Waiblingen

Friseursalons zwischen Entsetzen und Einsicht - Was halten Chaarisma, J7 und andere vom Lockdown?

Friseur Chaarisma
Esra Kahya in ihrem Salon Chaarisma. © Büttner

Die Telefone in vielen Friseursalons stehen derzeit nicht still. Die Zeit bis zum Lockdown am Mittwoch haben viele nochmals dafür genutzt, sich die Haare schneiden zu lassen. In Gesprächen mit den Friseuren zeigt sich: Sie bewegen sich derzeit irgendwo zwischen Entsetzen und Einsicht. Einzelne üben scharfe Kritik an der Politik.

Die 33-jährige Esra Kahya hat viel zu tun, sie steht in ihrem Laden Chaarisma in der Bahnhofstraße. Viele kommen rein und wollen auf die Schnelle noch einen Termin. Kahya muss aufpassen, dass der Laden nicht zu voll wird. Die junge Frau ärgert sich über die Situation. Der kurzfristige Lockdown habe dazu geführt, dass jetzt alle noch mal schnell zum Friseur wollen. Sie spricht von einer Massenansammlung, die es jetzt in so manchem Salon gebe, der bei der aktuellen Situation ja eigentlich verhindert werden muss. „Der Lockdown hat uns das Weihnachtsgeschäft zerstört“, sagt sie. Es sei eine der wichtigsten Zeiten für die Branche. Außerdem habe sie erst kürzlich auch noch Geld investiert und beispielsweise Einmalhandtücher gekauft. Gleichzeitig könne sie nicht alle ihrer sechs Plätze im Salon besetzen, die Abstandsregel muss gewahrt bleiben.

Zehn Mitarbeiter beschäftigt die 33-Jährige

Esra Kahya trägt viel Verantwortung, sie hat zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch der Barbershop nebenan gehört zu ihrem Laden. Bislang habe sie versucht, nur einen kleinen Teil der Belegschaft in Kurzarbeit zu schicken. Doch die letzten Überstunden und Urlaubstage sind allesamt aufgebraucht. Ab Mittwoch müssen alle in Kurzarbeit. Es gehe nicht anders. Kahya tut das leid. Sie verweist auf einen ihrer Mitarbeiter, der in wenigen Tagen Vater wird, er wird dann nur noch einen Teil seines Gehaltes bekommen. Es ist bitter, zumal die Gehälter in der Branche ohnehin nicht allzu üppig sind. Eigentlich arbeiten montags nur zwei Mitarbeiter im Friseursalon, doch an diesem Wochenbeginn vor dem Lockdown stehen sie zu viert im Laden, es soll möglichst viel des Weihnachtsumsatzes vorher eingespielt werden.

Kritik von Scholz

Nicht nur Kahya findet das Vorgehen falsch. Scharfe Kritik kam bereits vor einigen Tagen auch von Oliver Scholz, der in der Region unter seinem Namen gleich mehrere Salons betreibt und auch als Vorstandsmitglied in der Friseur- und Kosmetik-Innung Rems-Murr sitzt. Er betrachtet Friseursalons als sichere Orte, ein Lockdown sei nicht notwendig. Sogar von Willkür sprach er. Doch er will dabei nicht die Politik in Gänze kritisieren. Landrat Sigel sei den Friseuren immerhin entgegengekommen, die Betriebe bis Dienstag weiterarbeiten zu lassen. Er hofft nun auf staatliche Hilfen. Eine Entscheidung erwarte er in den nächsten Tagen.

Keine Experimente mit Chemie

Doch nicht alle finden die Maßnahmen der Politik falsch. Christopher Gedler, Salonmanager von J7 in Waiblingen, findet, dass die Schließungen bei den aktuell hohen Corona-Zahlen eben sein müssen. Ihn wundere es vielmehr, dass der zweite Lockdown nicht schon eher kam. Für das Geschäft sei es selbstverständlich schlecht, weil die Zeit vor Weihnachten eine der wichtigsten überhaupt sei. Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen fürchtet er auch, dass viele wieder „selbst Hand anlegen“, wie er sagt. Die Friseure müssten dann nach dem Lockdown wieder versuchen, zu retten, was zu retten ist. Vor allem von Experimenten mit Farbe und Chemie rät er ab. Der Salonmanager versucht es mit Optimismus und meint: „Haare wachsen immer“. Er rechnet daher mit einem großen Andrang nach dem Lockdown, die Arbeit schiebe sich quasi auf, meint er. Um möglichst viele Termine noch unterbringen zu können, habe er in den wenigen Tagen vor dem Lockdown die Öffnungszeiten ausgedehnt. Es ist eine Strategie, mit der es derzeit einige Friseure versuchen.

Birgit Laudon vom Friseursalon Struwwelpeter findet den erneuten Lockdown ebenfalls richtig, schließlich seien die Corona-Zahlen einfach zu hoch. Aus ihrer Sicht hätte der Lockdown sogar noch früher kommen müssen. Sie hofft, dass die Infektionszahlen bald wieder sinken, so dass sie und andere bald wieder ihre Türen öffnen können.

Ute Kämmerer vom Friseursalon Köpfe hat in den vergangenen Tagen bereits um 7 Uhr die ersten Termine vergeben, in Schichten versucht das Team, möglichst viele Termine für die Kundschaft möglich zu machen. Auch sie hofft, dass staatliche Hilfen für den Dezember bald fließen.

Die Telefone in vielen Friseursalons stehen derzeit nicht still. Die Zeit bis zum Lockdown am Mittwoch haben viele nochmals dafür genutzt, sich die Haare schneiden zu lassen. In Gesprächen mit den Friseuren zeigt sich: Sie bewegen sich derzeit irgendwo zwischen Entsetzen und Einsicht. Einzelne üben scharfe Kritik an der Politik.

Die 33-jährige Esra Kahya hat viel zu tun, sie steht in ihrem Laden Chaarisma in der Bahnhofstraße. Viele kommen rein und wollen auf die Schnelle noch einen

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