Waiblingen

Freundin heimlich beim Sex gefilmt

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Symbolbild. © Sarah Utz

Waiblingen. Ein junger Fellbacher hat erst heimlich ein Sexvideo von sich und seiner Freundin aufgenommen. Dann, nach der Trennung, drohte er mit einer Veröffentlichung. Am Mittwoch wurde der 20-Jährige zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro verurteilt.

Er habe wohl seine „fünf Minuten“ gehabt, will der Angeklagte seine versuchte Nötigung mit einer heimlich aufgenommenen Bildaufnahme erklären. Ein Ausspruch, der während der Verhandlung fast schon zum geflügelten Wort wird, als die Richterin mehrfach nachbohrt: Ist ihm klar, dass er eine schwere Straftat begangen hat?

Der Vorwurf lautet zum einen auf eine „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“, soll heißen: Ohne Wissen und Zustimmung seiner damaligen Freundin – zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt – habe er im Mai 2015 sie und sich selbst (damals 19 Jahre alt) mit seinem iPhone beim Sex gefilmt. Zum anderen wird dem Angeklagten eine versuchte Nötigung zur Last gelegt: Nach der Trennung habe er gegenüber seiner Exfreundin im Zeitraum von etwa August 2015 bis Januar 2016 wiederholt Drohungen ausgesprochen, den Mitschnitt zu veröffentlichen und ihren Eltern oder Freunden zu zeigen – es sei denn, sie gehe wieder eine Beziehung mit ihm ein.

Smartphone unterm Kopfkissen versteckt

In seiner Stellungnahme zeigt sich der 20-Jährige kooperativ und legt ein Teilgeständnis ab. Er habe sein iPhone unter dem Kopfkissen versteckt, um ohne das Wissen seiner damaligen Freundin eine Sexaufnahme zu machen. Dabei habe er darauf geachtet, dass Gesicht und Name nicht erkennbar seien. Das Video sei „zum Privatzweck“ gedacht gewesen. Recht erklären kann er sein Verhalten nicht: „Das war so ‘ne dumme Geschichte“, sagt er, „ich hab’ nicht überlegt.“ Nach der Trennung habe er ihr auf Whatsapp einen Schnappschuss des schwarzen Videostartbildes geschickt.

Aus den Nachrichtenverläufen, die die Richterin zitiert, geht hervor, dass er den Schnappschuss als „genau zwei Minuten, die dein Leben zerstören“ angekündigt habe. Auch weitere Drohungen schickte der Angeklagte seiner Exfreundin. An den Gesprächsinhalt und -kontext könne er sich nicht erinnern, sagt der Angeklagte auf Nachfrage der Richterin. Er habe wohl „mal aus Wut“ Drohungen ausgesprochen. Er habe aber nie vorgehabt, das Video wirklich an Dritte weiterzuschicken.

Seine Exfreundin selbst hat das Video zum Zeitpunkt der Verhandlung noch nicht gesehen. Ihre Vernehmung erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nach der Befragung stellt die Richterin knapp fest: „Sie erkennt sich selbst auf dem Video. Das reicht aus.“ Ebenso macht sie deutlich: Was der 20-Jährige in seinen „fünf Minuten“ geäußert habe, hat die inzwischen 18-Jährige massiv unter Druck gesetzt. Die andauernde Verhandlungszeit sei ebenso eine psychische Belastung für sie.

In ihrem Urteil weist die Richterin deshalb noch einmal explizit darauf hin, dass sie sich vom Angeklagten mehr Einsicht wünscht. Er habe einen schweren Vertrauensbruch und eine schwere Straftat begangen. Hinzu komme, dass die Geschädigte zur Tatzeit noch jugendlich gewesen sei – und er genau gewusst habe, welche möglichen Video-Empfänger ihr die meiste Angst machen. Der 20-Jährige wird nach Jugendstrafrecht zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro verurteilt, zahlbar in Raten an den Verein „Frauen helfen Frauen“. 200 Euro der Strafe kann er auch der Geschädigten zukommen lassen.

Paragraf 201a

Der § 201a des Strafgesetzbuches regelt die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen.

Das Strafmaß reicht von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.