Waiblingen

Golfen auf Rasen statt Beton

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Beispiel einer Spielgolfanlage in Wetzgau © Christine Tantschinez

Waiblingen. Der Minigolfplatz beim Hallenbad ist in die Jahre gekommen, eine Aufhübschung hatte die SPD beantragt. Jetzt zeichnet sich eine überraschende Lösung ab: Ein Investor möchte das Gelände in eine Spielgolf-Anlage verwandeln. Ein Trendsport, der mit seinen naturähnlichen Landschaften an echtes Golf erinnert. Nur eben im Kleinen.

Plötzlich scheint es, als hätte Waiblingen für die Gartenschau 2019 und überhaupt eine kleine Attraktion mehr, die zudem Spaß für die ganze Familie verspricht. Ob eine Aufhübschung des alten Minigolfplatzes viele Radler und Wanderer zum Anhalten bewegt hätte? Der Spielgolf-Anlage scheinen Stadtverwaltung, Stadträte und nicht zuletzt der Investor ebendies zuzutrauen. Michael Beyerle und Familie betreiben bereits seit 2015 gemeinsam mit zwei befreundeten Familien eine Anlage auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in Schwäbisch-Gmünd, er selbst unterrichtet im Hauptberuf als Lehrer an der Neustädter Friedensschule. Seine Überzeugung: Spielgolf sei ungleich attraktiver und mache mehr Spaß als Minigolf.

Wie in der Natur: Sand, Felsen und Wasser

Spielgolf-Bahnen gleichen echten Golfplätzen. Es gibt (Kunst-)Rasen in unterschiedlicher Höhe und Beschaffenheit, Sandbänke, Wasserläufe, Baumstämme, Kuhlen, Hügelchen und Fels-Findlinge - alles der Natur nachgebaut. Was es also nicht gibt: Beton und knatschbunte Plastikaufbauten. „Außerdem wird keine Fläche versiegelt“, nennt Michael Beyerle einen weiteren Vorzug. Die Anlage wirkt zumindest optisch naturnah, auch wenn Kunstrasen vorherrscht. Anders als bei den normierten Minigolf-Bahnen heißt die Devise: „Betreten des Spielfelds erwünscht.“ Bei der Gestaltung der Flächen sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.

Vor Jahresfrist hatte die SPD-Fraktion im Gemeinderat beantragt, die aus dem Jahr 1980 stammende Anlage für eigentlich wenig Geld aufzuhübschen – im Wesentlichen aber zu belassen. Mit Beratung durch den Württembergischen Bahnensportverband entwickelte die Stadt ein Konzept für eine Standard-Minigolfanlage mit verbessertem Kiosk und Toiletten. Die Kosten: stolze 300 000 Euro. Weitaus günstiger kommt die Stadt weg, wenn sie sich für den Investor entscheidet, denn dann müsste sie nur für den Rückbau der alten Anlage und den Bau des WC-Häuschens zahlen. Was nach Schätzung der Verwaltung für etwa 100 000 Euro zu machen wäre. Den Bau der 18 Spielgolf-Bahnen mit einer Breite zwischen zwei und vereinhalb Metern, sowie eines neuen Kiosks übernehmen die Investoren selbst. Der bisherige Betreiber, ein Mitarbeiter des städtischen Abteilung Sport, macht den Job, wie OB Andreas Hesky im Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Soziales ausführte, „in einer Mischung aus Ehrenamt und Beteiligung an den Einnahmen“. Über die Gespräche mit den Investoren ist er informiert.

„Eine tolle Sache, das passt in die Zeit“

Bei den Stadträten erntet die Spielgolf-Idee volle Zustimmung. „Wir freuen uns außerordentlich“, sagte Roland Wied, der seinerzeit den Antrag gestellt hatte. Die Kosten für die Modernisierung durch die Stadt wären ein dicker Brocken. Daher bevorzugen die Sozialdemokraten die Investorenlösung, in voller Einmütigkeit mit der FDP: „Ein Investor wäre voll in unserem Sinne“, betont Stadträtin Andrea Rieger. CDU-Mann Wolfgang Bechtle hat die Anlage im Wetzgauer Himmelsgarten schon getestet: „Sie fügt sich gut in die Landschaft ein.“ Im Urlaub hat Bernd Wissmann (Bübi) den Familiensport kennengelernt: „Dort war’s jeden Abend voll.“ Und auch Hermann Schöllkopf findet’s eine „tolle Sache, die in die Zeit passt“. Die Stadtverwaltung hat nun den Auftrag, die Gespräche mit den Investoren konkreter zu machen. Das Ergebnis wird dann dem Gremium zur Entscheidung vorgelegt.

Der Kiosk mit Sitzgelegenheiten soll nicht nur den spielenden Besuchern vorbehalten bleiben. Gedacht ist an Getränke, Eis sowie kleine Speisen wie Leberkäswecken oder Saitenwürstchen.

Die Investoren denken an ein längerfristiges Engagement. Michael Beyerle: „Wir brauchen 15 Jahre, um die Investition wieder reinzuspielen.“

Beim Eintritt kostet Spielgolf etwas mehr als Minigolf. In der Anlage Wetzgau zahlen Erwachsene 5,50 Euro, Kinder drei Euro. Familienkarten für zwei Erwachsene mit einem Kind sind für zwölf Euro erhältlich.