Waiblingen

Gefälschter Kontoauszug bringt Frau vor Gericht

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen/Korb. Der Traum vom eigenen Haus hat eine 35-jährige Korberin am Mittwoch vor Gericht gebracht. Sie fälschte einen Kontoauszug, um dem Eigentümer ihrer Wunschimmobilie eine Anzahlung über etwa 25 000 Euro vorzugaukeln. Dafür wurde sie nun zu vier Monaten auf Bewährung, 150 Sozialstunden und Wiedergutmachung verurteilt.

Nervös presst Anja K. (Name von der Redaktion geändert) die Lippen zusammen, ihre Wangen sind gerötet. Knapp und offen hat sie zu Beginn der Verhandlung ihr Geständnis abgelegt: Mit einem Bekannten aus Kernen hat sie im vergangenen Jahr einen Kaufvertrag über ein Haus in Kleinheppach abgeschlossen. Sie habe gewusst, dass sie es nicht würde bezahlen können, habe es aber „nicht gepackt“, vom Vertrag zurückzutreten. Stattdessen fälschte sie im Februar einen vorläufigen Kontoauszug, der sie liquide erscheinen ließ und ihrem Vertragspartner eine Anzahlung in Höhe von knapp 25 000 Euro vorgaukelte.

Vierte Verurteilung

Und so steht die zweifache Mutter nun vor Gericht, der Urkundenfälschung angeklagt. Es ist ihre vierte Verurteilung. Bei zweien ging es um ein ähnliches Delikt, nämlich Betrug. Erst im Januar, knapp zwei Wochen vor ihrer jüngsten Tat, endete der Bewährungszeitraum der letzten Strafe.

Angeklagte: "Ich wollte auch mal was haben"

Warum sie den Kaufvertrag über 680 000 Euro überhaupt abgeschlossen hat, ist schwer nachvollziehbar. Als sie vor elf Monaten unterschrieb, war die ausgebildete Steuerfachangestellte zwar noch in Lohn und Brot, doch ihre finanzielle Lage kann nicht rosig ausgesehen haben: Mehr als 50 000 Euro Schulden hat sie derzeit, die nichts mit der aktuellen Anklage zu tun haben. Warum sie später nicht einfach einen Rückzieher gemacht hat, kann sie Richter und Staatsanwalt nicht rational erklären: „Ich wollte auch mal was haben“, sagt sie. Über die Auswirkungen habe sie sich gar keine Gedanken gemacht, sondern nur von Tag zu Tag gelebt. „Ich habe einfach auf den nächsten Tag gehofft.“ Ihrer Familie habe sie nichts von ihren Problemen gesagt.

Bezahlung immer weiter hinausgezögert

Dem Hausbesitzer bereitete sie indes einige Schwierigkeiten. Nachdem die Familie gemeinsam das Haus besichtigt hatte und sich begeistert zeigte, wollte dieser im Juli den Vertrag unterschreiben. Er erschien zum verabredeten Termin, Anja K. nicht. Im September dann unterzeichnete sie nachträglich, allein. Von da an habe sie die Bezahlung wieder und wieder hinausgezögert, berichtet der Eigentümer als Zeuge. Sie habe mehrfach gesagt, das Geld sei bereits überwiesen worden – „sicher zehn, fünfzehn mal“. Auf seine Nachfrage, ob sie sich das Haus wirklich leisten könne und ob sie nicht lieber zurücktreten wolle, habe Anja K. stets beteuert, sie sei liquide. Aus Mitleid mit den Kindern und weil er mit Anja K. von kleinauf bekannt sei, habe er sich also in Geduld geübt, obwohl er selbst Banken zu bedienen hatte. Im Februar dann sei er schließlich zum Anwalt gegangen.

Rechtsanwalt stellte falsche IBAN fest

Kurz darauf brachte ihm Anja K. den Kontoauszug. Er kopierte ihn und mailte ihn an seine Banken, das Finanzamt, die Notarin – und an seinen Rechtsanwalt, der das Dokument sicherheitshalber prüfen sollte. Dieser stellte fest, dass die IBAN nur 21 statt 22 Ziffern hatte. Als er daraufhin Anja K. telefonisch zur Rede stellte, gab sie die Fälschung zu. Mit etwa 27 000 Euro steht Anja K. nun bei ihrem Vertragspartner in der Kreide. Da sie seit Juni arbeitslos ist und Schulden hat, ist der entsprechende Pfändungsbescheid wirkungslos.

Schlechte Chancen bei weiterem Fehltritt

Von September an hat sie eine neue Stelle in Aussicht. Richter Dustin Dautel verurteilte sie dazu, dann „nach Kräften“ wiedergutzumachen, also nach Möglichkeit zurückzuzahlen. Eine Freiheitsstrafe auf Bewährung und Sozialstunden sollen ihr helfen, auf dem rechten Weg zu bleiben – denn bei einem weiteren Fehltritt stehen ihre Chancen schlecht, Kinder hin oder her.


Korrektur
Missverständnis im Amtsgericht: Die Urkundenfälscherin Anja K. hat auf ihrem gefälschten Kontoauszug nicht nur eine Anzahlung von 25 000 Euro für ihr Traumhaus vortäuschen wollen. Vielmehr führte sie den kompletten Kaufbetrag inklusive Zusatzposten wie die Grunderwerbssteuer dort auf – alles in allem mehr als 700 000 Euro. Dem Hauseigentümer schuldet sie nun etwa 27 000 Euro, unter anderem für den Rücktritt vom Kaufvertrag, Anwaltskosten und den Sinnesschaden durch das missbrauchte Vertrauen.