Waiblingen

Hanta-Virus: Bereits neun Infektionen

Maus
Nager übertragen den Hanta-Virus. © ©silkehuettche - stock.adobe.com

Waiblingen. Meistens merken die Infizierten nicht einmal, dass sie sich was eingefangen haben. Oft verläuft eine Hanta-Virus-Infektion wie eine Grippe. Doch manchmal folgt auf das Fieber auch Nierenversagen. Oder die Lungen werden schwer geschädigt. Hanta-Viren werden durch Nagetiere übertragen. Und in diesem Jahr ist die Zahl der Erkrankten schon sehr hoch.

Es sind nicht nur die niedlichen Rötelmäuse, auch wenn meistens dieser Name fällt, wenn es um das Hanta-Virus geht. Tatsächlich sind es Nager per se, die die Krankheit übertragen können, also auch die Hausmaus oder die Ratte.

Das Hanta-Virus, berühmt geworden in den 1950er Jahren, als während des Koreakrieges mehr als 3000 amerikanische Soldaten an einem ungewöhnlich starken Fieber mit anschließend häufigen Nierenversagen erkrankten, schlägt in diesem Jahr häufiger zu als üblich. Der Landkreis Göppingen, im Süd-Osten des Rems-Murr-Kreises gelegen, schlägt Alarm: Bis zum 21. Juni waren dem Gesundheitsamt 45 Erkrankungsfälle gemeldet worden. Im gesamten Jahr 2016 waren es dagegen nur zehn Fälle. Allerdings schwanken die Erkrankungszahlen jährlich stark und die aktuelle Situation ist nichts zum Jahr 2012: Damals erkrankten 152 Menschen im Kreis Göppingen nachweislich, während 2013 dann nur ein Hanta-Virus-Fall gezählt wurde.

Die Göppinger erklären die dennoch schon hohe Fallzahl in diesem Jahr mit der guten Bucheckern-Ernte im vergangenen Jahr. Diese sind die Hauptnahrungsquelle der Rötelmaus. Deshalb sind auch vor allem die waldreichen Gegenden am Albtrauf besonders gefährdet.

Weniger Wald, weniger Erkrankungen

Der Rems-Murr-Kreis kann so viel Wald nicht bieten. Und hat auch längst nicht so viele Erkrankungen zu vermelden: Augenblicklich wurden im Gesundheitsamt neun Fälle gezählt. Sogar der benachbarte Nachbarkreis im Nord-Westen, Ludwigsburg, hat schon drei mehr. Allerdings sind auch im Rems-Murr-Kreis schon deutlich mehr Menschen erkrankt als in 2016. Damals wurde nur ein Fall gemeldet.

Die Krankheit verläuft zunächst grippeähnlich: Drei bis vier Tage hat der Erkrankte hohes Fieber und Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen. Dann können Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen auftreten. Die in Mitteleuropa auftretenden Hanta-Virus-Typen „führen nur selten zu Erkrankungsbildern mit Beteiligung der Lungen oder deutlich sichtbaren, äußeren Blutungen“.

Das Hanta-Virus kann also gefährlich werden, doch niemand ist ihm schutzlos ausgeliefert. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind laut Robert-Koch-Institut nicht bekannt. Die Viren werden von Mäusen, Ratten, Spitzmäusen über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden. Der Mensch infiziert sich, „wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt wird und die Erreger eingeatmet werden“. Eine Übertragung mittels Stechmücken oder Zecken findet „wahrscheinlich“ nicht statt.

Erreger als Hinterlassenschaft

Unglücklicherweise sind die Viren in der Umwelt relativ stabil. Das heißt: Auch wenn die Maus den Schuppen oder die Garage oder den Keller schon längst wieder verlassen hat, können noch Erreger in den Hinterlassenschaften lauern. Daher ist zur Ansteckung kein direkter Kontakt mit den Nagern notwendig. Eine Infektion durch Bisse ist ebenfalls möglich. Das heißt: Wer endlich mal die Garage aufräumen will und die Mäuseköttel im Eck schon entdeckt hat, sollte Schutzmaßnahmen ergreifen.

Das Robert-Koch-Institut rät:

  • Zum Schutz vor Hantavirus-Infektionen müssen tote Mäuse sicher beseitigt werden und kontaminierte Flächen, also Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen, sorgfältig mit Haushaltsreiniger gereinigt werden.
  • Tragen Sie Gummihandschuhe und bei Staubentwicklung möglichst einen eng anliegenden Mundnasenschutz. Empfohlen wird eine Atemschutzmaske (FFP3-Maske).
  • Lüften Sie vor Beginn der Reinigung von Räumen mit Mausbefall gut durch, indem Sie alle Fenster und Türen für mindestens 30 Minuten öffnen.
  • Vermeiden Sie es, bei der Entfernung von Mäusekot und Nestmaterial Staub aufzuwirbeln. Benutzen Sie keinen Staubsauger, weil Viren über die Abluft abgegeben werden könnten.
  • Besprühen Sie Mäuse, belegte Fallen und Mäuseausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel. So verhindern Sie, dass bei diesen Aktivitäten virusbeladener Staub aufgewirbelt wird.
  • Geben Sie die toten Mäuse oder die belegte Mausefalle in eine Plastiktüte, verschließen und entsorgen Sie diese mit dem Hausmüll.
  • Reinigen Sie alle gebrauchten Fallen nach der Benutzung.
  • Waschen Sie sich abschließend die Hände gründlich mit Wasser und Seife.