Waiblingen

Große Hilfsbereitschaft nach Brand in Bittenfeld: Familie sucht neues Zuhause

Das zerstörte Haus in Bittenfeld. Am Bauzaun steht der Hinweis:  „Wir bitten um respektvolles Verhalten gegenüber den betroffene
Das zerstörte Haus in Bittenfeld. Am Bauzaun steht der Hinweis: „Wir bitten um respektvolles Verhalten gegenüber den betroffenen Bewohnern.“ © Patricia Fels

Waiblingen-Bittenfeld. Der Schock sitzt in Bittenfeld auch Tage nach dem verheerenden Brand noch tief. Wer durch die Straße läuft, merkt schnell: Dieses Feuer beschäftigt die Menschen weiterhin. Anwohner sprechen leise darüber, viele noch immer fassungslos. In der Luft liegt stellenweise noch ein rauchiger Geruch, hinter einem Bauzaun bietet sich ein Bild der Zerstörung.

Am Zaun hängt ein großer Pappkarton mit einer eindringlichen Bitte: „Wir bitten um respektvolles Verhalten gegenüber den betroffenen Bewohnern.“ Direkt daneben ein DIN-A4-Zettel – ein Wohnungsgesuch für eine dreiköpfige Familie, bevorzugt in Bittenfeld. Es sind stille Hinweise darauf, wie sehr der Großbrand das Leben der Betroffenen von einem Moment auf den anderen verändert hat. Wie berichtet ist am frühen Samstagmorgen (23.05.) um 4.15 Uhr ein Feuer in einer zum Wohnhaus umgebauten Scheune gemeldet worden. Eine alleinstehende Person und eine Familie verloren dabei ihr Zuhause.

Am Samstag kam es zu einem Großbrand in Bittenfeld.
Am Samstag kam es zu einem Großbrand in Bittenfeld. © Benjamin Beytekin

Die Anteilnahme in Bittenfeld ist groß. Ortsvorsteherin Nicole Grüner schildert, dass die Unterstützung für die betroffene Familie bereits intensiv angelaufen ist. Ein Angehöriger koordiniere derzeit viele organisatorische Themen, insbesondere was die Versicherung anbelangt und alles Schriftliche. Für die Unterbringung der Familie sei man intensiv auf der Suche. Es soll kurzfristig ein „Mobile Home“ organisiert werden. Zusätzlich gebe es laut Grüner eine Wohnung, die bereits angemietet wurde, deren reguläre Übergabe aber erst zum 1. Juni vorgesehen ist. Nun werde versucht, „mit dem Hauseigentümer noch kurzfristig abzuklären“, ob diese zur Verfügung gestellt werden kann. Wichtig sei dabei auch, dass der Hund der Familie mit untergebracht werden kann.

Bittenfelderinnen rufen zwei Spendenaktionen ins Leben

In kürzester Zeit haben zwei Bittenfelderinnen Spendenaktionen ins Leben gerufen, um die Betroffenen, die ihr Zuhause verloren haben, zu unterstützen. Eine von ihnen ist Miriam Ruotolo. „Ich wurde in der Nacht von der Explosion geweckt“, erinnert sie sich.

Aktuell sei die Familie privat untergekommen, suche nun aber ein neues Zuhause. „Die Hilfsbereitschaft im Ort ist groß“, sagt sie. Die Familie habe bereits Kleiderspenden erhalten. Miriam Ruotolo sammelt über die Plattform „gofoundme“ Geld für die Betroffenen. Auf der Internetseite trägt die Aktion den Titel „Alles verloren durch Hausbrand“. Im Ort hat sie zudem Zettel aufgehängt, sodass Unterstützer den QR-Code abscannen und mitmachen können.

Ein zweite Aktion ebenfalls auf der Internetplattform „gofoundme“ hat Lisa Wilking mit dem Titel „Brand in Waiblingen-Bittenfeld: Familie auf der Straße“ gestartet. Hier ist das Spendenziel von 20.000 Euro bald schon erreicht.

Feuerwehr rückte wenige Minuten nach der Alarmierung an

Ein Nachbar, der direkt hinter dem Brandhaus wohnt, hat die dramatischen Szenen ebenfalls hautnah miterlebt. Geweckt wurde er in der Nacht von seiner Tochter. Kurz darauf war bereits der Notruf abgesetzt. Besonders beeindruckt zeigte er sich vom schnellen Eintreffen der Feuerwehr. „Dass die so schnell da waren, war wichtig“, berichtet er.

Für die Anwohner in unmittelbarer Nähe waren es bange Stunden. Auch sie mussten sich in Sicherheit bringen und konnten vorübergehend in die Zehntscheuer bleiben. Vier bis fünf Stunden dauerte der Einsatz, erinnert sich der Nachbar. Zahlreiche Einsatzfahrzeuge standen in der Straße, Rauch zog durch das Wohngebiet, zeitweise sei kaum noch etwas zu sehen gewesen.

Nachbargebäude waren im „kritischen Zustand“

Björn Mutschler von der Feuerwehr Waiblingen leitete an diesem Morgen den Einsatz. Wenige Minuten nach der Alarmierung sei er mit ersten Einsatzkräften vor Ort gewesen. Um 4.26 Uhr erfolgte die Nachalarmierung. „Als wir eintrafen, stand das Gebäude bereits im Vollbrand“, erinnert er sich im Gespräch mit der Redaktion. „Die Betroffenen standen draußen und sagten, dass niemand mehr im Haus ist“, berichtet er. Dort in der Alemannenstraße unweit der alten Zehntscheuer stehen die Häuser dicht beieinander. Nachbargebäude wiesen eine hohe Temperatur auf, was auf einen kritischen Zustand hindeutete. Kunststoffelemente hätten bereits nachgegeben, weshalb auch die umgrenzenden Gebäude evakuiert wurden. Die Feuerwehr nahm eine Riegelstellung vor.

„Dann kommen verschiedene Dinge auf einmal“, sagt er. Durch die Brandbekämpfung habe man das Gebäude, das an die ehemalige Scheune angrenzt, relativ gut halten können, wenn es auch durch das Löschwasser Schaden davon getragen habe. Es sei Standard, dass zu Einsätzen in Bittenfeld die Feuerwehr Remseck mit der Drehleiter anrückt, erklärt Mutschler. Zudem sei die Waiblinger Drehleiter im Einsatz gewesen.

Stadtwerke Waiblingen stellten den Strom im Gebiet ab

Am Gebäude war ein Dachständer für die Stromleitungen befestigt. „Die Gefahr war, dass der Dachständer herunterbrechen könnte. Dann wären die Stromleitungen auf dem Boden gelegen. Deshalb informierte Björn Mutschler die Stadtwerke, die den Strom im Gebiet abstellten. Für die Einsatzkräfte wurde der Gefahrenbereich speziell gekennzeichnet.

Menschen aus der Umgebung wurden in der Zehntscheuer betreut, wo Ehrenamtliche des DRK-Ortsvereins Waiblingen eine Betreuungsstelle eingerichtet hatten. Der Rettungsdienst kümmerte sich zudem um zwei Leichtverletzte. Ebenso waren Kräfte der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) vor Ort.

Feuerwehr rettet Nachbargebäude

Auch die Nachbarhäuser blieben nicht völlig verschont. Durch die enorme Hitze sprangen Scheiben, Rollläden gingen zu Bruch. „Bei uns oben ist die Scheibe kaputt gegangen“, sagt ein Anwohner. Splitter lagen auf dem Boden. In der Küche sei ebenfalls Glas gesprungen. Dennoch sei allen klar: Es hätte noch schlimmer kommen können. Ein Feuerwehrmann habe sogar gesagt, wenn die Flammen auf das Dach des Nachbarhauses übergegriffen hätten, wäre womöglich auch dieses in Brand geraten.

Mit den Hauptlöscharbeiten war die Feuerwehr Waiblingen bis etwa 10 Uhr beschäftigt. Am Mittag wurden Einsatzkräfte samt Drehleiter nach Strümpfelbach gerufen. In der Nacht auf Montag (25.05.) gab es zudem einen Einsatz am Staufer-Schulzentrum, wo Unbekannte Müllcontainer in Brand setzten. Da war die Waiblinger Wehr aber auch noch in Bittenfeld gebunden. „Wir berücksichtigen immer den Grundschutz, um Paralleleinsätze abzuarbeiten“, betont Mutschler. Könne man die Einsätze nicht alleine bewältigen, hole man Unterstützung durch Nachbarwehren.

Drohne aus Winterbach im Einsatz

Ähnlich lief es auch bei den Löscharbeiten in Bittenfeld ab, wobei die Winterbacher Wehr per Drohne die Luftbeobachtung übernahm fürs Gebäude und die umliegenden Häuser. Zudem wurde ein Bagger vom Technischen Hilfswerk Ortsverein Schorndorf geordert, „der Balken aus dem Weg räumte“. Den Tag über stellte die Abteilung Bittenfeld eine Brandwache. Dreimal musste man im Gebäude nochmals nachlöschen, so Björn Mutschler. Die Kontrolle dauerte bis Montagabend 21 Uhr an. 100 Einsatzkräfte zählte allein die Waiblinger Feuerwehr. Hinzukommen die Ehrenamtlichen vom DRK und THW.

Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte zuletzt auch der große Hinweis am Bauzaun. Der Hintergrund: Offenbar hatten sich immer wieder Schaulustige an der Brandstelle eingefunden, um einen Blick auf das zerstörte Haus zu werfen. "Meine Tochter hat darauf reagiert und das Schild angebracht", sagt der Rentner.

Ermittlungen dauern an

Die Ermittlungen zur Brandursache gestalten sich schwierig, sagt Polizeipressesprecher Robert Kauer im Gespräch mit der Redaktion. Ein Teil des Gebäudes sei einsturzgefährdet, könne daher nicht betreten werden. Deshalb dauern die Ermittlungen an. Die Polizei geht von einem Schaden in Höhe von 500.000 Euro aus.

Mehr entdecken

VG WORT Zahlpixel