Funkelnde Bergweihnacht im Klettergarten
Kernen-Stetten. Im Fackelzug zur Bergweihnacht: Dafür, dass es in den Stettener Weinbergen richtig hell wurde, sorgte die Sektion Remstal des Deutschen Alpenvereins. Ziel war der Klettergarten, wo mit Lagerfeuer, Musik und Gesang ein traditionelles Weihnachten gefeiert wurde. Das Besondere für die Gipfelstürmer: Der Nikolaus kam mit „Apfel, Nuss und Mandelkern“ von hoch droben aus den Buntsandsteinfelsen herab.
Allein schon mit der Familiengruppe starteten von der Glockenkelter aus 105 Leute, um zu ungleich mehr Fans des traditionellen Weihnachten in den Klettergarten zu kommen. Die Kinder marschierten mit ihren Fackeln, die ihnen nach den Worten der Betreuerin Andrea Bäzner aus einer der DAV-Teamfamilien, „inneres Feuer“ geben sollten, ihrem Maskottchen namens Bergfuchs hinterher, das sie schon von vielen Wanderungen mit ihren Eltern kannten. Bäzner findet es wichtig, dass Kinder „ins Ehrenamt hineinwachsen“. Für den Nikolaus hatten einige der Kinder fleißig Gedichte auswendig gelernt, die sie auf der Bühne des Klettergartens vortrugen.
Ein Familien-Ereignis schlechthin
Die Bergweihnacht - der Weg dorthin war teilweise alpin, rutschig und schlammig - war das Familien-Ereignis schlechthin und viele Handy-Aufnahmen von strahlenden Kindergesichtern wert. „Vom Himmel hoch“ empfing der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Stetten aus luftiger Höhe die Weihnachts-Fans. Der Erste Vorsitzende der DAV-Truppe, Helmut Reinhard, entdeckte unter den Bergweihnachtsgästen viele aus Stuttgart, Leonberg und Rommelshausen, mit denen er schon einmal das „schöne Gefühl“ hatte, „in den Bergen aufeinander angewiesen zu sein“.
An Weihnachten nach AfD-Art gäbe es nur Ochs und Esel
Der evangelische Pfarrer Dietrich Hub von der Paulinenpflege Winnenden sprach eine Andacht, die sich auf das politische Weltgeschehen, insbesondere in Israel und Palästina, bezog. Ein Auszug daraus: „Die Szene am Stall von Bethlehem kennen Sie alle. Überlegen Sie aber mal, wie hätte der Stall aussehen müssen, wenn es nach dem Geschmack von Pegida oder der AfD gegangen wäre? Also ohne Juden und Araber?“ Hubs Andacht zufolge wären so nur noch „Ochs und Esel“ übrig geblieben, denn ohne die Juden und die Araber hätte es kein christliches Abendland gegeben. Die Weisen aus dem Morgenland seien schließlich auch aus der Gegend des heutigen Iraks oder Irans gekommen und ohne Navigationsgerät einfach nur dem Stern gefolgt. Alle hätten friedlich zusammen im Stall von Bethlehem gestanden, um Friede auf Erden zu verkünden. Pfarrer Hub warnte vor Parteien, die „Menschen gegeneinander ausspielen“.
Gedichte zum Themen Licht und Sterne
In diesem Sinne agierte auch der Alpenverein bei seiner Bergweihnacht. Helmut Reinhard hob hervor, es werde jedem Menschen „innerlich wärmer und heller“, der im Sinne der symbolischen Kerze in der Adventszeit Licht und Wärme an andere Menschen abgibt. Auch die Gedichte der Bergweihnachtskinder bezogen sich zumeist auf die Themen Licht und Sterne. Kiara Lindenmaier hatte Mut zur Weihnachtskritik: „Wenn die Menschheit schubst und rennt, dann ist ganz bestimmt Advent.“
Nikolaus kam von den Felsen herab
Michael Früh erzählte als „Bergsteiger“ vom „Frieden in der Höhe“. Begleitet von Fackelträgern der Jugendgruppe des Alpenvereins kam der Nikolaus nach einem ausgiebigen „Von draus vom Walde komm’ ich her“ von den illuminierten Felsen zu den Kindern herab. Mit einem schweren Sack, der 300 Päckchen für den Gipfelstürmernachwuchs zum Inhalt hatte. Ganz traditionell nach dem Motto „Apfel, Nuss und Mandelkern“. Schokolädchen waren für die kleinen, fleißigen Bergwanderer und Kletterer, die den Stettener Klettergarten erst nutzen können, wenn sie mindestens einen Indoor- und einen Outdoor-Kurs beim Deutschen Alpenverein gemacht haben, aber schon auch dabei.
Von der Nachtwanderung zur Bergweihnacht
Wie entstand die Bergweihnacht in Stetten? Das war bei der diesjährigen eine gute Frage und Hilde Zimmer konnte sie beantworten. 1976 machten einige Stettener Gipfelstürmer eine Nachtwanderung zu den Sandsteinfelsen und ein Lagerfeuer, an dem sie einfach Lieder sangen. Es gab Glühwein und Pfefferminztee für die Kinder in einer modrigen, selbst gebauten Hütte und dabei kamen Ideen auf. Zum Beispiel, jedes Jahr eine Bergweihnacht zu veranstalten.
Im Laufe der Jahre klinkte sich die Kirche ein und stellte nebst Pfarrer für die Andacht den Posaunenchor. Manfred Bader, Mitglied im DAV und im Musikverein, konnte mit einem Quartett sowieso schon hoch droben von den Felsen herunter trompeten und mittlerweile ist auch der junge Chor des Gesangvereins Frohsinn namens „Sound of Stetten“ dabei.
Die Sektion Remstal des Alpenvereins Stetten bietet die Bergweihnacht eine Woche nach der Waldweihnacht der Feuerwehr im Klettergarten jedes Jahr an und erfreut sich nach Informationen des Ersten Vorsitzenden, Helmut Reinhard, zunehmender Beliebtheit. Im letzten Jahr sind sogar die 1000 Gläser für Glühwein und Punsch ausgegangen.

