Waiblingen

Frau nach Hundebiss dreimal operiert

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Symbolfoto. © pixabay.com

Kernen-Rommelshausen. Anfang März, als Nadine K. mit ihrem Mann von Rommelshausen nach Stetten wanderte, wurde das Ehepaar von fünf aggressiv bellenden Hunden angefallen. Sie schnappten immer wieder nach Nadine K.s Beinen. Auch ihren Mann bissen die Tiere in die Wade. Die Rentnerin musste dreimal operiert werden. Sie kann wieder gehen, aber die Meute verfolgt sie in ihren Träumen. Sie stritt jetzt erfolgreich für ein höheres Schmerzensgeld als die 750 Euro, die ihr zunächst bewilligt wurden.


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Ein Einzelfall? Wohl eher nicht, wie Nadine K. von ihrem operierenden Arzt im Winnender Krankenhaus hörte, der tiefe Fleischwunden nach Hundebissen häufiger nähen muss. Der Rentnerin kommen fast die Tränen, wenn sie sich ihre Leidensgeschichte, die im März auf einem Feldweg zwischen Rommelshausen und Stetten begann, noch einmal vergegenwärtigt. Damals stürmten erst drei halbgroße Hunde wütend bellend auf ihren Mann zu und gingen an seine Beine. „Ich wollte ihm zu Hilfe kommen. Zwei weitere kleine Hunde rasten ebenfalls herbei“, erzählt sie. „Mein Mann versuchte, im nahen Baumgrundstück einen Stock zu holen. So umkreisten mich fünf Hunde, wild und aggressiv bellend, und schnappten immer wieder nach meinen Beinen und bissen zu.“ Am linken Bein blutete sie heftig. „Das Knurren höre ich heute noch“, sagt sie.

Der Hundehalter verdrückte sich

Was die Rommelshausenerin außer den Schmerzen und der pochend blutenden Wunde an jenem Nachmittag besonders erzürnte: Der Hundehalter rief zwar nach seinen Tieren aus einer Entfernung von 60 bis 80 Metern, ohne dass die reagierten, aber er selber lief dann immer weiter weg. „Ich hatte rechts eine Bisswunde und links mehrere. Mein Mann hatte am linken Bein Bisswunden, eine davon tief.“ Erst eine Nachbarin leistete den Verletzten zu Hause in Rommelshausen Hilfe. Sie rief Polizei und Krankenwagen, der das Paar zur Notaufnahme ins Krankenhaus nach Winnenden fuhr.

Drei Operationen unter Vollnarkose

Für das Rentnerehepaar bedeuteten die Bissverletzungen tägliche Arztbesuche. Die Hausärztin entdeckte nach zehn Tagen unter der blutverkrusteten Wunde in der rechten Wade der Frau ein Loch, das innerhalb von acht Tagen drei Operationen unter Vollnarkose notwendig machte.

„Nach 13 Tagen Krankenhaus musste natürlich alles, was in mich hineingepumpt wurde, von Körper und Psyche verarbeitet werden“, schrieb Nadine K. in einem Brief an die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Das Trauma sitze tief. Sie leide unter Wortfindungs- und Gedächtnisstörungen. Psychischer Stress habe bei ihr zu Haarausfall geführt. In dem Brief an die Stuttgarter Staatsanwältin beschwerte sich die Rentnerin darüber, dass das Ermittlungsverfahren gegen den Hundehalter eingestellt worden sei, somit der Fall nicht vor Gericht kommt, zumindest bis jetzt. Denn Nadine K. hat Beschwerde eingelegt.

„Tiere wie Hund und Katze erhalten mehr Schutz als wir verletzten Menschen“

Die Frau erwartet eine Strafe, zumindest aber ordnungsrechtliche Auflagen an den Besitzer wie etwa das Anleinen und einen Maulkorb beim Gassiführen. „Tiere wie Hund und Katze erhalten mehr Schutz als wir verletzten Menschen“, klagt sie, vor sich einen dicken Leitzordner, gefüllt mit Rechnungen, Briefverkehr, ausgefüllten Formularen. Denn auch der Streit ums bewilligte Schmerzensgeld war lange Zeit ungelöst. Am Montag ging nun der Bescheid ein: Die Versicherung legt 1000 Euro drauf.

Bezahlt hatte die Versicherung für sie und ihren Mann auf Antrag ihres Rechtsanwalts zunächst jeweils 750 Euro, dies, obwohl der Anwalt, und das ärgerte sie, anfangs zugesagt hatte, bei Hundebissen sei ein Schmerzensgeld von 2000 Euro fällig. Den Betrag für ihren Mann haben die zwei akzeptiert, auch den Schadensersatz für zerfetzte Kleidung und diverse andere Auslagen in Höhe von 1085 Euro. Aber nach drei Operationen und den Nachwirkungen der Vollnarkose würde sie 750 Euro Schmerzensgeld für sich nie akzeptieren, beharrte die Seniorin. „Ich sage 2000 Euro, wobei es mir gar nicht darum geht, dass ich viel Geld kriege, sondern dass gesehen wird, was Hunde auslösen, was sie anrichten.“

Ihr Anwalt hatte der Versicherung eine zweite Frist gesetzt: 30. September. Am Montag erreichte Nadine K. nun die frohe Botschaft, die Gegenseite lege noch 1000 Euro drauf. „Das akzeptiere ich“, sagte sie.


„Der macht nix“

Wenn Nadine K. heute spazieren geht und von weitem einen Hund sieht, ruft sie dem Halter zu, das Tier doch bitte an die Leine zu nehmen, während sie an ihm vorbeigeht. „Der macht nix, der spielt nur“ akzeptiert sie nicht mehr. Viele Halter haben dafür Verständnis, sagt sie.