändert. Kameras seien billiger geworden und werden öfter mal ausgetauscht. Papierbilder seien für viele angesichts der immensen Zahl der Aufnahmen unwichtig geworden. „Die Wertigkeit ist heute eine ganz andere.“

"Ich will mich sozial engagieren"

Vor zwei Jahren entschloss er sich, den Montag zum Ruhetag zu machen, nun wird er 65 und geht ganz. Bis Ende April will er draußen sein, vielleicht früher. Das Gebäude am Marktplatz 7 wird umgebaut. Er selbst hätte die Option gehabt, noch vier Jahre weiterzumachen, erzählt Ernst, doch nun sei für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen, in den Ruhestand zu gehen. „Ich will mich sozial engagieren“, kündigt er an. Er überlege sich, bei einem Fahrdienst und bei der Begleitung älterer Menschen mitzumachen. Zudem hat er zu Hause in Weissach ein Haus und einen großen Garten. Der Hobbyraum wartet darauf, endlich aufgeräumt zu werden. Und die Kinder, die gerade geheiratet haben, freuen sich ebenfalls, wenn der Vater Zeit hat, sie dann und wann im Alltag zu unterstützen, erzählt er. „Für uns wird es kein Loch geben“, meint auch seine Frau Ruth.

Haus wird saniert

Das Haus am Marktplatz wird saniert. Nachdem die Wohnungen lange leer standen, soll nun wieder Leben einziehen, sagt der Sohn des Hausbesitzers, Florian Teodoro.

Entstehen sollen auf zwei Etagen vier Wohnungen, im Erdgeschoss soll wieder ein Laden entstehen. In den Wohnungen haben die Arbeiten bereits begonnen. Fürs Erdgeschoss laufen die Planungen.