Waiblingen

Freude und Frust über Click & Meet: Der erste Tag bei Spielwaren Wiedmann, Schuhhaus Plieninger und Elektro Bauer

Click&Meet
Vanessa Finke verkauft gerne Spielwaren, fühlt sich in der Rolle als Regelkontrolleurin jedoch unwohl. © Gabriel Habermann

Seit Freitag dürfen Geschäfte in Waiblingen wieder Click & Meet anbieten, Einkaufen im Geschäft nach vorheriger Terminvereinbarung. Voraussetzung fürs Shopping ist ein negatives Schnelltestergebnis, das nicht älter als 24 Stunden ist. Vollständig Geimpfte und Genesene benötigen keinen Test. Nutzen die Waiblinger diese Möglichkeit?

Am Freitagvormittag sind die Straßen in der Waiblinger Innenstadt relativ leer. Diejenigen, die beim trüben Maiwetter schon unterwegs sind, steuern mit ihren Taschen und Trolleys vor allem zielstrebig Drogeriemärkte und Lebensmittelgeschäfte an. Ein Rentner bleibt kurz an der Tür zum Modehaus Villinger stehen und erkundigt sich bei einer Mitarbeiterin nach den Regeln für einen Einkauf im Geschäft. Seine Frau und er werden aber wahrscheinlich noch warten, bis sie vollständig geimpft sind, sagt er anschließend. „Der Schnelltest ist nicht schlimm, muss aber auch nicht sein“, findet er.

Kaum Terminvereinbarungen bei Spielwaren Wiedmann

Schräg gegenüber blickt Vanessa Finke traurig auf die nahezu leere Straße und den Marktplatz. „Seit November schon sieht die Stadt so aus“, sagt die Mitarbeiterin von Spielwaren Wiedmann. Daran könne auch Click & Meet nicht viel ändern, befürchtet Inhaber Rainer Wiedmann: „Betriebswirtschaftlich ist das Unsinn.“

Er hat in den vergangenen Tagen bereits Erfahrungen in anderen Landkreisen gesammelt, in denen das Unternehmen Filialen betreibt, die wegen niedrigerer Inzidenzzahlen schon etwas früher das Einkaufen mit Termin anbieten durften. Das werde nicht gut angenommen, was vor allem an der Schnelltestpflicht liege, erklärt der Unternehmer.

Diese Pflicht gab es noch nicht, als die Einzelhändler zuletzt Ende März dieses Jahres Click & Meet angeboten haben. „Damals waren wir sehr zufrieden, was die Anzahl der Kunden und den Umsatz betraf“, sagt Wiedmann. Auf die Testpflicht jedoch haben seiner Erfahrung viele Menschen keine Lust und warten lieber noch ab.

Erschwerend hinzu kommt für den Spielwarenhandel, dass man etwa in Drogeriemärkten viele Produkte aus diesem Sortiment ohne Test und Termin kaufen kann.

So wurden bei Spiel und Freizeit Wiedmann in Waiblingen bislang nahezu keine Termine für das Einkaufen im Geschäft vereinbart. Nicht nur der Mehraufwand für den Corona-Schnelltest, sondern auch Unwissenheit sei ein Problem. Viele Kunden seien von der neuen Vorschrift überrascht, sagt Vanessa Finke. Sie versucht dann, an der Tür zu beraten und die Ware über die Schwelle zu verkaufen.

Wohl fühlt sie sich allerdings nicht in der Rolle der Kontrolleurin an der Ladentür. „Es war schon schwer, die Menschen auf Maskenpflicht und Abstandsregeln hinzuweisen“, sagt Finke. Ihr ist deshalb etwas bang vor den nun möglicherweise auf sie zukommenden Diskussionen.

Verkäufer als Einlasskontrolleure

Ähnlich empfindet das Stefan Bauer. Der Inhaber von media@home Bauer betrachtet seine Kunden als Freunde des Hauses. Dieses Verhältnis werde durch die Einlasskontrolle beeinträchtigt. „Trotzdem freue ich mich über die Möglichkeit, Click & Meet anzubieten, weil es ein Schritt nach vorn ist und zumindest eingeschränkt persönlicher Kontakt zum Kunden wieder möglich ist.“

Für ihn als Einzelhändler ist dieser Kontakt elementar, auch wenn sein Unternehmen bisher relativ gut durch die Krise gekommen sei, weil Serviceleistungen immer angeboten werden durften und diejenigen, die etwa eine neue Waschmaschine brauchten, diese auch trotz Lockdown bestellt hatten.

Für alle Produkte, bei denen Emotionen, Ton und Bild eine Rolle spielten, sei die Beratung im Geschäft unerlässlich, etwa wenn es um die Anschaffung eines neuen Fernsehers gehe. Einige Kunden hätten auch bereits Termine zum Einkaufen vor Ort vereinbart. Ein Vorteil sei, dass der Schnelltest-Bus sich in unmittelbarer Nähe seines Geschäfts befinde. Vor der mobilen Teststation hatte sich am Freitagvormittag bereits eine kleine Schlange gebildet.

Bei Schuhen sind Anprobe und Beratung wichtig

Auch Gerda Müller-Bücheler hat einen Test gemacht und ist eine der ersten Kundinnen, die an diesem Vormittag das Schuhhaus Plieninger betreten. „Ich brauche dringend neue Turnschuhe und die muss ich anprobieren.“

Dass sie dafür nicht nur einen Termin im Geschäft vereinbaren musste, sondern auch einen Corona-Schnelltest braucht, stört sie nicht. „Der Test geht kostenlos und einfach, und Sicherheit geht vor.“ Allerdings macht sie das auch nur für die Dinge, die sie dringend braucht, alle anderen Einkäufe werden noch ein wenig verschoben auf einen Tag, an dem man dann vielleicht auch einen Cappuccino im Freien trinken kann.

„Das Telefon hat heute schon einige Male geklingelt“, freut sich Inhaber Fritz Plieninger. Er und seine Mitarbeiterinnen freuen sich sehr, dass die Kunden wieder kommen dürfen. Gerade bei neuen Schuhen seien Anprobe und Beratung für viele wichtig. Er bemerkt aber auch, dass viele Menschen unsicher und verwirrt sind, welche Regeln aktuell gelten. Doch dafür finde man pragmatische Lösungen. Wer keinen negativen Schnelltest vorweisen kann, darf die Schuhe auch einfach vor der Tür anprobieren.

Seit Freitag dürfen Geschäfte in Waiblingen wieder Click & Meet anbieten, Einkaufen im Geschäft nach vorheriger Terminvereinbarung. Voraussetzung fürs Shopping ist ein negatives Schnelltestergebnis, das nicht älter als 24 Stunden ist. Vollständig Geimpfte und Genesene benötigen keinen Test. Nutzen die Waiblinger diese Möglichkeit?

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Am Freitagvormittag sind die Straßen in der Waiblinger Innenstadt relativ leer. Diejenigen, die beim trüben Maiwetter schon unterwegs sind,

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