Waiblingen

Heftiges Unwetter: Baum stürzt auf Auto und verletzt Mutter in Waiblingen - Feuerwehr zieht Bilanz

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Aufräumarbeiten in Neustadt Straße Lindvögele nach Sturm
Die Straße Liedvögele in Neustadt war von Schlamm geflutet worden und musste per Radlader und Hochdruckreiniger gesäubert werden. © Benjamin Büttner
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Ein Baum war am Montagabend (28.6.) bei Weinstadt auf die B29 gestürzt. © Benjamin Büttner

Was waren das für Unwetter! Umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller wurden vor allem am Montagabend an zahlreichen Orten gemeldet. Die Feuerwehren in Waiblingen, Weinstadt, Kernen, Korb und Fellbach eilten von einem Einsatz zum nächsten. Am Dienstagnachmittag stürmte es weiter – und die Feuerwehren waren schon wieder im Dauereinsatz.

Die Straße Lindvögele in Waiblingen-Neustadt ist samt Straßeneinläufen mit Schlamm überschwemmt worden, so dass Bauhofmitarbeiter am Dienstagmittag die Fahrbahn per Radlader und anschließend per Hochdruckreiniger freiräumen mussten. Laut dem Kommandanten der Waiblinger Gesamtwehr, Jochen Wolf, ist die Stadt „im Großen und Ganzen glimpflich davongekommen, im Vergleich zu anderen Landkreisen wie Reutlingen und Tübingen“.

Das heißt freilich nicht, dass die vielen Ehrenamtlichen, die sich rund um Waiblingen engagieren, einen entspannten Abend erlebt haben. 35-mal ist die Feuerwehr am Montagabend mit 161 Einsatzkräften und 19 Fahrzeugen allein in Waiblingen ausgerückt. Der letzte Einsatz in der Reihe war am Dienstagmorgen in Hegnach, wo sich an einem Haus Dachziegel gelöst hatten und herabzustürzen drohten. Am Dienstagnachmittag kamen weitere neun unwetterbedingte Einsätze dazu.

Baum fällt auf Kita Ringstraße

Neben einigen vollgelaufenen Kellern auf der Korber Höhe musste die Wehr zahlreiche umgestürzte Bäume beseitigen, wie etwa an der Kita Ringstraße, wo eine Linde auf das Gebäude gestürzt ist, aber wohl, laut Bauhof, ohne größere Beschädigungen anzurichten. Am Danziger Platz ist ein größerer Ast auf ein parkendes Fahrzeug gestürzt, in Neustadt am Badberg drohte ein gebrochener Baum auf das Gelände der Firma Stihl zu stürzen.

Baum stürzt auf Auto und verletzt Mutter und ihre beiden Kinder

Am Dienstagnachmittag ging es allerdings weiter, zumindest an einem Ort auch mit schlimmeren Folgen: Zwischen Bittenfeld und Böllenbodenhof fiel bei einem Waldstück in der Gumpenstraße ein Baum auf ein vorbeifahrendes Auto. Die 34-jährige Autofahrerin wurde laut Polizeimitteilung vermutlich schwer verletzt. Ein Passant bemerkte das Unglück gegen 15.30 Uhr und wählte den Notruf. Die Frau wurde notärztlich versorgt. Sie und ihre beiden Kinder im Alter von einem und drei Jahren, die auch mit im Fahrzeug saßen, wurden anschließend ins Krankenhaus gebracht. Einen größeren Wassereinbruch gab’s am Dienstag noch in der Flüchtlingsunterkunft am Kätzenbach

Weinstadt: „Mehrere umgestürzte Bäume“

Aus Weinstadt berichtet Feuerwehr-Pressesprecher Tim Maier von 14 Einsätzen in Beutelsbach, Endersbach, Schnait und Strümpfelbach. „Mehrere umgestürzte Bäume oder herabgestürzte Äste sowie Wassereinbrüche beschäftigten die Ehrenamtlichen für rund zwei Stunden“, schreibt er unserer Redaktion.

Insgesamt seien acht Fahrzeuge mit mehr als 50 Feuerwehrleuten im Einsatz gewesen. Zur Koordination der Einsatzstellen war im Feuerwehrhaus in Beutelsbach die sogenannte Führungsgruppe zusammengetreten. Am späten Dienstagnachmittag war die Feuwerwehr Weinstadt noch immer an mehreren Einsatzstellen beschäftigt, darunter auch in einer Tiefgarage in der Endersbacher Pestalozzistraße, die rund einen Meter tief unter Wasser stand.

Kernen: „Trotz allem Glück gehabt“

„Kernen hat trotz allem Glück gehabt“, sagt Andreas Wersch und verweist auf die Bilder aus Rottweil, wo das Unwetter die Menschen noch viel schlimmer erwischt hat. Auch sei der Hagel „dank des Hagelfliegers“ ausgeblieben.

Andreas Wersch ist als Feuerwehrkommandant für Stetten und Rommelshausen verantwortlich, seine Truppe war am Montagabend in beiden Ortschaften im Einsatz. „Im Prinzip waren es viele Kleinigkeiten, die uns auf Trab gehalten haben“, berichtet er am Dienstagmorgen am Telefon. Zwei, drei Stunden habe der Einsatz schon gedauert. Insgesamt zählte Wersch 14 Einsatzstellen.

Im Gewerbegebiet auf der Höhe zum Beispiel hatte ein Baum einen Laternenmast mitgerissen: „Der stand unter Strom, also musste das Remstalwerk den Straßenzug vom Netz nehmen“, berichtet Wersch. Der Mast sei dann „abgeflext“ worden. Beim Sandwerk an der Landesstraße in Richtung Esslingen habe ein Baum die Straße blockiert und die Leitplanke beschädigt, ein Erdbeerstand in Stetten hat den Sturm nicht überlebt und beim Bürgerhaus in Rommelshausen wurde „endlich die Weihnachtsbeleuchtung abgehängt“.

Vollgelaufene Keller: Sehr ärgerlich für die Bewohner

Hinzu kamen auch in Kernen mehrere vollgelaufenen Keller – was für die Bewohner natürlich besonders ärgerlich ist. „Es kommt zu schnell zu viel Wasser, dann nimmt der Kanal das nicht auf“, sagt Wersch. Immerhin: Gerettet werden musste niemand - anders als in Backnang. 

Ähnlich spielte sich das Geschehen auch in Korb ab. Dort wurde die Feuerwehr zu elf Einsätzen alarmiert, wobei diese mit 37 Ehrenamtlichen und fünf Fahrzeugen vor Ort war. Neben vollgelaufenen Kellern und Garagen galt es auch, eine Tiefgarage vom eingetretenen Wasser zu befreien. Dort waren Großteile bis zu 40 Zentimeter unter Wasser, so Pressesprecher Simon Holder.

In Fellbach stürzt meterhoher Zaun Max-Graser-Stadion um

Etwas heftiger tobte das Unwetter in Fellbach. Innerhalb von sechs Stunden fielen insgesamt 64 Einsätze an, welche von den drei Abteilungen der Fellbacher Wehr und insgesamt etwa 80 Einsatzkräften abgearbeitet wurden.

Spektakulär sei der Anblick am Max-Graser-Stadion unweit von Schwabenlandhalle und F 3 gewesen, der sich den Einsatzkräften bot, so Alessandro Marcigliano von der Feuerwehr Fellbach. Dort wurde der mehrere Meter hohe Zaun rund um das Spielfeld von Windböen regelrecht umgebogen und umgerissen, so dass er in den Fußweg hineinragte. Die Stelle wurde durch die Feuerwehr und den Bauhof gesperrt.

Außerdem musste auch die Fellbacher Wehr zahlreiche Bäume im Stadtgebiet, die auf Straßen und Autos lagen, beseitigen, die Unterführung am Fellbacher Bahnhof sowie zahlreiche Keller leer pumpen, wo teils bis zu einem halben Meter das Wasser stand. Schlimm war auch der Anblick, der sich den Einsatzkräften bei einem Betrieb in der Stuttgarter Straße bot. Sämtliche Bereiche sind dort voll mit Schlamm, welchen das Regenwasser angespült hatte, zudem war die Be- und Entladerampe komplett mit Wasser vollgelaufen.

Schlimmer war es aber in Backnang. Dort war ein Mann nach Angaben der Polizei am Montagabend in einer Kellerwohnung durch die Wassermassen eingeschlossen worden, konnte aber durch die Feuerwehr unversehrt gerettet werden. Im Kreis Biberach war Anfang Juni ein Mann in seiner eigenen Wohnung vom Regenwasser überrascht worden und ums Leben gekommen.

Was waren das für Unwetter! Umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller wurden vor allem am Montagabend an zahlreichen Orten gemeldet. Die Feuerwehren in Waiblingen, Weinstadt, Kernen, Korb und Fellbach eilten von einem Einsatz zum nächsten. Am Dienstagnachmittag stürmte es weiter – und die Feuerwehren waren schon wieder im Dauereinsatz.

Die Straße Lindvögele in Waiblingen-Neustadt ist samt Straßeneinläufen mit Schlamm überschwemmt worden, so dass Bauhofmitarbeiter am Dienstagmittag

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