Waiblingen

Frauenrat Waiblingen: Mehr häusliche Gewalt seit Corona-Pandemie

häusliche Gewalt
Die Vorsitzende des Frauenrats Tina Greiner (Fraz), Heidrun Rilling-Mayer von der Stadt Waiblingen und das Mitglied des Frauenrats Sabine Fischer (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) präsentieren ihre Plakataktion zum bundesweiten Hilfetelefon (von links). © Gabriel Habermann

Rund 40 Plakate auf Litfaßsäulen mit einer in großen Ziffern aufgeführten Telefonnummer waren bis gestern im Stadtgebiet verteilt. „Die häusliche Gewalt und auch die Gewalt an Frauen haben während der Corona-Pandemie zugenommen“, weiß die Vorsitzende des Rats Tina Greiner. Deshalb hat der Frauenrat die Plakataktion initiiert, die auf das Hilfe-Telefon des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben aufmerksam machen soll.

Eine Freundin von Tina Greiner arbeitet an einer Supermarktkasse und erkenne diese Frauen an ihrem Auftreten: Oft würden sie mit Sonnenbrille und langer Kleidung erscheinen. Heimlich würden sie ihr die blauen Flecken an den Armen zeigen und für einen kurzen Moment den Ärmel nach oben schieben. „Das hat mich bewegt, dass eine Frau an der Kasse zur Vertrauensperson wird“, so Greiner. Zunächst habe der Verein Frauen im Zentrum, kurz Fraz, welchen Tina Greiner im Frauenrat vertritt, überlegt, wie man diese Frauen erreichen und helfen könnte. Manche betroffene Frauen mit entsprechend kulturellem Hintergrund dürfen nur mit ihrer Schwiegermutter das Haus verlassen, hätten sie in Erfahrung gebracht. Häusliche Gewalt sei ohnehin ein Thema, mit dem sich das Fraz beschäftigt und auf das die Frauen jährlich am 25. November, dem Tag gegen sexuelle Gewalt, aufmerksam machen.

Greiner schlug das Thema im Januar dem Frauenrat vor, das sogleich von allen Zustimmung fand, erinnert sie sich. Durch persönliche Kontakte zu Pro Familia wüssten sie auch, dass das Hilfetelefon genutzt werde und dass häusliche Gewalt in allen Schichten vorkomme. Die Nummer in großen Ziffern können Frauen mit dem Smarttelefon rasch abfotografieren. Zusammen mit dem Hashtag Schweigenbrechen als Stichwort würde das Thema ankommen.

Zunächst sei die Idee gewesen, dass man Plakate in Supermärkten aufhänge, um die Frauen direkt zu erreichen, was sich aber bei den unterschiedlichen Ketten und Marktleitern nicht so einfach realisieren ließe. So entstand die Idee mit den Litfaßsäulen. Die Aktion wurde aus dem Budget des Waiblinger Frauenrats bezahlt.

Was ist das Hilfetelefon?

Gemäß dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ist das Hilfetelefon unter der Telefonnummer 08000 116 016 rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr kostenfrei erreichbar. Es biete Betroffenen die Möglichkeit, sich anonym, sicher und barrierefrei beraten zu lassen, heißt es auf der Internetseite des Amts. Hilfesuchende erreichen hierüber erfahrene Beraterinnen, die bei Bedarf Unterstützung vor Ort vermitteln– etwa an eine Frauenberatungsstelle oder ein Frauenhaus. Anruferinnen mit geringen Deutschkenntnissen stehen mehrsprachige Gesprächspartnerinnen zur Verfügung – ebenso Angehörigen oder Freunden potenzieller Opfer.

Neue Beauftragte für Chancengleichheit

Solch eine Aktion gelinge stets nur mit der Unterstützung und dem Fachwissen von Mitarbeitern aus dem Rathaus. Nachdem Gabi Weber als Beauftragte für Chancengleichheit die Stadt Waiblingen verlassen und eine Stelle im Sozialministerium als Referentin der Vernetzungsstelle für die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten sowie Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Ministerien in Baden-Württemberg angetreten hatte, hat Heidrun Rilling-Mayer die Aufgaben zusätzlich neben ihren bestehenden für den Arbeitskreis Waiblingen engagiert übernommen.

Angelika Neudek folgt Gabi Weber

Bereits am Internationalen Frauentag, den Waiblingen am 8. März im Kulturhaus Schwanen gefeiert hatte, kündigte die vor kurzem aus dem Amt geschiedene Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr an, dass eine Nachfolgerin gefunden sei, „eine sehr kompetente, geeignete Person, die mit viel Erfahrung hier anfangen und durchstarten wird“, so Dürr damals wörtlich. Auf Nachfrage der Lokalredaktion Waiblingen gibt das Rathaus bekannt, dass Angelika Neudek am 1. Juli ihre Arbeit im Rathaus aufnimmt.

Persönlich habe sich Christiane Dürr eingesetzt, dass die Stelle mit 100 Prozent Stellenanteilen unbefristet ausgeschrieben wurde, nachdem die Bitte von Mitgliedern des Frauenrats an sie herangetragen wurde. „Was die Gleichstellungsakteurinnen hier aufgebaut und erkämpft haben, muss gepflegt und weiterhin unterstützt werden und durch interessierte und engagierte Heldinnen, wie sie es alle sind, weiter vorangetrieben werden. Unsere Anliegen müssen weiterhin in Gesellschaft und Politik Gehör finden“, betonte Dürr, für die das Einstehen der Frauen für ihre Rechte eine Herzensangelegenheit gewesen sei, wie sie betonte. „Für mich und die Stadtverwaltung hat die Gleichstellungsarbeit einen besonderen Stellenwert und ich wünsche mir, dass dies auch in Zukunft in Waiblingen so bleibt“, sagte sie.

Die Themen gehen dem Frauenrat nicht aus. „Die Situation in den Kitas macht uns Sorgen“, erklärt Tina Greiner und bezieht sich auf die Tatsache, dass Betreuungszeiten gekürzt werden müssen, weil zu wenig Erzieher eingestellt sind. Genauso wollen sie sich weiterhin für geflüchtete Frauen einsetzen – für die, die 2015 nach Waiblingen kamen, sowie auch für Frauen aus der Ukraine, die neu nach Waiblingen kommen. Wie, das soll bei der kommenden Sitzung des Plenums besprochen werden.

Rund 40 Plakate auf Litfaßsäulen mit einer in großen Ziffern aufgeführten Telefonnummer waren bis gestern im Stadtgebiet verteilt. „Die häusliche Gewalt und auch die Gewalt an Frauen haben während der Corona-Pandemie zugenommen“, weiß die Vorsitzende des Rats Tina Greiner. Deshalb hat der Frauenrat die Plakataktion initiiert, die auf das Hilfe-Telefon des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben aufmerksam machen soll.

Eine Freundin von Tina Greiner arbeitet an einer

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