Waiblingen

Geheimer Kosmetik-Riese aus Waiblingen: Lenhart und die teuren Rohstoffpreise

Lenhart Kosmetik
Im Labor werden die Rezepte für Seifen und Shampoos entwickelt. © Benjamin Büttner

Seifen, Shampoos, Bodylotions: Obwohl ihr Name nicht draufsteht, kennt so ziemlich jeder die Produkte der Firma Lenhart Kosmetik aus Neustadt. Zumindest, wer bei bestimmten Drogeriemarkt-Ketten und Discountern einkauft. Die Produkte werden als „Private Labels“ vertrieben, als exklusive Handelsmarken für namhafte Kunden, die nicht genannt werden dürfen. Über fehlende Aufträge kann sich das Unternehmen jedenfalls nicht beklagen. Personal wird umso dringender gesucht – und die steigenden Rohstoffpreise wollen kompensiert werden.

„In den letzten zehn Tagen haben wir 30 Leute eingestellt“, sagt Geschäftsführer Axel Lenhart. Darunter geringfügig Beschäftigte, Rentner und Geflüchtete aus der Ukraine. Familien, die vor Putins Krieg geflohen sind, hat er in einem Nachbargebäude untergebracht. Vor allem Mitarbeiter für die Produktion und für die Logistik werden noch gesucht. 180 Beschäftigte zählt das Neustädter Unternehmen, das seinen Sitz in der Nähe des Stihl-Werks II hat, derzeit – Tendenz steigend. Das liegt unter anderem daran, dass ein Mitbewerber aufgeben musste und ein Discounter als neuer Großkunde mit Stückzahlen in zweistelliger Millionenhöhe akquiriert wurde. Neben den „Private Labels“ produziert Lenhart noch die Eigenmarke Alpifresh.

Bestellungen sechs Monate statt vier Wochen im Voraus

Neben der Personalsuche sieht sich der wachsende Betrieb mit einer weiteren, für diese Tage typischen, Herausforderung konfrontiert: Die Beschaffung von Rohstoffen, die auf Palm-, Raps- oder Sonnenblumenöl basieren, und Packmittel-Komponenten ist auf Grund der gestörten Lieferketten auf dem Weltmarkt schwieriger geworden. Sie bleiben nicht ganz aus, müssen aber statt vier Wochen schon sechs Monate im Voraus bestellt werden.

Mehr als 25.000 Tonnen Seifen jährlich

Gewaltige Menge verlassen jährlich die Produktionshallen: Im Jahr 2021 wurden mehr als 25.476 Tonnen Tenside – also Seifen, Duschbäder und Shampoos – hergestellt. Dazu mehr als 3000 Tonnen Crè mes und Lotionen sowie mehr als 750 Tonnen Vaseline und Melkfett. Während die Preise für Tenside um 100 Prozent gestiegen sind, haben sie sich für Glycerine als Feuchtigkeitsgeber mehr als verdreifacht. Steigerungen, die auch an die Kunden weitergegeben werden müssen.

Um hohe Mietzahlungen, Fahrtkosten und Zeit zu sparen, plant Axel Lenhart, das Unternehmen stärker am Hauptsitz zu zentralisieren. Insbesondere soll das riesige Packmittel-Lager, das sich aktuell in den ehemaligen Klett-Hallen in Korb befindet, nach Neustadt in ein neu zu bauendes Hochregallager mit 10 000 Einstellplätzen verlegt werden.

Corona sorgte für Boom bei der Handhygiene

Durch die Produktionshallen schwebt ein angenehmer Duft, als hätte jemand eben ein Schaumbad eingelassen. Herzstück aber ist ein kleines Labor, in dem die Firma die Rezepte für die Massenprodukte selbst entwickelt. Die Corona-Pandemie sorgte im Frühjahr 2020 für einen regelrechten Boom vor allem bei den Artikeln für Handhygiene. Händewaschen war mehr denn je gefragt und galt als probates Mittel gegen Infektionen.

Kunden wünschen Recycling-Verpackungen

Der Trend zur Nachhaltigkeit hält derweil an. Die Kunden, weiß Axel Lenhart, legen zum Beispiel gesteigerten Wert auf recycelfähige Verpackungen und Nachfüllpacks, was für den Hersteller wiederum bedeutet, dass er die Maschinen entsprechend umrüsten muss(te). Und: Kunststoffflaschen, wo sie weiter unverzichtbar bleiben, sollen nicht nur recycelbar sein, sondern selbst wiederum aus recyceltem Kunststoff hergestellt sein.

Auf der Produktseite sind „Badebomben“ ein aktueller Trend. Die bunten Kugeln kommen als Badezusatz ins Wasser und lösen sich dort auf, um zu blubbern, duften und das Wasser bunt zu färben.

Bescheidene Anfänge

Mit dem geplanten Bau der Lagerhalle und der Produktionserweiterung steht bei Lenhart Kosmetik nach den großen Betriebserweiterungen 1999 und 2017 vor einem weiteren entscheidenden Sprung. Die Anfänge waren bescheiden: Rudolf und Ruth Lenhart arbeiteten bis 1968 im Vertrieb für Reinigungsartikel. Dann kauften sie eine leere Lagerhalle und machten sich selbstständig. Mit einfachen Mitteln begann hier die Produktion von Wäscheweichspülern, Universalseife für die Hausreinigung, Shampoo und Badezusätzen. Die ersten Rezepte entwickelte Gründer Rudolf Lenhart selbst in der heimischen Küche.

Seifen, Shampoos, Bodylotions: Obwohl ihr Name nicht draufsteht, kennt so ziemlich jeder die Produkte der Firma Lenhart Kosmetik aus Neustadt. Zumindest, wer bei bestimmten Drogeriemarkt-Ketten und Discountern einkauft. Die Produkte werden als „Private Labels“ vertrieben, als exklusive Handelsmarken für namhafte Kunden, die nicht genannt werden dürfen. Über fehlende Aufträge kann sich das Unternehmen jedenfalls nicht beklagen. Personal wird umso dringender gesucht – und die steigenden

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