Waiblingen

Hans Peter Stihl wird 90 Jahre alt und findet deutliche Worte zum Ukraine-Krieg

Hans Peter Stihl
Freund klarer Worte: Hans Peter Stihl. © Alexandra Palmizi

Als Hans Peter Stihl 1960 als Assistent der Geschäftsleitung in das Unternehmen seines Vaters Andreas eintrat, machte Stihl einen Umsatz von 20 Millionen D-Mark. Heute kratzt Stihl an der Marke von 5 Milliarden Euro. Und Hans Peter Stihl ist weiter im Beirat des Unternehmens aktiv. Der Ehrenbürger der Stadt Waiblingen, der lange Jahre als Gesicht und Stimme der deutschen Wirtschaft galt, wird am Ostermontag 90 Jahre alt.

Der Geburtstag wird überschattet vom Tod seiner Schwester Eva Mayr-Stihl (87) am 9. April. Ihre Zusammenarbeit war legendär: 62 Jahre lang saßen Bruder und Schwester in einem gemeinsamen Büro. Bis 2002 war er Stihl-Chef und sie die Finanzchefin. Danach arbeiteten sie gemeinsam im Beiratsgebäude an der Waiblinger Badstraße.

„Die Entscheidung für die Bürogemeinschaft mit meiner Schwester hat sich als Vorzeigemodell für erfolgreiche Unternehmensführung in Familienunternehmen erwiesen und war eine Sternstunde des Unternehmens“, sagt Hans Peter Stihl. „Ich konnte die zeitaufwendigen Spitzenpositionen bei den Metallarbeitgebern und im Deutschen Industrie- und Handelstag nur deshalb über zwei Jahrzehnte hinweg mit dem nötigen Engagement bekleiden, weil mir meine Schwester im Unternehmen den Rücken freihielt.“

Konrad Adenauer und Helmut Kohl haben Hans Peter Stihl am meisten beeindruckt

Hans Peter Stihl kommt nicht mehr jeden Tag ins Unternehmen. Dafür ist er noch als Ehrenvorsitzender im einflussreichen Beirat präsent. „Gewisse Dinge, beispielsweise hohe Investitionen, kann der Vorstand nicht ohne Zustimmung des Beirates tätigen“, erklärt Hans Peter Stihl. „Die Unternehmenspolitik in ihrer Gesamtheit wird vom Beirat genehmigt.“ Im Beirat sitzen die Vertreter der Familie und Experten aus der Wirtschaft wie der ehemalige Bosch-Chef Franz Fehrenbach. Vorsitzender ist seit 2012 sein Sohn Nikolas Stihl (61).

Neun Jahrzehnte deutscher Geschichte hat Hans Peter Stihl erlebt. Zwei Politiker haben ihn am meisten beeindruckt: Konrad Adenauer, der sich für die Anbindung an die westliche Welt einsetzte, und Helmut Kohl, der als Kanzler die Chance der Wiedervereinigung genutzt hat. „Alle, die danach kamen, sind mit größeren oder kleineren Fragezeichen zu versehen“, sagt Hans Peter Stihl und ärgert sich über eines: „Ich wundere mich, dass die deutsche Wiedervereinigung so wenig geschätzt wird. Ich war überzeugt, dass sie zu meiner Lebenszeit nicht mehr stattfindet.“

Hans Peter Stihl zum russischen Angriff auf die Ukraine 

Hans Peter Stihl gehört noch zu einer Generation, die den Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Wie sieht er nun den russischen Angriff auf die Ukraine? „Ich bin der Meinung, dass Herr Putin den Krieg schon jetzt verloren hat. Europa und fast die ganze Welt haben sich gegen diesen Krieg gestellt“, sagt er. „Das ist eine erbarmungslose Politik und ein Krieg mit vielen Toten und der Zerstörung der Infrastruktur eines Landes.“

Hans Peter Stihl: "Die Bundeswehr hat momentan keinerlei Bedeutung"

Und er spart nicht mit Kritik an der deutschen Politik und indirekt auch der Ära von Angela Merkel: „Deutschland hat über Jahrzehnte Militärpotenzial abgebaut. Die Bundeswehr hat momentan keinerlei Bedeutung und muss jetzt mit 100 Milliarden Euro aufgepäppelt werden. Diese Zahl zeigt, dass die Politik der vergangenen 20 Jahre unsere Verteidigungsbereitschaft vernachlässigt hat.“

Bundeskanzler Olaf Scholz hält an Gaslieferungen aus Russland fest. Hans Peter Stihl findet das richtig.

Eine Zeit des Verzichts für die Bundesbürger als Folge des Krieges sieht er durchaus. „Das Wachstum wird schwächer werden.“ Auch für Stihl bleibt der Krieg nicht ohne Folgen. Mit der Ukraine und Russland fallen zwei wichtige Märkte weg. „Ich hoffe auf ein schnelles Ende dieses Krieges“, sagt Hans Peter Stihl.

Sein größter Erfolg? Die Einstellung der Schlepper-Produktion

Vor 20 Jahren hatte sich die Familie Stihl aus der Vorstandsarbeit zurückgezogen. Nach der erfolgreichen Ära mit Bertram Kandziora an der Spitze gibt es nun einen neuen Stihl-Chef: Michael Traub (52).

Zum ersten Mal führt ein Wirtschaftswissenschaftler den Vorstand an und kein Ingenieur. Ein Zeichen oder Zufall? Nein, sagt Hans Peter Stihl. Das habe keine Rolle gespielt. „Michael Traub hat große Erfahrung in der Führung von Unternehmen.“

Trotz aller aktuellen Probleme sieht Hans Peter Stihl das Unternehmen langfristig weiter auf Wachstumskurs. Es gibt einen großen Markt für die neuen Akku-Produkte. Stihl wird auch weiter an Benzin-Sägen für den Profi-Bereich arbeiten. Dazu gibt es für Stihl einen Kontinent, den das Unternehmen noch nicht erschlossen hat: Afrika.

Was war sein größter Erfolg? „1963 habe ich meinen Vater überzeugen können, die Schlepper-Produktion einzustellen“, erinnert sich Hans Peter Stihl. Die Trecker waren ein Verlustbringer. Fortan konzentrierte sich Stihl auf Motorsägen. „Große Fehler haben wir nicht gemacht. Die Familie wird jetzt von der dritten Generation vertreten. Die ist jung genug, das Unternehmen weiter nach vorne zu bringen.“

Was wünscht sich Hans Peter Stihl zu seinem 90. Geburtstag? Seine Antwort: „Mein größter Wunsch ist Frieden und dass ich noch möglichst lange gesund bleibe.“

Als Hans Peter Stihl 1960 als Assistent der Geschäftsleitung in das Unternehmen seines Vaters Andreas eintrat, machte Stihl einen Umsatz von 20 Millionen D-Mark. Heute kratzt Stihl an der Marke von 5 Milliarden Euro. Und Hans Peter Stihl ist weiter im Beirat des Unternehmens aktiv. Der Ehrenbürger der Stadt Waiblingen, der lange Jahre als Gesicht und Stimme der deutschen Wirtschaft galt, wird am Ostermontag 90 Jahre alt.

Der Geburtstag wird überschattet vom Tod seiner Schwester Eva

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