Waiblingen

Fronackerstraße: Die erste Bürgerbeteiligung neuer Art in Waiblingen

Fronackerstraße
Typische Szene: Lieferanten müssen oft auf der Fahrbahn parken – und schon wird's eng. © Benjamin Büttner

Mehr und mehr hat sich die Fronackerstraße zu einem Sorgenkind der Waiblinger Kommunalpolitik entwickelt. Nervige Rückstaus, noch nervigere Auto-Poser und eine lebhafte Gastronomie, die – vorsichtig ausgedrückt – nicht nach jedermanns Geschmack ist, kommen in der Bürgerbeteiligung zur Sprache, die dieser Tage gestartet ist. Während die einen auf Verkehrsberuhigung setzen, wollen andere endlich die Potenziale heben, die zum Beispiel ums alte Avia-Areal oder an der Unteren Lindenstraße schlummern.

Schon die ersten Eintragungen im Beteiligungsportal der Stadt Waiblingen zeigen, dass Zündstoff steckt in der Neugestaltung der Fronackerstraße. Sofort wird die Gastronomie erwähnt, die viele stört und auf welche die Stadt allerdings keinen direkten Einfluss hat. Der Stadt gehören vor allem die Straße, der Spielplatz und das Umfeld der ehemaligen Avia-Tankstelle, auf welcher Investoren gerne ein Ärztehaus errichten würden. „Die übrigen eben dargestellten Potenzialflächen sind in Privateigentum“, stellt Stadtplaner Patrick Henschel fest. Sprich: Der Handlungsspielraum ist begrenzt. Die Unzufriedenheit wird durch diese Feststellung freilich nicht geringer.

Die Corona-Pandemie verbietet Präsenzveranstaltungen

Jetzt also ist die Bürgerbeteiligung angelaufen – eine der besonderen Art. Im Frühjahr 2020 nämlich haben sich Stadt und Gemeinderat Regeln gegeben, bei wichtigen Entscheidungen die Waiblingerinnen und Waiblinger intensiver einzubeziehen als bisher, ihre Ideen, Anregungen und Kritik aufzunehmen. Dieses Verfahren kann zum Tragen kommen, wenn Bürger es beantragen und der Rat zustimmt. Im Fall der Fronackerstraße sind sogar fast 60 Anträge eingegangen. Sie ist also das erste Beispiel dieser neuen Art von „informeller Bürgerbeteiligung“ - und komplexer könnte das Thema kaum sein. Noch dazu herrscht Pandemie, Präsenzveranstaltungen sind zunächst nicht denkbar – die Bürgerbeteiligung findet also im Netz statt. Ein vergleichbares Verfahren, wenn auch nicht aus der Bürgerschaft initiiert, ist das „Neue Wohnen auf der Korber Höhe“. Ein zweiter Fall, der wiederum auf das neue Verfahren der „informellen Bürgerbeteiligung“ zurückgeht, wird im Lauf des Jahres die Neugestaltung der Schmidener Straße sein.

6800 Fahrzeuge täglich

Die Faktenlage zur Fronackerstraße: Die Verkehrsbelastung liegt bei rund 6800 Fahrzeugen pro Tag. Der Anteil des Durchgangsverkehrs macht knapp die Hälfte aus, die andere rührt vom Quell- und Lieferverkehr. Ober- und unterirdisch gibt es ein Angebot von rund 510 Parkplätzen. Das klingt nach viel, doch die Unterschiede sind beträchtlich: Die Stellplätze am Straßenrand sind stark ausgelastet, die in der Tiefgarage eher nicht so.

Dem Namen nach handelt die Bürgerbeteiligung von der Fronackerstraße, tatsächlich reicht das Plangebiet noch etwas in die anliegenden Straßeneinmündungen. Städtebaulich liegt Potenzial an der Ecke Fronackerstraße/Untere Lindenstraße, im Bereich der alten Eisdiele und auf dem Areal bei der Blumenstraße.

Verkehrsberuhigung versus innenstadtnahes Parkhaus

Autofahrer können erleben, wie die Situation an verschiedenen Stellen des Quartiers zusammenhängt. Wenn in der Albert-Roller-Straße jemand wartet, bis ein anderer rückwärts ausparkt, kann das rasch zum Rückstau um den Tegut-Markt herum auf der Fronackerstraße bis hinunter zum Stadtgraben führen. In verschiedenen Straßenabschnitten herrschen uneinheitliche Temporegelungen.

"Bunter Mix mit urbanem Flair"

Geschäfte, Gaststätten und Dienstleistungsbetriebe entlang der Fronackerstraße sind gut besucht. Menschen halten sich auf der Straße auf oder sind auf dem Weg zum Arzt, zum Physio, zum Hotel. Mit Fußgängern, Radfahrern und Lieferwagen zeigt sich laut Oberbürgermeister Andreas Hesky ein „bunter Mix mit urbanem Flair“. Über die unangenehmen Begleiterscheinungen berichten ihm immer wieder Anwohner: etwa, dass es im Sommer auch nachts oft nicht leiser wird.

Im Gemeinderat könnten die Meinungen kaum weiter auseinanderdriften. Träumen die einen von Verkehrsberuhigung und „Shared Space“, sehen andere in den genannten Flächen die letzte Chance, ein innenstadtnahes Parkhaus zu bauen.

Jetzt sind zunächst die Bürger gefragt. Die Möglichkeit,  Rückmeldung zu geben, besteht bis 30. April. „Das heißt nun nicht, dass der Gemeinderat oder wir als Verwaltung keine Vorstellungen davon haben, was die Fronackerstraße braucht“, erläutert OB Andreas Hesky, der zudem überhöhten Erwartungen vorbeugen möchte: „Manches lässt sich auch nicht durch die Stadt ändern. Nicht immer sind alle Wünsche umsetzbar.“ Gemeinderat, Stadtverwaltung und er persönlich versprächen sich von der Mitwirkung der Bürger aber viele Ideen, Anregungen und Impulse, wie es in der Fronackerstraße weitergehen soll. Über die Neugestaltung entscheiden wird am Ende der Gemeinderat.

Mehr und mehr hat sich die Fronackerstraße zu einem Sorgenkind der Waiblinger Kommunalpolitik entwickelt. Nervige Rückstaus, noch nervigere Auto-Poser und eine lebhafte Gastronomie, die – vorsichtig ausgedrückt – nicht nach jedermanns Geschmack ist, kommen in der Bürgerbeteiligung zur Sprache, die dieser Tage gestartet ist. Während die einen auf Verkehrsberuhigung setzen, wollen andere endlich die Potenziale heben, die zum Beispiel ums alte Avia-Areal oder an der Unteren Lindenstraße

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